Lob und Dank: Erste Reaktionen auf "Fratelli Tutti" deutschsprachiger Bischöfe

Papst Franziskus begrüßt Menschen mit Behinderungen nach der Generalaudienz am 15. November 2017.
Foto: CNA / Daniel Ibanez

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing von Limburg, hat die neue Enzyklika "Fratelli Tutti" von Papst Franziskus, die am gestrigen Sonntag veröffentlicht wurde, in einer ersten Stellungnahme gewüdigt. 

"Trotz der Fülle von Einzelthemen geht es dem Papst nicht um eine möglichst vollständige Auflistung der heutigen Weltprobleme, sondern darum, die Zusammenhänge kenntlich zu machen", stellt Bätzing fest.

Bischof Bätzing: Plädoyer für eine Weltordnung

Die Enzyklika enthalte "verhältnismäßig breit entfaltete Aussagen zur internationalen Ordnung und zum Frieden". Ganz auf der Linie der katholischen Friedensethik, wie sie mit Papst Benedikt XV. in der Zeit des Ersten Weltkriegs ihre moderne Form erhielt, plädiert der Papst für globale und regionale Ordnungsstrukturen, die dem Spiel der großen Mächte zulasten der kleinen Nationen entgegenwirken.

"Alle Menschen, dies ist die Botschaft von Fratelli Tutti, sind Kinder des einen Vaters und dürfen und können sich deshalb als Geschwister begegnen. Es ist dieser genuin christliche Geist der Offenheit füreinander und auf Gott hin, der auch in schwieriger Lage Mut macht und fundamentale Orientierung gibt", betont der Limburger Bischof.

Ein "echter und aufrichtiger Dialog" sei auch für die Kirche in Deutschland auf dem Synodalen Weg die Richtschnur, so der Bischofskonferenz-Vorsitzende.

Kardinal Schönborn: Revolutionäre Lehre 

Für den Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, steht "Fratelli Tutti" in "großer Kontinuität der kirchlichen Lehre und erneuert die revolutionäre Lehre von der einen Menschheitsfamilie". Der Papst beschreite mit diesem Dokument einmal mehr den Weg des Dialogs, der sein Pontifikat auszeichne.

"In dieser Haltung des Dialogs wagt Papst Franziskus gemeinsam mit Großimam Ahmad Al-Tayyeb das Dokument von Abu Dhabi zu unterzeichnen und mit dieser Enzyklika offiziell in die Katholische Soziallehre aufzunehmen". 

Der Traum der Geschwisterlichkeit und der Sozialen Freundschaft, den Franziskus vorlege, sei "urbiblisch, urchristlich und die Medizin für eine kranke Welt", so Schönborn.

Erzbischof Lackner: "Anwalt der Schwachen"

Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner von Salzburg, betonte, dass Franziskus mit dieser Enzyklika vor allem eines zeige: dass er "Anwalt der Schwachen, Armen, Alten, Flüchtlinge, wie auch Anwalt des Lebens und der Schöpfung ist und bleibt".

Wesentlich ist für Lackner auch, dass sich der Papst in seiner Enzyklika ausdrücklich und mehrfach auf die Begegnung mit dem Großimam Ahmad Al-Tayyeb bezieht, dem Großimam der Kairoer Al-Azhar-Universität, mit dem er 2019 in Abu Dhabi sein "Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen" unterzeichnete. "Worin beide übereinstimmen ist, dass Religionen niemals zum Krieg aufwühlen. Wenn das geschieht und geschehen ist, dann wurden sie instrumentalisiert. Der Terrorismus ist zu verdammen. Religionen im innersten sind von der Heiligkeit des menschlichen Lebens überzeugt. Sie rechtfertigen keine Gewalt."

Kardinal Marx: Integration der Peripherien 

Kardinal Reinhard Marx würdigte "Fratelli Tutti" als "wichtigen Beitrag für die Schaffung von Frieden und Gerechtigkeit – innerhalb der einzelnen Nationen und in der Welt". Der Münchner Erzbischof weiter: "Papst Franziskus unterstreicht mit dieser Enzyklika die Grundhaltung seines Pontifikates, dass die Kirche nicht um sich selber kreisen dürfe, sondern dem Wohl der Menschen zu dienen habe."

Die Kirche müsse gerade in der Integration der Peripherien – ein "Haus mit offenen Türen", zitiert Kardinal Marx den Heiligen. "Der Papst fordert uns im Grunde auf, diese Vision anzunehmen und konkret zu leben." 

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