Papst Franziskus bittet Indigene erneut "mit großem Kummer um Vergebung"

Papst Franziskus, Kanada, 25. Juli 2022
Foto: Vatican Media
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Bei einer Begegnung mit Indigenen und Angehörigen einer Pfarrei in Edmonton hat Papst Franziskus am späten Montagnachmittag (Ortszeit) die Wichtigkeit von Versöhnung betont, die Christus durch das Kreuz vollbracht habe. Der Pontifex bat die Indigenen "mit großem Kummer um Vergebung".

"Es verletzt mich, wenn ich daran denke, dass Katholiken zu einer Politik der Assimilation und Entrechtung beitragen haben, die ein Gefühl der Minderwertigkeit vermittelte, indem es Gemeinschaften und Menschen ihrer kulturellen und spirituellen Identität beraubte, ihre Wurzeln abschnitt und vorurteilsbehaftete und diskriminierende Haltungen nährte, und dass dies auch im Namen einer Erziehung geschah, von der man annahm, dass sie christlich sei", so Franziskus.

Konkret geht es auf der päpstlichen "Pilgerfahrt der Buße" um das Problem der sogenannten "Residential Schools". Dabei handelte es sich um staatlich vorgeschriebene internatartige Bildungseinrichtungen für Indigene, um sie von elterlichem Einfluss fernzuhalten. Auch Missbrauch war ein häufiges Problem. Einige "Residential Schools" waren in kirchlicher Trägerschaft.

Richtige Erziehung müsse "immer von der Achtung und Förderung der in den Personen bereits vorhandenen Talente ausgehen", betonte der Papst demgegenüber. "Sie ist nicht und kann nie etwas Vorgefertigtes sein, das man aufzwingt, denn die Erziehung ist das Abenteuer, das Geheimnis des Lebens gemeinsam zu erkunden und zu entdecken."

Die von Christus herbeigeführte Versöhnung sei "kein äußeres Friedensabkommen, eine Art Kompromiss, um die Parteien zufrieden zu stellen. Es war auch kein vom Himmel gefallener Friede, der gekommen ist, weil er von oben auferlegt wurde oder andere absorbiert wurden."

Stattdessen habe Christus zusammengeführt, "indem er aus zwei entfernte Wirklichkeiten eine einzige Wirklichkeit, ein einziges Volk macht. Und wie vollbringt er das? Durch das Kreuz (vgl. Eph 2,14). Jesus ist es, der uns miteinander am Kreuz versöhnt, an diesem Baum des Lebens, wie die frühen Christen ihn gerne nannten."

Gleichzeitig räumte der Pontifex ein, Versöhnung sei angesichts des erfahrenen Unrechts eine große Herausforderung, denn nichts könne "die verletzte Würde, den erlittenen Schmerz und das verratene Vertrauen auslöschen. Auch sollte die Scham von uns Glaubenden niemals ausgelöscht werden."

Dennoch sei es nötig, "wieder zu beginnen, und Jesus schlägt nicht Worte und gute Vorsätze vor, sondern das Kreuz, diese anstoßerregende Liebe, die sich von Nägeln in Füßen und Handgelenken und von Dornen in den Kopf durchbohren lässt. Das ist die Richtung, die wir einschlagen müssen: gemeinsam auf Christus schauen, die Liebe, die für uns verraten und gekreuzigt wurde; auf Jesus schauen, der in so vielen Schülern der Internatsschulen gekreuzigt wurde."

Der Papst ergänzte:

Wenn wir uns untereinander und in uns selbst mit der Vergangenheit versöhnen wollen, mit erlittenem Unrecht und verletzten Erinnerungen, mit traumatischen Ereignissen, die kein menschlicher Trost heilen kann, müssen wir unseren Blick zum gekreuzigten Jesus erheben und den Frieden von seinem Altar erlangen. Denn am Baum des Kreuzes verwandelt sich der Schmerz in Liebe, der Tod in Leben, die Enttäuschung in Hoffnung, die Verlassenheit in Gemeinschaft, die Distanz in Einheit. Die Versöhnung ist nicht so sehr unser Werk, sie ist ein Geschenk, das aus dem Gekreuzigten hervorströmt, sie ist Frieden, der aus dem Herzen Jesu kommt, sie ist eine Gnade, die erbeten werden muss

Zum Abschluss seiner Ansprache formulierte Papst Franziskus ein kurzes Gebet: "Gekreuzigter und auferstandener Jesus, der du unter deinem Volk wohnst, der du durch unsere Gemeinschaften und Kulturen aufleuchten willst, nimm uns an der Hand und lenke auch in den Wüsten der Geschichte unsere Schritte auf dem Weg der Versöhnung. Amen."

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