Papst Franziskus spricht bei letztem Programmpunkt in Bahrain über den Heiligen Geist

Papst Franziskus, 6. November 2022
Foto: Vatican Media
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Der letzte Programmpunkt von Papst Franziskus vor seinem Abschied aus dem Golfstaat Bahrain war eine Gebetsbegegnung mit Bischöfen, Priestern, Personen des geweihten Lebens, Seminaristen und Pastoralarbeitern in der Heilig-Herz-Kirche von Manama am Sonntagmorgen. In seiner Ansprache ging er besonders auf den Heiligen Geist ein, konkret auf dessen Gaben der Freude, der Einheit und der Prophetie.

„Der Geist ist vor allem die Quelle der Freude“, begann der Pontifex. „Das Süßwasser, das der Herr in den Wüsten unseres Menschseins fließen lassen will, vermischt mit Erde und Zerbrechlichkeit, ist die Gewissheit, dass wir auf dem Weg des Lebens niemals allein sind. Der Geist ist in der Tat derjenige, der uns nicht allein lässt, er ist der Tröster; er bestärkt uns mit seiner diskreten und wohltuenden Gegenwart, er begleitet uns mit Liebe, er stützt uns in unseren Kämpfen und Schwierigkeiten, er ermutigt uns in unseren schönsten Träumen und unseren größten Wünschen und öffnet uns für das Wunder und die Schönheit des Lebens.“

„Es ist wichtig, dass wir über die Liturgie hinaus, vor allem die Feier der Messe, die Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens ist, die Freude des Evangeliums auch in einer lebendigen Pastoral weitertragen, die vor allem den jungen Menschen, den Familien und den Berufungen

zum Priester- und Ordensleben gilt“, führte der Papst aus. „Christliche Freude kann man nicht für sich behalten, und wenn wir sie in Umlauf bringen, vermehrt sie sich.“

Sodann sprach er über den Heiligen Geist als „Quelle der Einheit“, insofern alle, die ihn annehmen, zu Kindern Gottes – und damit untereinander zu Geschwistern – werden.

„Es darf keinen Raum geben für die Werke des Fleisches, d. h. der Selbstsucht: für Spaltungen, Streit, Verleumdungen, Gerede“, warnte Franziskus. „Die Spaltungen der Welt und selbst ethnische, kulturelle und rituelle Unterschiede können die Einheit des Geistes nicht verletzen oder gefährden.“

„Seit dem Pfingstereignis werden unterschiedliche Herkünfte, Sensibilitäten und Anschauungen in der Gemeinschaft in Einklang gebracht und zu einer Einheit geschmiedet, die nicht Uniformität ist“, erinnerte das Kirchenoberhaupt. „Wenn wir den Geist empfangen haben, besteht unsere kirchliche Berufung vor allem darin, die Einheit zu bewahren und das Miteinander zu pflegen, das heißt, wie der heilige Paulus sagt, ‚die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens. Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung.‘“

Zuletzt ging Papst Franziskus auf den Heiligen Geist als „Quelle der Prophetie“ ein: „Die Propheten erhalten vom Heiligen Geist das innere Licht, das sie zu aufmerksamen Deutern der Wirklichkeit macht, die fähig sind, in den manchmal undurchsichtigen Handlungssträngen der Geschichte die Gegenwart Gottes zu erkennen und sie dem Volk aufzuzeigen.“

Die prophetische Berufung werde allen Getauften zuteil: „Deshalb können wir nicht so tun, als würden wir die Werke des Bösen nicht sehen und im ‚ruhigen Leben‘ verharren, um uns nicht die Hände schmutzig zu machen. Im Gegenteil, wir haben den Geist der Prophetie empfangen, um das Evangelium durch unser Lebenszeugnis ans Licht zu bringen.“

Konkret befähige die Prophetie die Gläubigen, „die Seligpreisungen des Evangeliums im Alltag zu praktizieren, das heißt mit unerschütterlicher Sanftmut das Reich Gottes aufzubauen, in dem Liebe, Gerechtigkeit und Frieden allen Formen von Egoismus, Gewalt und Erniedrigung entgegengesetzt sind“.

Mit einem Dank „für diese gemeinsam verbrachten Tage“ beendete Papst Franziskus seine Ansprache. Nach einer kurzen Abschiedszeremonie am Flughafen wird er um 13 Uhr (Ortszeit) seinen Rückflug antreten. Die Ankunft in Rom ist für 17 Uhr vorgesehen.

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