Gegen den Kindermangel: Papst Franziskus bei Treffen über "demographischen Wandel"

Papst Franziskus tauft 26 Kinder in der Sixtinischen Kapelle am 10. Januar 2016
Foto: Vatican Media

Die Überalterung Europas - darunter Italiens und Deutschlands - hat Papst Franziskus immer wieder scharf kritisiert. Nun hat der Vatikan angekündigt, dass Papst Franziskus eine Veranstaltung über Italiens demographischen Winter eröffnen wird, da die Geburtenrate des Landes einen historischen Tiefstand erreicht hat.

Papst Franziskus wird am 14. Mai im Auditorium della Conciliazione, gleich außerhalb der Mauern des Vatikanstaates, die Eröffnungsrede für die Initiative „Stati Generali della Natalità“ (auf Deutsch etwa „Generalversammlung zur Geburtenrate“) halten.

Die hauptsächlich online abgehaltenen Treffen, die vom Forum der Familienverbände organisiert werden, wollen den seit 50 Jahren andauernden Geburtenrückgang in ganz Europa und besonders in Italien ansprechen und was getan werden kann, um ihn umzukehren.

Italiens nationales Statistikinstitut prognostiziert für die Jahre unmittelbar nach der Coronavirus-Pandemie einen deutlichen Geburtenrückgang. 

Im Jahr 2019 erreichen die Geburten in Italien bereits einen historischen Tiefstand seit der italienischen Einigung im Jahr 1861.

Papst Franziskus hat dies als das dramatische Ergebnis einer "Missachtung der Familien" bezeichnet. Europas niedrige Geburtenrate "ist ein Zeichen für Gesellschaften, die sich den Herausforderungen der Gegenwart nicht stellen können und deshalb immer mehr Angst vor der Zukunft haben, mit dem Ergebnis, dass sie sich in sich selbst verschließen", sagte der Papst bereits 2018. In jenem Jahr lag die Geburtenrate in Italien bei 1,29 Kindern pro Frau - knapp vor Malta und Spanien, die mit 1,23 bzw. 1,26 die niedrigste Rate in Europa hatten.

In Deutschland kamen im Jahr 2020 rund 773.000 Kinder zur Welt. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa 5.000 Kinder weniger als im Vorjahr (-0,6 %). Damit setzte sich der Rückgang fort, der nach dem letzten starken Anstieg der Geburtenzahlen im Jahr 2016 eingesetzt hatte.

Der Geburtenmangel wird im deutschen Sprachraum oft als "demographischer Wandel" bezeichnet. Kritiker sagen, dass dieser Begriff problematisch ist, weil er beschönigend und deterministisch wird.  

Im Rahmen der Initiative  werden italienische Regierungsminister, Führungskräfte von Unternehmen, Journalisten, Schauspieler und Sportler Vorträge zum Thema Familie halten, darunter Elena Bonetti, Italiens Familienministerin.

Gian Carlo Blangiardo, der Präsident von Italiens nationalem Statistikinstitut Istat, wird außerdem bisher unveröffentlichte Daten und Prognosen zur Geburtenrate des Landes in den kommenden Jahrzehnten präsentieren.

Nationen in ganz Europa und Ostasien haben seit Jahrzehnten mit niedrigen Geburtenraten zu kämpfen. Südkorea, Japan, Italien, Spanien, Griechenland, Puerto Rico, die Ukraine und Portugal gehörten laut der Weltbank zu den Ländern mit den niedrigsten Geburtenraten im Jahr 2019.

Der erste Lockdown in Deutschland zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie vom 22. März bis Anfang Mai 2020 mit umfassenden Kontaktbeschränkungen hat sich nach einer ersten Auswertung der Geburtenmeldungen nicht spürbar auf die Geburtenzahl in Deutschland ausgewirkt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, sind bisher rund 182.000 Meldungen zu den in den Monaten Dezember 2020 bis Februar 2021 geborenen und damit während des ersten Lockdowns gezeugten Kindern eingegangen. Zwar war die Zahl der Geburtenmeldungen damit 0,8 % höher als in den entsprechenden Vorkrisenmonaten Dezember 2019 bis Februar 2020. Allerdings bewegt sich diese Veränderung im Bereich der üblichen Schwankungen monatlicher Geburtenzahlen.

In Westdeutschland lag die Zahl der für die Monate Dezember 2020 bis Februar 2021 gemeldeten Geburten 1,7 % höher und in Ostdeutschland (einschließlich Berlin) 3,8 % niedriger als im Vorjahreszeitraum. Geburten am Schalttag 29. Februar 2020 wurden bei diesem Vergleich nicht herausgerechnet.

Geburtenentwicklung in Europa: Spanien, Frankreich und Österreich mit deutlichen Rückgängen

Für Spanien ergeben die aktuellen Schätzungen für die Geburtenzahl im Dezember 2020 den historisch niedrigsten Monatswert; im Januar 2021 sank die Geburtenzahl um 20 % im Vergleich zu Januar 2020. Nach vorläufigen Ergebnissen hat die Zahl der Geburten in Frankreich im Dezember 2020 und im Januar 2021 das jeweilige monatliche Minimum seit der Nachkriegszeit erreicht. Auch in Österreich ging die Geburtenzahl im Dezember 2020 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurück. In Norwegen, in Schweden und in den Niederlanden wurden im Dezember 2020 etwa gleich viele Kinder geboren wie im Dezember 2019. Für die Niederlande liegt die vorläufige Geburtenzahl auch für den Geburtsmonat Januar 2021 vor. Diese deutet auf eine Abnahme der Geburtenzahl hin. Die meisten Statistischen Ämter veröffentlichen allerdings die monatlichen Geburtenzahlen ab Dezember 2020 erst zu einem späteren Zeitpunkt, sodass es für ein umfassendes Bild zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Geburtenentwicklung noch zu früh ist.

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