Nach umstrittenen Verbot von Messen im Petersdom: Kardinal kündigt "Ausnahmen" an

Die Fassade des Petersdoms
Foto: Lisa Cancade Hackett via Flickr (CC_BY_SA_20)

Der für den Petersdom zuständige Kardinal hat das umstrittene Verbot der Feier von Privatmessen in der Basilika präzisiert und erklärt, dass es "Ausnahmen" geben soll: Auf "Anfrage" werde ermöglicht, dass Priester im Petersdom privat die heilige Messe lesen können.

Auch zur Feier der "Alten Messe" gab es zumindest eine Klarstellung.

Kardinal Mauro Gambetti, der neue Erzpriester der Basilika, sagte am 22. Juni, dass Anfragen von Gruppen "mit besonderen und legitimen Bedürfnissen", die frühmorgendliche Messen im Petersdom feiern wollen, anstatt zu konzelebrieren, erlaubt werden können.

Im März hatte das Staatssekretariat ein Schreiben in der Sakristei des Petersdoms ausgehängt, mit dem die Feier von Einzelmessen an den vielen Seitenaltären der Basilika untersagt worden war. Auf dem Papier hieß es, der Grund für die Änderung, die am 22. März in Kraft trete, sei, sicherzustellen, dass "die Heiligen Messen im Petersdom in einem Klima der Besinnung und des liturgischen Anstands stattfinden."

Das Vernotsschreiben, mit dem die private Feier des heiligen Messopfers im Petersdom kurzerhand untersagt wurden, erregte nicht nur wegen seines fragwürdigen Inhalts enormes Aufsehen, sondern auch wegen seines ungewöhnlichen Formats und Auftritts: Es handelte sich um einen Zettel an der Tür der Sakristei, dem keine offizielle Mitteilung des Vatikans beigefügt wurde, und der nicht einmal eine Unterschrift trug – nur die Initialen von Erzbischof Edgar Peña Parra, der jedoch die Erste Abteilung des Staatssekretariats leitet, die bekanntlich nicht für liturgische Feiern zuständig ist.

Das kuriose Dokument war auch nicht an Kardinal Gambetti adressiert - obwohl dieser im Februar zum Erzpriester des Petersdoms ernannt worden war -, sondern an Erzbischof Mario Giordana. Auch dies war höchst ungewöhnlich, da Giordana auch nicht für die liturgischen Feiern in der Basilika zuständig ist.

Die von Kirchenrechtlern ohnehin als höchst fragwürdig bezeichnete Verordnung wurde von ranghohen Klerikern öffentlich kritisiert, darunter die  Kardinäle Joseph Zen, Robert Sarah, Raymond Burke, Gerhard Ludwig Müller und Walter Brandmüller. 

In seinem Brief vom 22. Juni betonte Kardinal Gambetti nun den Wert der Konzelebration der Messe, wie er in Sacrosanctum concilium, der Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Heilige Liturgie, zum Ausdruck gebracht werde. Priester sollten, wo möglich, konzelebrieren, regt Gambetti an. 

Dennoch könne es "Ausnahmen" geben, um "besondere und legitime Wünsche der Gläubigen so weit wie möglich zu begrüßen und zu integrieren."

Der Kardinal nannte auch andere Gründe, warum er zugestimmt habe, dass einige Ausnahmen für "Gruppen mit besonderen und legitimen Bedürfnissen" gewährt werden: Dass die Zahl der Menschen im Petersdom von 7 bis 9 Uhr morgens in der Regel gering ist; dass die Basilika groß genug ist, um ein Lesen der Messe zu ermöglichen, ohne die konzelebrierte Messe am Hauptaltar zu stören; und dass die Basilika "vom petrinischen Dienst der Einheit, der Barmherzigkeit und der Orthodoxie des Glaubens geprägt ist und Pilger aus der ganzen Welt willkommen heißt."

"Auch Bitten, von Zeit zu Zeit individuell zu zelebrieren, können Gegenstand der Unterscheidung sein, unbeschadet des Prinzips, dass alles in einem Klima der Besinnung und des Anstands stattfinden kann und dass das, was den Charakter des Außergewöhnlichen hat, nicht zum Gewöhnlichen wird und die Absichten und den Sinn des Lehramtes verfälscht", sagte der Kardinal weiter.

Was die Feier der heiligen Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus betrifft, sagte Gambetti, dass "alles getan werden muss, um die Wünsche der Gläubigen und Priester zu erfüllen, wie es das Motu Proprio Summorum Pontificum vorsieht".

Er betonte den "entscheidenden Charakter" der Norm, die es verbietet, dass einzelne Messen gleichzeitig mit einer Konzelebration in derselben Kirche gefeiert werden, erkannte aber "die Legitimität der Messfeier einzelner Priester an, auch wenn die Gläubigen nicht teilnehmen können."

"Ich bin zuversichtlich, dass der eingeschlagene Weg für jeden Priester und jeden Gläubigen die Möglichkeit begünstigt, die Feiern in St. Peter immer mehr zum Guten, zur Schönheit und zur Wahrheit hin zu ordnen", schloss Gambetti.

An den 45 Altären und in den 11 Kapellen des riesigen Petersdoms wurde bislang – bis zu dem umstrittenen Verbot im März – von vielen Priestern täglich die heilige Messe gelesen; manchmal zelebrierten diese alleine, manchmal mit einer größeren Zahl Gläubiger. Vor allem Mitarbeiter des Vatikans beginnen so oft den Tag mit der Eucharistiefeier, bevor sie ihre Arbeit aufnehmen. 

Ob die "Präzisierungen" Gambettis die massiven kirchenrechtlichen Bedenken ausräumt, die unter anderem Kardinal Raymond Leo Burke erhoben hat, ist noch unklar. Wie es zu dem Zettel an der Tür der Sakristei kommen konnte: Darüber werden nicht nur im Vatikan viele Katholiken weiter spekulieren. 

Beobachter sehen ohnehin im gewaltigen Strom von Touristen in der berühmten Basilika eine Gefahr für die Andächtigkeit des Gotteshauses und seine liturgischen Feiern des heiligen Messopfers. 

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