Nach 30 Jahren Bürgerkrieg: Kirche begleitet Frieden und Versöhnung in Sierra Leone

Kinder in Sierra Leone
Foto: Annie Spratt / Unsplash (Archiv CC0)

Vor 30 Jahren brach in Sierra Leone ein schrecklicher Bürgerkrieg aus, in dem einige der schlimmsten Verbrechen der Geschichte der vergangenen Jahrzehnte begangen wurden: Tausende Tote, wiederholte Gewalt, Verstümmelungen, Plünderungen und Massaker standen viele Jahre auf der Tagesordnung in der westafrikanischen Republik.

Heute wie während des Krieges spielt die Katholische Kirche eine Schlüsselrolle bei der Konsolidierung von Frieden und Demokratie in dem mehrheitlich muslimischen Land. Doch der Weg hin zu einer echten Versöhnung und Stabilität ist noch sehr weit, betont Pfarrer Paul Morana Sandi, Generalsekretär der Bischofskonferenz von Gambia und Sierra Leone, gegenüber "Fides". 

"Christen standen zusammen mit führenden Vertertern anderer Religionen an vorderster Front, unter anderem durch den Interreligiösen Rat, um die Fraktionen zu den Lomé-Abkommen (1999) zu führen und einen Weg der Rehabilitation für ehemalige Kämpfer einzuschlagen", so Morana Sandi. Christen machen etwa 20 Prozent der rund 10 Millionen Einwohner aus. Mindestens 80 Prozent sind Muslime.

Im vergangenen Dezember wurde der Erzbischof von Freetown, Edward Tamba Charles, einstimmig zum Präsidenten des Interreligiösen Rates gewählt. "Dies wird die katholische Kirche noch stärker auf den Weg zum Frieden in unserem Land bringen", so der Priester.

Pater Paul Morana Sandi blickt auf die Zukunftsaussichten des Landes: "Wir haben in jeder Hinsicht versucht, diese schreckliche Zeit hinter uns zu lassen und den Frieden zu fördern. Wir können sagen, dass wir jetzt relativen Frieden und etwas Stabilität im Land erreicht haben. Wir hoffen, dass wir nach so vielen Jahren der Gewalt auf diesem Weg bleiben können".

Sierra Leone hatte in den letzten Jahren neben der Bewältigung des Konflikts auch mit vielen anderen Problemen zu kämpfen. Die Ausbreitung von Ebola, nun die Corona-Pandemie und ein wachsendes Ausmaß extremer Armut, der man nur schwer entkommen kann: Obwohl Sierra Leone ein ressourcenreiches Land ist, hat es das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen der Welt und im Human Development Index, dem Ranking des Fortschritts der menschlichen Entwicklung, steht es auf Platz 182 von 189 Ländern.

"Wir sind eine fragile Demokratie, die durch langjährige Instabilität untergraben wird", so der Generalsekretär der Bischofskonferenz weiter.

"Wir müssen daran arbeiten, die Institutionen, die das Volk vertreten, zu stärken, eine vollständige Rechtsstaatlichkeit wiederherzustellen und die Gleichstellung zu fördern, damit sich alle Bürger geschützt fühlen können. Unsere Wirtschaft ist großen Schwankungen unterworfen, mit einer enormen Inflationsrate und wachsender Armut: und es gelingt kaum, eine minimale Versorgung mit Wasser, Strom, Gesundheitsvorsorge zu garantieren. Auch die Schulen haben Schwierigkeiten, die Standards zu verbessern. Wir möchten zumindest ein zufriedenstellendes Niveau erreichen".

"Leider gibt es ethnische, regionale und politische Spaltungen", beklagt der katholische Geistliche, "die unseren nationalen Zusammenhalt untergraben. Aber es gibt auch Bemühungen der Regierung und der Religionsvertreter, sie zu überwinden und ein Sierra Leone zu schaffen, das uns in der Welt würdig repräsentiert. Es wird immer Unterschiede zwischen uns geben, aber sie sollten uns bereichern, ein Stamm, eine Region, bereichert die jeweils anderen."

In Sierra Leone sind Christen zwischen 15 und 18%, 80% sind Muslime und der Rest sind traditionelle Religionen), wir folgen denselben Sportmannschaften, wir haben identische Interessen und Hoffnungen, es ist nicht klar warum wir diese Ideologien der Spaltung beibehalten sollten, die immer noch zu Gewalt führen".

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