Papst Franziskus: Die Tür des Gebets ist Jesus Christus

Video-Übertragung aus dem Apostolischen Palast: Papst Franziskus spricht über wirtschaftliche Ungerechtigkeit zur digitalen Generalaudienz am 26. August 2020.
Foto: Vatican Media

In der christlichen Meditation geht es um die Begegnung mit Jesus Christus: Das hat Papst Franziskus bei der Generalaudienz am heutigen Mittwoch gesagt, und daran erinnert, was der Katechismus der Kirche zum Gebet lehrt.

"Wir gehen zu Jesus und von Jesus aus zu uns selbst, geheilt, stark durch die Gnade Jesu: Jesus begegnen, der der Retter aller ist, auch meiner. Und das dank der Führung durch den Heiligen Geist", sagte der Pontifex am 28. April in der Übertragung aus dem Apostolischen Palast des Vatikans. 

Der Praxis der Meditation werde "in den letzten Jahren" viel Aufmerksamkeit geschenkt, sagte Papst Franziskus.

"Nicht nur Christen sprechen davon: In fast allen Religionen der Welt wird Meditation praktiziert. Aber es ist auch eine weit verbreitete Aktivität unter Menschen, die keine religiöse Vision des Lebens haben. Wir alle haben das Bedürfnis zu meditieren, nachzudenken, zu uns selbst zu finden; das ist eine menschliche Dynamik".

Besonders in der westlichen Welt suchten die Menschen die Meditation, weil sie uns gegen den Stress und die nur allzu verbreitete Leere des Alltags abschirme. 

"Es ist ein Phänomen, das mit Wohlwollen zu betrachten ist: Tatsächlich sind wir nicht dazu gemacht, uns ständig abzuhetzen; wir besitzen ein Innenleben, das nicht dauernd mit Füßen getreten werden darf", fuhr Franziskus fort.

Christliche Meditation – darunter auch das betrachtende Gebet – gehe jedoch weiter, als einem Versinken im "Selbst" oder einer Beruhigung der Nerven zu dienen, betonte der Papst.

"Die große Tür, durch die das Gebet eines Getauften geht, ist Jesus Christus. Für den Christen erfolgt der Eintritt in die Meditation über die Tür Christi. Auch die Praxis der Meditation folgt diesem Weg. Wenn ein Christ betet, strebt er nicht nach Selbsttransparenz, sucht nicht nach dem innersten Kern seiner selbst. Das ist legitim, aber der Christ sucht etwas anderes. Das Gebet  des Christen ist vor allem Begegnung mit einem Anderen: die transzendente Begegnung mit Gott."

Wenn eine Gebetserfahrung uns inneren Frieden, Selbstbeherrschung oder Klarheit über den Weg schenkt, den es einzuschlagen gilt, dann sind das sozusagen die Begleiteffekte der Gnade des christlichen Gebets, die Begegnung mit Jesus ist. Meditieren bedeutet also, von einem Satz oder einem Wort aus der Heiligen Schrift auf die Begegnung mit Jesus zuzugehen.

Der Begriff habe zudem im Laufe der Geschichte unterschiedliche Bedeutungen gehabt. Selbst innerhalb des Christentums beziehe er sich auf unterschiedliche spirituelle Erfahrungen, so der Papst. 

"Dennoch lassen sich einige gemeinsame Linien ausmachen, und dabei hilft uns wieder der Katechismus, in dem es heißt: 'Die Methoden betrachtenden Gebetes sind so unterschiedlich wie die geistlichen Lehrer. Eine Methode aber ist nur ein Führer. So ist es wichtig, mit dem Heiligen Geist auf Christus Jesus, dem einzigen Weg des Gebetes, voranzuschreiten'", zitierte Franziskus aus Abschnitt 2707 des Katechismus der Katholischen Kirche. 

Die Gnade des christlichen Gebets liege darin, dass Christus nicht weit weg sei, betonte der Pontifex. "Er steht immer in Beziehung zu uns. Es gibt keinen Aspekt seiner göttlich-menschlichen Person, der nicht für uns ein Ort des Heils und des Glücks werden kann".

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