Papst Franziskus kritisiert Kindermangel, ruft auf, Familien zu verteidigen

Papst Franziskus mit einer Gruppe Kinder am 31. Mai 2017 auf dem Petersplatz
Foto: CNA / Daniel Ibanez

Zum Fest der Heiligen Familie hat Papst Franziskus erneut den Kindermangel in Europa kritisiert und die Überalterung der Gesellschaft als "demografischen Winter" verurteilt. 

In seiner Ansprache zum Angelus am 26. Dezember sagte Papst Franziskus vom Balkon des Petersplatzes, dass viele Ehepaare "den Wunsch nach mehr Kindern verloren haben und es vorziehen, ohne oder mit nur einem Kind zu bleiben".

Papst Franziskus sagte dazu, Kirche und Gesellschaft müssten die Familie verteidigen und unterstützen.

"Bitte, lasst uns jeden Tag ein wenig gemeinsam beten, wenn ihr euch die Mühe machen könnt, Gott um das Geschenk des Friedens zu bitten", so der Papst wörtlich, und fuhr fort: "Und verpflichten wir uns alle - Eltern, Kinder, Kirche, Gesellschaft -, die Familie, die unser Schatz ist, zu erhalten, zu verteidigen und zu schützen", forderte der Pontifex, der bereits oft die "Sterilität" Europas kritisiert und Geburtenrückgänge beklagt hat.

"Lassen Sie uns alles tun, um das Bewusstsein wiederzuerlangen und diesen demografischen Winter zu besiegen, der sich gegen unsere Familien, gegen unsere Heimat und sogar gegen unsere Zukunft richtet", sagte er.

Die Überalterung Europas - darunter Italiens und Deutschlands - hat Papst Franziskus immer wieder scharf kritisiert und Familien aufgerufen, mehr Kinder zu bekommen.

Den deutschen Katholiken legte er dieses Anliegen sogar direkt in seinem Brief "an das pilgernde Gottesvolk in Deutschland" ans Herz.

Franziskus unterstützte auch eine Initiative gegen den Kindermangel der italienischen Regierung und prominenter Persönlichkeiten, wie CNA Deutsch berichtete

Ländern mit niedriger Geburtenrate sagte er bereits 2017, dass dies ein "Werk des Teufels" sei.

Im Jahr 2019 erreichen die Geburten in Italien bereits einen historischen Tiefstand seit der italienischen Einigung im Jahr 1861. 

Papst Franziskus hat dies als das dramatische Ergebnis einer "Missachtung der Familien" bezeichnet. Europas niedrige Geburtenrate "ist ein Zeichen für Gesellschaften, die sich den Herausforderungen der Gegenwart nicht stellen können und deshalb immer mehr Angst vor der Zukunft haben, mit dem Ergebnis, dass sie sich in sich selbst verschließen", sagte der Papst bereits 2018. In jenem Jahr lag die Geburtenrate in Italien bei 1,29 Kindern pro Frau - knapp vor Malta und Spanien, die mit 1,23 bzw. 1,26 die niedrigste Rate in Europa hatten.

In Deutschland kamen im Jahr 2020 rund 773.000 Kinder zur Welt. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa 5.000 Kinder weniger als im Vorjahr (-0,6 %). Damit setzte sich der Rückgang fort, der nach dem letzten starken Anstieg der Geburtenzahlen im Jahr 2016 eingesetzt hatte.

Der Geburtenmangel wird im deutschen Sprachraum oft als "demographischer Wandel" bezeichnet. Kritiker sagen, dass dieser Begriff problematisch ist, weil er beschönigend und deterministisch wird.  

Der erste Lockdown in Deutschland zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie vom 22. März bis Anfang Mai 2020 mit umfassenden Kontaktbeschränkungen hat sich nach einer ersten Auswertung der Geburtenmeldungen nicht spürbar auf die Geburtenzahl in Deutschland ausgewirkt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, sind bisher rund 182.000 Meldungen zu den in den Monaten Dezember 2020 bis Februar 2021 geborenen und damit während des ersten Lockdowns gezeugten Kindern eingegangen. Zwar war die Zahl der Geburtenmeldungen damit 0,8 % höher als in den entsprechenden Vorkrisenmonaten Dezember 2019 bis Februar 2020. Allerdings bewegt sich diese Veränderung im Bereich der üblichen Schwankungen monatlicher Geburtenzahlen.

In Westdeutschland lag die Zahl der für die Monate Dezember 2020 bis Februar 2021 gemeldeten Geburten 1,7 % höher und in Ostdeutschland (einschließlich Berlin) 3,8 % niedriger als im Vorjahreszeitraum. Geburten am Schalttag 29. Februar 2020 wurden bei diesem Vergleich nicht herausgerechnet.

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