Kardinal Sarah: "Das Einzige, was zählt, ist, Gott immer tiefer zu suchen"

Kardinal Robert Sarah
Foto: CNA/Paul Badde

In seinem ersten Interview nach Annahme seines Rücktritts als Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung im vergangenen Monat durch Papst Franziskus hat Kardinal Robert Sarah offengelegt, wie ideologische Kämpfe um die Liturgie für ihn eine Quelle "großen Leids" waren.

Im Gespräch mit Matteo Matzuzzi von der italienischen Tageszeitung Il Foglio, das am Mittwoch veröffentlicht wurde, sagt Kardinal Sarah, in der Kirche werde heute "zu oft so getan, als ob alles eine Frage der Politik, der Macht, des Einflusses und der ungerechtfertigten Auferlegung einer Hermeneutik des Zweiten Vatikanischen Konzils ist, die völlig mit der Tradition bricht und ihr unumkehrbar widerspricht".

Die Lösung, so argumentiert er, besteht darin, dass die Kirche wieder Gott in den Mittelpunkt der Liturgie stellt, beginnend mit der Feier der Messe ad orientem. "Wenn Gott nicht im Zentrum des Lebens der Kirche steht, dann ist sie in Gefahr zu sterben", sagt er und deutet an, dass die Kirche "derzeit einen Karfreitag erlebt". Er fügt jedoch hinzu, dass "der Sieg Christi immer durch das Kreuz kommt".

Kardinal Sarah betont, es sei nicht richtig, solche Fragen als ideologische Fragen zu betrachten. "Ich glaube nicht, dass der Kampf zwischen Progressiven und Konservativen irgendeine Bedeutung in der Kirche hat", erklärt er. "Dies sind politische und ideologische Kategorien. Die Kirche ist kein Feld des politischen Kampfes."

Er spricht auch über seine positiven Beziehungen zu Papst Franziskus und dem emeritierten Papst Benedikt XVI., seine Zeit als Präfekt, seine Pläne für die Zukunft und wie er die Kirche in den kommenden Jahren sieht.

Nachfolgend ein kurzer Auszug aus dem Interview, das via National Catholic Register in voller Länge auf Englisch nachgelesen werden kann.

Eminenz, Ihr Abschied von der Gottesdienstkongregation hat alle überrascht. Welche Bedeutung hat der zeitliche Ablauf?

Wie alle Kardinäle hatte ich, gemäß der geltenden Regel, dem Heiligen Vater mein Rücktrittsschreiben als Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung im vergangenen Juni anlässlich meines 75. Geburtstags überreicht. Damals bat er mich, meine Arbeit im Dienst der Weltkirche donec alter provideatur fortzusetzen (mit anderen Worten "bis der Heilige Vater etwas anderes anordnet"). Vor ein paar Wochen teilte mir der Papst jedoch mit, dass er beschlossen habe, diese Bitte anzunehmen. Ich habe sofort geantwortet, dass ich glücklich und dankbar für seine Entscheidung bin.

Ich habe schon oft gesagt: Der Gehorsam gegenüber dem Papst ist nicht nur eine menschliche Notwendigkeit, er ist das Mittel, Christus zu gehorchen, der den Apostel Petrus und seine Nachfolger an die Spitze der Kirche gestellt hat.

Ich bin glücklich und stolz, drei Päpsten gedient zu haben (Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus), in der römischen Kurie mehr als 20 Jahre lang gedient zu haben. Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus, in der römischen Kurie mehr als 20 Jahre lang gedient zu haben. Ich habe versucht, ein loyaler, gehorsamer und demütiger Diener der Wahrheit des Evangeliums zu sein. Auch wenn einige Journalisten ständig den gleichen Unsinn wiederholen, habe ich mich nie gegen den Papst gestellt.

[…]

Wie sieht die Zukunft für Sie aus?

Ich habe nicht die Absicht, mit der Arbeit aufzuhören! Und in der Tat bin ich froh, mehr Zeit zum Beten und Lesen zu haben. Ich werde weiterhin schreiben, Vorträge halten und reisen. Hier in Rom empfange ich weiterhin Priester und Gläubige aus der ganzen Welt. Mehr denn je braucht die Kirche Bischöfe, die klar, frei und treu zu Jesus Christus und zu den doktrinären und moralischen Lehren seines Evangeliums sprechen. Ich habe die Absicht, diese Mission fortzusetzen und sie sogar noch zu verstärken. Ich muss weiterhin im Dienst der Einheit der Kirche wirken, in Wahrheit und Nächstenliebe. Ich möchte in aller Bescheidenheit weiterhin das Nachdenken, das Gebet, den Mut und den Glauben so vieler Christen unterstützen, die desorientiert, verwirrt und ratlos sind angesichts der vielen Krisen, die wir in dieser Zeit durchmachen: die anthropologische Krise, kulturelle Krise, Glaubenskrise, priesterliche Krise, moralische Krise, aber vor allem die Krise in unserer Beziehung zu Gott.

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