Kirchensteuer: Problem oder Lösung? – Junge Katholiken suchen Antworten

Es kommt nicht nur darauf an, wer das Geld bekommt – sondern auch, wofür es letztlich wieder ausgegeben wird.
Foto: Jochen Zick, action press, via Flickr (CC BY-ND 2.0)
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Jeder kennt diese Fragen: Ist die deutsche Kirche zu reich? Wird die Kirche den biblischen Ansprüchen gerecht? Brauchen wir die Kirchensteuer noch? Was finanziere ich eigentlich mit meiner Kirchensteuer? – Gestellt werden sie nicht erst, seit Papst Franziskus immer und immer wieder fordert, dass die Kirche arm sein muss: Verbunden ist damit oft umgekehrt die Frage, ob es gerechtfertigt ist, Katholiken von den Sakramenten auszuschließen, wenn sie sich weigern, die Steuer zu zahlen – etwa aus innerer Überzeugung, wenn kirchlich finanzierte Einrichtungen sogar bei Bischöfen umstrittene Publikationen herausgeben.

Dieses Themas ganz pragmatisch angenommen hat sich nun das – nicht kirchensteuer-finanzierte – Mediennetzwerk Pontifex: Unter dem Motto „Wie viel Geld verträgt der Glaube?“ beleuchtete die junge katholische Initiatiative gemeinsam mit dem Trierer Kirchenrechts-Professor Christoph Ohly in Vorträgen und Workshops das Thema Kirchensteuer.

Erst einmal müsse aber zwischen der Kirchensteuer einerseits und den Staatsleistungen an die Kirche andererseits sauber unterschieden werden, erinnert Pontifex-Sprecherin Hannah Birken gegenüber CNA: “Während über die Kirchensteuer innerkirchlich durchaus kontrovers gestritten werden kann, betreffen die Staatsleistungen das Verhältnis von Staat und Kirche insgesamt und bedürfen daher von beiden Seiten einer guten Begründung".

Dass die in den vergangenen Jahren massiv gewachsenen Strukturen nicht nur zum Selbstzweck da sein dürfen: Darüber waren sich bei der Podiumsdiskussion, moderiert von Sophia Kuby, alle einig: Sowohl Professor Ohly auch der Kölner Weihbischof und ehemalige Generalvikar Dominikus Schwaderlapp wie der Filmemacher und Publizist Ingo Langner.

Der Verweis auf die Enteignungen der Kirche im Laufe der Säkularisation vor über 200 Jahren genüge heute wohl nicht mehr, meinte auch Sprecherin Birken gegnüber CNA: "Es hat von kirchlicher Seite aus Angebote gegeben, diese Staatsleistungen auslaufen zu lassen, die von staatlicher Seite aber nicht angenommen wurden. Wenn der Staat demnach also ein Interesse daran hat, dass die Kirche ihn weiterhin durch Kindergärten, Altenheime, Krankenhäuser und so weiter unterstützt, dann sollte dieses Interesse auch klar als solches gegen den unfairen Vorwurf kommuniziert werden, die Kirche lasse sich vom Staat finanzieren”, fasst die Pontifex-Sprecherin zusammen. Von kirchlicher Seite freilich könne durchaus diskutiert werden, ob man sich durch diesen ganzen Komplex rund um die Staatsleistungen – “mit all den darin enthaltenen Kompromissen” – nicht mehr Probleme schaffe als Möglichkeiten zu eröffnen.

Hannah Birken ist überzeugt, dass sich der Umgang mit der Kirchensteuer verbessert hat – und in dieser Richtung weiter ändern muss.

Dass die Bistümer im Zuge der verschiedenen Skandale im Kontext von Kirche und Geld in den letzten Jahren begonnen haben, für mehr Transparenz zu sorgen, ist schon ein wichtiger Schritt, damit dem einzelnen Kirchensteuerzahler klar wird, wofür er eigentlich zahlt”, meint sie. Darüber hinaus wäre es aber entscheidend, das Wissen darüber zu verbreiten, warum die Kirche in der einen oder anderen Form finanziell von ihren Gläubigen unterstützt werden müsse: “Nämlich um ihren Kernaufgaben, Gottesdienst, Apostolat und Caritas, nachzukommen undf die dafür nötigen Mitarbeiter zu bezahlen. Von dieser Grundlage aus sollte jede innerkirchliche Debatte über die Finanzierung der Kirche bzw. über die Verwendung kirchlichen Vermögens geführt werden”, so die Pontifex-Sprecherin zu CNA Deutsche Ausgabe.

Mit Blick auf die besonders brenzlige Frage, ob die Kirche unbarmherzig ist, wenn getauften Christen der Zugang zu den Sakramenten verweigert wird, weil sie nicht die Steuer zu zahlen bereit sind, ist für Hannah Birken klar: “Der katholische Glaube versteht die Kirche selbst als Sakrament. Sie kann daher nie nur eine rein geistige oder private Angelegenheit sein, sondern braucht in der einen oder anderen Form eine Verfasstheit nach außen, um das weitergeben zu können, was sie selbst von Christus empfangen hat. ‘Jesus ja, Kirche nein’ kann von dieser Sakramentalität her nicht funktionieren und ist letztlich zutiefst egoistisch. Und das gilt eben auch im Bereich der Finanzierung der Kirche, in dem die Bischofskonferenzen sinnvollerweise nach den speziellen nationalen Bedingungen festlegen können, wie diese äußere Verfasstheit der Kirche ausgestaltet werden soll”.