Kardinal Angelo Sodano im Alter von 94 Jahren verstorben

Papst Franziskus und Kardinal Sodano (rechts)
Foto: Vatican Media

Im Alter von 94 Jahren ist am gestrigen Freitag einer der prominentesten Männer der Kirche des 20. und frühen 21. Jahrhunderts verstorben. Er litt an mehreren Erkrankungen und hatte sich mit Covid-19 infiziert.

Als Kardinalstaatssekretär unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. spielte der Italiener Angelo Sodano mehrere Schlüsselrollen in der Katholischen Kirche.

So bekleidete Sodano – 1950 zum Priester geweiht, 1977 unter Paul VI. zum Bischof – fast 15 Jahre lang das hohe Amt des Kardinaldekans. Als Decanus Sacri Collegii war er der Repräsentant des Kardinalskollegiums der Katholischen Kirche und ranghöchster Kleriker nach dem Papst.  

Als Kardinaldekan feierte er auch im März 2013 die Missa pro Eligendo Romano Pontifice im Petersdom, nahm aber, bereits über 80 Jahre alt, nicht mehr am Konklave teil, das Franziskus wählte.

Dieser ernannte ihn auf den Synoden 2014 und 2015 zum Synodenvater, feierte zu seinem 90. Geburtstag eine Messe in der Paulskapelle des Apostolischen Palastes.

Ende 2019 gab Papst Franziskus der Bitte von Kardinal Sodano statt, vom Amt des Dekans entbunden zu werden.  Nachfolger Sodanos wurde Kardinal Giovanni Battista Re.

Bereits 2006 war der Prälat von seinem Amt als Staatssekretär zurückgetreten. Sein Nachfolger in diesem Amt wurde Kardinal Tarcisio Bertone.

Sodanos Vermächtnis der diplomatischen Annäherung an politische Regime – von Chile bis China – prägt bis heute wesentliche Strömungen in der Diplomatie des Vatikans.

Als Nuntius – "Botschafter des Papstes"–  im Chile der 1970er und 1980er Jahre unterstützte Sodano das Regime des Diktators Augusto Pinochet – auch gegen katholische Protestbewegungen. 

Im Jahr 1988 beförderte Johannes Paul II. den Italiener zum "Außenminister" im Staatssekretariat, und von dort übernahm er in den darauffolgenden Jahren nach und nach die Rolle des Nachfolgers von Kardinal Agostino Casaroli. 

Als Kardinalstaatssekretär setzte sich Sodano für diplomatische Beziehung mit dem kommunistischen Regime in China ein und betrieb den als "Ostpolitik" bezeichneten diplomatischen Kurs auch mit anderen Staaten hinter dem Eisernen Vorhang.

Sodanos Vermächtnis wurde in den vergangenen Jahren zunehmend von Vorwürfen belastet, Ermittlungen gegen sexuellen Missbrauch durch hochrangige Kleriker behindert zu haben, darunter im Fall notorischer Figuren wie dem Gründer der Legionäre Christi, Marcial Maciel, und Ex-Kardinal Theodore McCarrick. 

Im deutschsprachigen Raum war Sodano für seinen Umgang mit dem Skandal um Kardinal Hans Hermann Groër in Kritik geraten. Der langjährige Erbischof von Wien starb im Jahr 2003, ohne dass es zu einer formalen Untersuchung der vielen Vorwürfe gegen ihn gekommen wäre, von Verbrechen gegen Kinder bis hin zu Übergriffen auf Mönche. Kardinal Christoph Schönborn machte dafür direkt und öffentlich Sodano mit verantwortlich – und musste sich später dafür entschuldigen

Mit Sodanos Tod setzt sich das Kardinalskollegium aus 117 wahlberechtigten und 91 nicht mehr wahlberechtigten Männern zusammen.

Neue Kardinäle könnten jedoch bald kreiert werden: Am 5. Juni tritt das neue Grundgesetz Praedicate Evangelium in Kraft, das einen neuen Anfang darstellen soll – für eine reformierte Kurie mit neuem Führungspersonal.

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