Kanadische Behörde an Hospiz: Bietet Sterbehilfe an, oder wir streichen Gelder

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Foto: Mortortion Films/Shutterstock
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Wieviel Druck, "Sterbehilfe" zu leisten, ist gesellschaftlich vertretbar? In Kanada wird dies in der Praxis gerade getestet: Weil sich ein Hospiz weigert, "aktive Sterbehilfe" zu verüben, will die regionale Gesundheitsbehörde der Einrichtung die staatliche Finanzierung entziehen.

Ein Präzedenzfall, der Konsequenzen haben könnte, warnen Experten wie die Palliativ-Ärztin Leonie Herx gegenüber der "Catholic News Agency" (CNA).

Das "Irene Thomas"-Hospiz in British Columbia ist eine kleine Einrichtung mit 10 Betten. Diese Betten, sowie etwa die Hälfte der jährlichen operativen Kosten des Hospizes – rund 1,4 Millionen Dollar – finanziert die staatliche "Fraser Health Authority".

Die Behörde ist für die medizinsche Versorgung von 1,6 Millionen Menschen in der westkanadischen Provinz verantwortlich – und erfordert seit der Legalisierung von Euthanasie in Kanada, dass Einrichtungen Euthanasie anbieten, wenn sie mehr als 50 Prozent ihrer Kosten aus staatlichen Mitteln erhalten.

Das "Irene Thomas"-Hospiz lehnt Euthanasie – wie "aktive Sterbehilfe" außerhalb Deutschlands meist genannt wird – an Patienten ebenso ab wie die Gesetzgebung Kanadas über "Medical Assistance in Dying".

Das Hospiz ist nicht in religiöser Trägerschaft. Die Betreiber haben jedoch ethische Bedenken gegen die Sterbehilfe-Gesetzgebung.

Das kanadische Sterbehilfe-Gesetz erlaubt zwar Kliniken und Einrichtungen in religiöser Trägerschaft, keine Euthanasie zu verüben. Ärzte müssen aber Patienten, die eine "aktive Sterbehilfe" wünschen, an Einrichtungen weiterverweisen, die eine solche verüben.

Im Fall des "Irene Thomas"-Hospiz ist Euthanasie in der unmittelbaren Nachbarschaft erhältlich: Das "Delta Hospital" ist vier Minuten zu Fuß – oder eine Autominute – vom Hospiz entfernt und bietet aktive Sterbehilfe an.

Aus Sicht von Dr. Leonie Herx ist das eigentliche Problem ein anderes: Nicht einmal ein Drittel aller Kanadier hat Zugang zu palliativer Versorgung.  Diese wird staatlich nicht so unterstützt wie etwa aktive Sterbehilfe, moniert die Medizinerin.

Herx ist Ärztin für Palliativmedizin und fordert eine Nachbesserung der Gesetzgebung, um flächendeckend palliative Versorgung einzuführen.

Viele Patienten wüssten zudem nicht, was der Unterschied zwischen Euthanasie und Palliativer Versorgung ist. Gleichzeitig seien "starke Lobbies" daran interessiert, die "aktive Sterbehilfe" weiter auszubauen und Druck auf Einrichtungen wie das "Irene Thomas"-Hospiz zu erhöhen.

"Dieser aktuelle Fall könnte ein Präzedenzfall für andere nicht-religiöse Hospize werden", warnte Herx gegenüber der "Catholic News Agency" (CNA).

"Aber dann könnten kirchliche und andere religiöse Institutionen die nächsten sein."

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