Kardinal Zen: Kritiker wollen die "alte" Messe verschwinden sehen, wird sie aber nicht

Kardinal Joseph Zen
Foto: Offizielles Portrait

Kardinal Joseph Zen hat am Montag gesagt, dass er glaubt, dass Traditionis Custodes keine katastrophalen Auswirkungen auf die Feier der traditionellen lateinischen Messe haben wird, auch wenn er die Ziele einiger TLM-Kritiker aus dem näheren Umfeld von Papst Franziskus durchaus kritisch sieht.

"Ich denke, dass die Auswirkungen des Motu Proprio nicht so verheerend sein werden", sagte der emeritierte Kardinal von Hongkong am 9. August während einer per Livestream übertragenen Veranstaltung über die Einschränkungen von Papst Franziskus und "die Zukunft der traditionellen lateinischen Messe".

Die traditionelle lateinische Messe (TLM) ist auch als "tridentinische" bekannt, als Feier im usus antiquior, als Messe in der außerordentlichen oder überlieferten Form sowie als "Alte Messe" (Vetus Ordo), im Gegensatz zur in den 1970er Jahren eingeführten "Neuen Messe" (Novus Ordo).

Zen sagte, er sei erfreut, dass die Bischöfe von Hongkong zum Beispiel beschlossen haben, keine Änderungen an der Feier der TLM in ihrer Diözese vorzunehmen. Aber er fügte hinzu, dass er besorgt sei, dass einige Leute hofften, das Motu Proprio des Papstes würde nicht nur dazu dienen, diese Form der Messe zu regulieren, sondern "ein Prozess sein, der sie verschwinden lässt".

"Das ist sehr besorgniserregend, denn ich denke, dass [die lateinische Messe] etwas sehr Wertvolles und sehr Nützliches für die Frömmigkeit und die Pflege des Glaubens ist", erklärte er.

Kardinal Zen sagte auch, er vermute, dass die Ideen hinter Traditionis custodes nicht von Papst Franziskus stammten, sondern von "den Leuten um ihn herum, besonders im Staatssekretariat".

"Wenn jemand mehr Informationen über den Ursprung dieses Sturms hat, erspart er uns vielleicht zu viele Diskussionen über etwas, das meiner Meinung nach offensichtlich sein sollte: dass die Form der Liturgie [der lateinischen Messe] sehr förderlich für die Frömmigkeit ist und sogar den Glauben stärkt", sagte der Kardinal.

Kardinal Zen sprach über die traditionelle lateinische Messe während einer per Livestream übertragenen Podiumsdiskussion, an der auch der Weihbischof von Astana, Kasachstan, Athanasius Schneider, sowie die Laien John Rao, Felipe Alanis, James Bogle und Robert Moynihan teilnahmen. Der Online-Rundtisch wurde von Aurelio Porfiri moderiert, einem Musikkomponisten und Gründer von Altare Dei, einer katholischen Zeitschrift über Liturgie und Kirchenmusik.

Während der Diskussion sprach der chinesische Kardinal über seine Erziehung und seine ersten Erfahrungen mit der lateinischen Messe.

Er wies darauf hin, dass sein Vater, der zum Katholizismus konvertiert war, Priester werden wollte, aber von den Missionaren davon abgehalten wurde, da er gerade erst gefirmt worden war.

Laut Zen sagten die Missionare seinem Vater, er solle heiraten und später "deinen Jungen zum Priester schicken".

"Also heiratete mein Vater und hatte vor mir schon fünf Mädchen. Ich war das sechste in der Familie und der erste Junge", sagte der Kardinal und erklärte, dass sein Vater ihn jeden Tag zur Messe mitnahm, außer sonntags, wenn er ihn zu fünf Messen in fünf verschiedenen katholischen Kirchen mitnahm.

"Es war wunderbar, keineswegs etwas Langweiliges. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Und das ist der Ursprung meiner Berufung, Priester zu werden", sagte Zen.

Die letzte Messe des Tages am Sonntag war immer eine gut besuchte hohe lateinische Messe, sagte er und bemerkte, dass die Musik wunderschön war und seine Aufmerksamkeit als Kind fesselte.

Er sagte, er liebe die Requiem-Messe und könne die lateinische Sequenz Dies Irae "vom ersten bis zum letzten Wort" singen.

Auf Drängen eines anderen Diskussionsteilnehmers sang Zen einen kleinen Teil während des Livestreams. "Ein schönes Gebet", sagte er.

Er fügte hinzu: "Ich hätte das gerne für meine Beerdigung, wenn also niemand in der Lage ist, das zu tun, werde ich es aufnehmen", damit es aus seiner eigenen Beerdigung dann gespielt werden könne.

Stichwort Traditionis Custodes

Mit dem Motu proprio, das wörtlich "Hüter der Tradition" heißt und am 16. Juli herausgegeben wurde, verfügte Papst Franziskus mit sofortiger Wirkung weitreichende und tiefgreifende Änderungen des Schreibens Summorum Pontificum seines Vorgängers Benedikt XVI. aus dem Jahr 2007. Dieses erkannte das Recht aller Priester an, die Messe unter Verwendung des Römischen Messbuchs von 1962 zu feiern.

In einem Begleitbrief an die Bischöfe, in dem er seine Entscheidung darlegt, schreibt Papst Franziskus: "Zur Verteidigung der Einheit des Leibes Christi sehe ich mich gezwungen, die von meinen Vorgängern gewährte Erlaubnis zu widerrufen. Der verzerrte Gebrauch, der von dieser Erlaubnis gemacht worden ist, steht im Widerspruch zu den Absichten, die zur Gewährung der Freiheit geführt haben, die Messe mit dem Missale Romanum von 1962 zu feiern."

Das Motu proprio, das mit sofortiger Wirkung herausgegeben wurde, besagt einerseits, dass ausschließlich der jeweilige Ortsbischof entscheiden kann, die TLM zu autorisieren, die auch als usus antiquior, Messe in der außerordentlichen oder überlieferten Form sowie "tridentinische" oder "alte" Messe bekannt ist.

Andererseits setzt es fest, dass die Bischöfe keine TLM in Pfarrkirchen feiern lassen dürfen, und jeder neu geweihte Priester, der die heilige Messe in dieser Form des römischen Ritus feiern will, muss nach diesen Maßgaben dafür einen Antrag in Rom stellen. 

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.

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