Laienkommission prangert "Kultur des Schweigens" über Missbrauch und Vertuschung an

Kardinalsbirett
Foto: Bohumil Petrik / CNA
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Das National Review Board, eine Kommission, die die Aufgabe hat, die Bischöfe der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Prävention von Missbrauch an Minderjährigen zu beraten, hat die "Kultur des Schweigens" in der kirchlichen Hierarchie verurteilt und für jede Anklage wegen sexuellen Fehlverhaltens eine unabhängige Untersuchung gefordert, die unter der Leitung von Laien durchgeführt werden soll.

Spezifische Reformen gegen falsche Toleranz

In einer Pressemitteilung, die von der Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten (USCCB) veröffentlicht wurde, drückte die Kommission, der ausschließlich Experten aus dem Laienstand und aus unterschiedlichen Fachgebieten angehören, ihre Sorge im Hinblick auf die übermäßige "Toleranz", aus, die "über Jahre hinweg", verübt worden war, und forderte spezifische Reformen.

Das Gremium forderte eine "echte Veränderung in der Kultur der Kirche", und betonte, dass vor allem die Bischöfe Veränderung nötig hätten. Ebenso baten sie um eine Bestärkung der "Charta zum Schutz der Kinder und Jugendlichen", die die USCCB im Jahre 2002 herausgegeben hatte.

"Es ist an der Zeit, dass die Laien mutig die Führung übernehmen, um der Kirche zu helfen, sich zu verantworten und heil zu werden, und dass die Bischöfe aufmerksam unsere Ratschläge anhören."

"Die Enthüllungen der Grand Jury von Pennsylvania über schreckliche Missbrauchsfälle sowie der durch Erzbischof McCarrick verübte Missbrauch verweisen auf ein systemisches Problem innerhalb der Kirche, das vom Episkopat der Vereinigten Staaten nicht mehr ignoriert oder toleriert werden kann", heißt es in der Mitteilung weiter.

Das NRB wurde im Juni 2002 als Teil der Antwort der Bischöfe auf die Welle der sexuellen Missbrauchsskandale in Boston gegründet. Das Gremium zählt 13 Mitglieder und spricht Empfehlungen für das Komitee der USCCB zum Schutz von Kindern und Jugendlichen aus.

Die Kommission stellte fest, dass aufgrund der sexuellen Missbrauchsskandale in den ersten zehn Jahren des neuen Jahrausends neue Strategien und Vorgehensweisen entwickelt worden waren, einschließlich der Gründung des NRB selbst. Sie fügte an, dass diese Maßnahmen "zu einem bedeutenden Rückgang", der Missbrauchsfälle geführt hätten, die zugrundeliegenden Probleme aber weiterbestünden und nicht angepackt würden.

"Das National Review Board hat seit mehreren Jahren seine Besorgnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Bischöfe auf den sexuellen Missbrauch durch Priester nicht genug reagieren. Die jüngsten Enthüllungen machen deutlich, dass das Problem viel tiefer liegt. Wir sind traurig, wütend und verletzt wegen dem, was wir in den letzten Wochen gehört haben."

Die Mitteilung weist darauf hin, dass "das Übel dieser Verbrechen fortbestehe", und "die höchsten Ebenen der Herarchie erreiche.", Man könne das nicht einfach mit einer Änderung des Prozederes oder der Strukturen angehen.

"Dieses Übel ist das Ergebnis eines Verlusts der moralischen Führung und eines Machtmissbrauchs, die zu einer Kultur des Schweigens geführt haben, die ihrerseits ermöglicht hat, dass diese Vorfälle geschehen. Einschüchterung, Angst und Machtmissbrauch haben eine Atmosphäre geschaffen, die von den Priester und auch von Bischöfen ausgenutzt wurde, die Minderjährigen, Seminaristen und Verwundbaren Schaden zugefügt haben.

Die Notwendigkeit, die Bischöfe zur Verantwortung zu ziehen, macht eine "unabhängige Revision", ihrer Handlungen auf jede Anzeige hin erforderlich und das kann nur gewährleistet werden, indem man Laien damit betraut, heißt es.

"Das NRB, das ausschließlich aus Laien besteht, wäre das naheliegende Organ, um an dieser Aufgabe mitzuwirken", liest man in der Mitteilung.

Die Kommission hat die Einrichtung einer anonymen Politik der Anzeigen empfohlen - nach dem Vorbild einiger öffentlicher Körperschaften. Dies würde zu einen klaren und von Laien geleiteten Mechanismus führen, durch den man eine Anzeige dem zuständigen Bischof, dem Vatikan und den Ermittlungsbehörden melden könne.

Ebenso müssten die existierenden Vorgehensweisen überprüft werden, einschließlich der Charta zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.

Das NRB bezeichnete dieses Dokument als "nützlich", und erklärte, es sei ein "lebendiges Dokument", das im Lichte der Erfahrung ständig einer Überarbeitung bedürfe.

Gegenwärtig gibt es keine klaren Mechanismen oder Vorgehensweisen der USCCB zum Umgang mit Missbrauch, ausser einem Dokument mit dem Titel "Bischöfliche Verpflichtungen", dem die Bischöfe zugestimmt haben. Dieses Dokument ist aber nicht verbindlich.

Die Kommission bezeichnete es als "unwirksam", und erklärte, es brauche "konkrete Schritte", der brüderlichen Zurechtweisung, wenn ein Bischof des Missbrauchs angeklagt wird oder beschuldigt wird, auf eine Anzeige nicht zu reagieren.

Gleichzeitig präzisiert das NRB, eine klare Ausbildung der neuen Bischöfe hinsichtlich ihrer Verantwortung als "moralische Leiter“ sei notwendig, damit sie auf die Anklagen antworten können. Diese Führungsfähigkeit sei aktuell nicht vorhanden, fügte es hinzu.

Die Mitteilung endete mit der Ankündigung, das Nation Review Board ziehe in Betracht, in den kommenden Wochen weitere Empfehlungen auszusprechen und werde weiterhin mit der USCCB zusammenarbeiten.

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