Kritik an Papst-Äußerungen zu Venezuela und Nicaragua von 20 Ex-Regierungschefs

Proteste gegen die Regierung von Daniel Ortega in Granada, Nicaragua, April 2018
Foto: Riderfoot/Shutterstock
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Zwanzig ehemalige Staats- und Regierungschefs aus Lateinamerika haben einen Brief an Papst Franziskus geschrieben, in dem sie den Wortlaut seines Weihnachtssegens für Venezuela und Nicaragua kritisieren.

Der Brief, der in spanischsprachigen Zeitungen am 6. Dezember veröffentlicht wurde, wirft Franziskus vor, dass seine Wortwahl beim "Urbi et Orbi"-Segen an Weihnachten die Unterdrückung der Venezuelaner und Nicaraguaner durch ihre Regierungen kleingeredet und falsch eingeordnet habe.

Dies sei bestimmt nicht absichtlich geschehen, so die Unterzeichner, darunter der Friedensnobelpreisträger und ehemalige Präsident von Costa Rica, Oscar Arias.

Es bestehe kein Zweifel daran, dass Franziskus' guter Glaube und "pastoraler Geist" hinter der Botschaft stehe. Aber sie "wird von der Mehrheit Venezuelas und Nicaraguas sehr negativ interpretiert", stellen die ehemaligen Staatsoberhäupter und Regierungschefs fest.

Papst Franziskus hatte gebetet, dass die Weihnachtszeit Venezuela wieder in die Lage versetzen möge, "die soziale Harmonie wiederherzustellen und allen Mitgliedern der Gesellschaft zu ermöglichen, brüderlich für die Entwicklung des Landes zu arbeiten und den schwächsten Bevölkerungsgruppen zu helfen".

In Bezug auf Nicaragua bat der Papst, dass sich die Bewohner des Landes "wieder als Brüder und Schwestern verstehen, damit sich keine Spaltungen und Zwietracht durchsetzen, aber alle können daran arbeiten, die Versöhnung zu fördern und die Zukunft des Landes gemeinsam aufzubauen".

Diese - vom Papst in seinen direkt politischen Ansprachen oft gewählte - Sprache rund um Solidarität und Dialog wird der komplexen, oft tödlichen Realität alles andere als gerecht, so die Sorge der prominenten Briefeschreiber. Sie monieren, dass "der Ruf nach Harmonie seitens Eurer Heiligkeit, angesichts des gegenwärtigen Kontextes, von den geschädigten Nationen so verstanden werden könnte, dass sie sich mit ihren Opfern einigen sollten".

Im Falle Venezuelas etwas weisen sie darauf hin, dass "die Regierung die Flucht von 3 Millionen Flüchtlingen verursacht hat, eine Zahl, die sich nach Schätzungen der Vereinten Nationen im Jahr 2019 auf 5,9 Millionen erhöhen wird".

In dem Schreiben wird die tiefe Besorgnis des Papstes über das Leiden der Venezolaner und Nicaraguaner anerkannt und der Wunsch geäußert, ihn "zu gegebener Zeit" persönlich dazu zu treffen.

Aber die Venezolaner, so heißt es, "sind Opfer der Unterdrückung durch eine militarisierte Narko-Diktatur, die keine Bedenken hat, systematisch das Recht auf Leben, Freiheit und persönliche Integrität zu verletzen". Sie erinnern Franziskus an die weit verbreitete Hungersnot und den Mangel an Medikamenten im Land - und die vielen Toten, die Opfer von Gewalt sind: Bis Mitte des Jahres seien "300 [Nicaraguaner] getötet und 2.500 verletzt worden, in einer Welle der Unterdrückung".

Der Brief ist eine Initiative des IDEA-Netzwerks, das sich für die Förderung von Neoliberalismus, Handelsabkommen und öffentliche Bildung einsetzt.

Die vollständige Liste der Unterzeichner: Oscar Arias, Costa Rica; Nicolás Ardito Barletta, Panamá; Enrique Bolaños, Nicaragua; Alfredo Cristiani, El Salvador; Felipe Calderón, Mexiko; Rafael Ángel Calderón, Costa Rica; Laura Chinchilla, Costa Rica; Fernando De la Rúa, Argentinien; Vicente Fox, México; Eduardo Frei, Chile; César Gaviria T., Kolumbien; Osvaldo Hurtado, Ecuador; Luis Alberto Lacalle, Uruguay; Jamil Mahuad, Ecuador; Mireya Moscoso, Panamá ; Andrés Pastrana A., Kolumbien; Jorge Tuto Quiroga, Bolivien; Miguel Ángel Rodríguez, Costa Rica; Álvaro Uribe V., Kolumbien; Juan Carlos Wasmosy, Paraguay.

Übersetzt aus dem englischen Original.

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