Kommentar: Beruf oder Berufung? Das Jubiläum der Priester in Rom

Priesterweihe im Petersdom am 17. April 2016
Foto: CNA/Alexey Gotovskiy
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Vom 1. bis 3. Juni wird Papst Franziskus mit Pilgern aus der ganzen Welt das Jubiläum der Priester feiern. Diese drei Tage des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit sind in besonderer Weise dem Gebet und der Betrachtung derer gewidmet, die der Herr in seine engere Nachfolge gerufen hat.

Am Mittwoch wird Erzbischof Georg Gänswein für die Priester deutscher Sprache eine Katechese halten, währenden Papst Franziskus am kommenden Tag drei Ansprachen in drei verschiedenen Basiliken Roms halten wird. Den Höhepunkt findet die internationale Wallfahrt am Freitag, dem Fest des Heiligsten Herzens Jesu, mit der Feier der heiligen Messe auf dem Petersplatz.

Der heilige Papst Johannes Paul II. hatte das Herz-Jesu-Fest zum Weltgebetstag für die Heiligung der Priester ausgerufen und damit deutlich gemacht, dass es nicht so sehr darum geht, viele "Arbeiter im Weinberg des Herrn" zu haben, die sich dann aber als "faule Knechte" erweisen und keine Ernte einbringen, sondern Männer, die wirklich Freunde Jesu sind und sich daher mühen, heilig zu werden.

Geistloser Klerus ohne geistliches Leben

Die Situation des Klerus, gerade in Deutschland, ist erschreckend. Im vergangenen Jahr hat die Forschungsgruppe Seelsorgestudie gemeinsam mit der Hochschule für Philosophie München, der Universität Osnabrück, der Theologischen Fakultät Paderborn, der Universität Freiburg und der Universität Witten/Herdecke eine Studie zum geistlichen Leben der Priester veröffentlicht. 4.200 Geistliche sind dazu befragt worden. 54 Prozent der Priester in Deutschland gehen jährlich nur einmal oder seltener zur Beichte. Nur 58 Prozent der Priester beten ein oder mehrmals täglich ein persönliches Gebet.

Diese Zahlen bedeuten, das fast die Hälfte derer, die sicherlich mit Begeisterung für den Herrn an den Weihealtar getreten sind, heute ihre Berufung als Beruf leben. Die Nachfolge Jesu ist zum Job geworden, in dem die persönliche Freundschaft zu Christus unwichtig geworden zu sein scheint. Wie dringend haben wir das Gebet der Gläubigen um die Heiligung der Priester notwendig! Wie wichtig wäre es, dass ein Ruck durch die Kirche in Deutschland geht, damit nicht Funktionäre, sondern Hirten nach dem Herzen Jesu die Herde leiten!

Die Liebe des Herzens Jesu

Ein Priester, der nicht mehr betet, ist wie ein verheirateter Mann, der mit seiner Frau nicht mehr spricht. Ein Priester, der nicht mehr beichtet, ist wie ein missmutiger Ehepartner, der seine Familie nicht mehr um Entschuldigung bitten kann, wenn er einen Fehler gemacht hat. Ein Priester, der kein Geistlicher mehr ist, hat – so hart das klingt – seine Berufung verfehlt. Damit sind nicht bestimmte schwierige Phasen im Leben gemeint, die man überwinden möchte, sondern die unausgesprochene Gleichgültigkeit gegenüber Jesus und seinen Sakramenten.

"Der Priester ist die Liebe des Herzens Jesu" hat der heilige Pfarrer von Ars gesagt, der seine Pfarrei nicht mit tollen Freizeitaktionen und motivierenden Themengottesdiensten, sondern auf den Knien bekehrt hat. Dir Kirche ist, wie Papst Franziskus in seiner allerersten Predigt gesagt hat, keine Nichtregierungsorganisation (NGO), in der allein Talent und Engagement Erfolg bringen.

Geistliche Früchte wachsen dort, wo geistliche Menschen Freundschaft mit dem Herrn leben. Das schönste, was man über einen Priester sagen kann, ist nicht, dass er gut predigt, stimmungsvolle Gottesdienste feiert, am Stammtisch "einer wie wir" ist oder große soziale und politische Sensibilität zeigt; nein, ein Priester lebt seine Berufung, wenn er ein "Mann Gottes" ist, ein Jünger nach dem Herzen Jesu – oder besser gesagt – ein Freund am Herzen Jesu.

Der Apostel Johannes ruhte beim Abendmahl an diesem Herzen des Meisters und sah es am nächsten Tag, durchbohrt von der Lanze. Als einziger der 12 neugeweihten Priester war er bei der "blutigen" heiligen Messe auf Golgota dabei. Dieses Opfer sakramental immer wieder gegenwärtig werden zu lassen, ist die erste Aufgabe des Priesters – ja, sie macht seinen Namen aus.

Protestanten kennen keine Priester – nur Prediger und Pastoren, weil sei den Opfercharakter der Messe ablehnen. Priester ist der Mann Gottes, der das Opfer Christi feiert. Er kann das ohne Glaube und ohne Liebe tun, ohne Andacht und ohne innerliche Ergriffenheit – Christus wird sich, wenn der Priester nur tut, was die Kirche tut, trotzdem in seine Hände legen. Der Priester muss nicht beten und beichten, um sein Amt ausüben zu können; aber es bleibt ein blutleerer Beruf, der nur noch Last und kaum mehr "Lust am Herrn" ist. Und wo es keine von Jesus begeisterten Priester gibt, da bleiben – wen wundert’s – natürlich auch neue Berufungen aus. Und irgendwann wird aus der Feier des Opfers entweder ein "toter" Ritus, der ohne innere Teilnahme zelebriert wird, oder ein "happening", bei dem mehr menschlicher als göttlicher Trost gesucht wird.

Jesus ist genug!

Ohne Priester bleibt der Tabernakel leer, und verlöscht das Ewige Licht. Ohne heilige Priester aber bleibt Jesus in seinen Kirchen alleine, obwohl er sich nach den Freunden sehnt, die er doch gerade dazu berufen hat, bei ihm zu sein. Das Herz Jesu Fest lädt alle Katholiken ein, für die Bekehrung der Priester zu beten. Wie Johannes sollen sie auf Christi Herzschlag hören und auf seine durchbohrte Seite schauen.

Heilige Priester sind nicht "engelsgleiche" Gestalten, sondern schwache Männer, die Versuchungen, Fehler und Sünden kennen. Sie wissen, dass sie Jesus brauchen – mehr als alles andere. Und darum sind sie überzeugt davon, dass die Menschen, die ihnen anvertraut sind, nichts nötiger haben als Sein Herz zu kennen, das voller Liebe und Erbarmen ist.

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