Katholischer Missionar: "Säkularisierung" der Kirche bedroht Christentum in Europa

Die Kirche muss wieder eine gute Mutter und eine gute Lehrerin werden, statt sich zu verweltlichen, warnt Pater Lasarte

Blick auf den Petersdom von der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom
Foto: Bohumil Petrik / CNA Deutsch

Laut einem langjährigen Missionar in Afrika, Pater Martin Lasarte, ist eine der größten Bedrohungen für das Christentum in Europa der Säkularismus der Kultur, der in die Kirche eindringt.

Laut Lasarte "ist es gefährlicher, wenn das Christentum nicht an einem äußeren Angriff stirbt, sondern an einer Krankheit innerhalb seiner eigenen Gesellschaft, seiner eigenen Kirche".

Wie die "Catholic News Agency" (CNA) berichtet, wies der Missionar auch auf die Gefahren einer auf sich selbst bezogenen Kirche hin – auf die Papst Franziskus häufig als Gefahr für Katholiken hervorgehoben hat. Bekanntlich hat dies der Pontifex auch und gerade mit seinem historischen Brief an die deutschen Katholiken zum sogenannten "Synodalen Weg" getan.

"Es ist eine ernste Gefahr, wenn diese Mentalität der Säkularisierung in uns eindringt", sagte Pater Lasarte. "Ich glaube, dies ist die tiefgreifendste und beunruhigendste Frage für die Kirche heute".

Der Salesianer Lasarte ist seit mehr als 25 Jahren Missionar in Afrika. Nach fünf Jahren als Mitglied des missionarischen Ausbildungsteams der Salesianer-Kongregation wird er bald nach Angola zurückkehren.

Am gestrigen 7. September sprach der Pater vor Journalisten bei einer von der Iscom Association organisierten Online-Veranstaltung über die missionarische Tätigkeit der Kirche.

Heute kenne die "Mission" der Kirche keine Grenzen oder geographische Abgrenzungen, sagte Lasarte und wies auf ihre Interkulturalität heute hin.

Jede Kirche müsse heute etwas geben und jede Kirche müsse heute auch Missionare empfangen, sagte er. "Denn auch die Kirchen, die viele Berufungen haben, brauchen Menschen aus anderen Kulturen, aus anderen Kirchen". Die Gefahr bestehe darin, die Kirche nicht von der Kultur trennen zu können, in der sie sich befindet.

"Eine der Schönheiten der Kirche ist, dass sie überall gleich ist, wo man sie findet", betonte er.

Lasarte argumentierte, dass die Kirche in Europa dazu tendiere, "normal" erscheinen zu wollen, sich anzupassen und nicht in einen "Konflikt mit der globalen Gesellschaft" zu geraten. Er wies darauf hin, dass sich die Christen des ersten Jahrhunderts darüber im Klaren seien, was es bedeute, in einer Kultur zu leben, aber die ausgeprägte Identität eines Christen zu leben. Sie seien gerade deshalb verfolgt worden, weil sie anders lebten als die heidnische Kultur, in der sie lebten, sagte er.

"Das ist eine Dynamik, die die Kirche bis zum Ende der Zeit leben wird. Das bedeutet, ein Licht zu sein, das in die Gesellschaft integriert ist, auf der anderen Seite aber auch, sie selbst zu sein, indem sie manchmal diese Konflikte annimmt, die für das Christsein [notwendig] sind", erklärte Lasarte.

Er sagte, die Kirche sei heute eine gute Managerin, aber "zu wenig Mutter" und "zu wenig Lehrerin", und drängte auf eine Stärkung dieser beiden Rollen.

Jemand mag vielleicht wissen, wie man Dialog führt, wie man gut zuhört, wie man der Kultur begegnet, aber er muss auch "eine Freiheit des Geistes, der Freude haben, den tiefsten Auftrag des auferstandenen Jesus Christus zu vermitteln", sagte er.

Dies, erklärte Lasarte, sei "der ständige Auftrag Jesu Christi, der der Kirche den Auftrag gab, das Kerygma zu verkünden, seine Person und sein Evangelium zu verkünden". Er fügte hinzu, dies sei es, was der Mission der Kirche heute Fruchtbarkeit verleihen werde.

Nach Ansicht des Missionars gibt es drei wichtige Elemente für die Re-Evangelisierung der Kirche im Westen: Die Erneuerung der "ersten Verkündigung" des Evangeliums, die christliche Gemeinschaft und die persönliche Bekehrung.

Der Glaube müsse viel stärker verinnerlicht und persönlicher werden, sagte er. Er wies darauf hin, wie viele junge Menschen in Europa viel über Filme auf Netflix wissen, aber nichts über die Kirche oder Jesus Christus, was die erste Verkündigung des Evangeliums erforderlich mache.

Und Gemeinschaft sei nicht nur eine wichtige oder "schöne Sache", sagte er. "Das gemeinschaftliche kirchliche Leben" sei "ein grundlegendes Thema des christlichen Glaubens".

Der Missionar sprach auch über die Eskalation der Christenverfolgung und das Wachstum der Kirche in Afrika und Asien.

"Den Statistiken zufolge ist [Afrika] die Zukunft der Kirche", sagte er. "Das ist etwas, das uns mit Freude, mit Hoffnung erfüllt".

Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur. 

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