Papst Franziskus spricht Papst Johannes Paul I. selig

Seligsprechung von Papst Johannes Paul I., 4. September 2022
Foto: Daniel Ibáñez / CNA Deutsch
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Papst Franziskus hat am Sonntagvormittag bei Regen auf dem Petersplatz seinen Vorgänger, den 33-Tage-Papst Johannes Paul I., seliggesprochen. Damit sind alle Päpste seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zur Ehre der Altäre erhoben worden – ein in der Kirchengeschichte einmaliger Vorgang.

Der neue Selige habe "in der Freude des Evangeliums" gelebt, "ohne Kompromisse, liebend bis zum Ende", so Franziskus über Albino Luciani, der von Ende August bis Ende September 1978 Papst war und als erster Pontifex einen Doppelnamen führte: Johannes Paul – in Anlehnung an die beiden Konzilspäpste Johannes XXIII. und Paul VI.

"Er verkörperte die Armut des Jüngers, die nicht nur darin besteht, sich von den materiellen Gütern zu lösen, sondern vor allem darin, der Versuchung zu widerstehen, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und den eigenen Ruhm zu suchen", so Papst Franziskus weiter. "Er war, ganz im Gegenteil, ein sanftmütiger und demütiger Hirte nach dem Vorbild Jesu. Er betrachtete sich selbst als den Staub, in den Gott schreiben wollte."

"Mit seinem Lächeln gelang es Papst Johannes Paul I., die Güte des Herrn zu vermitteln", betonte der Heilige Vater. "Schön ist eine Kirche mit einem heiteren, gelassenen und lächelnden Gesicht, die ihre Türen nie verschließt, die die Herzen nicht verbittert, die nicht jammert und keinen Groll hegt, die nicht zornig und unduldsam ist, die sich nicht mürrisch zeigt, die nicht an Nostalgie nach der Vergangenheit leidet."

Christus-Nachfolge bedeutet, "auch das Kreuz zu tragen"

In seiner Predigt stellte Papst Franziskus der Kirche das Vorbild Jesu Christi vor Augen, der die Nöte und Schwächen der Menschen nicht ausnutze, "um sich selbst zu erhöhen. Er, der uns nicht mit Täuschungen betören und auch keine billigen Freuden anbieten will, ist nicht an riesigen Menschenmassen interessiert. Er huldigt nicht den Zahlen, sucht nicht nach Konsens, ist kein Götzendiener des persönlichen Erfolgs."

"Anstatt sich von der Faszination der Popularität beeindrucken zu lassen, bittet er alle, die Gründe, für ihre Nachfolge und die damit verbundenen Konsequenzen sorgfältig zu prüfen", erklärte der Bischof von Rom. Man kann in der Tat aus verschiedenen Gründen dem Herrn folgen, und einige, das müssen wir anerkennen, sind weltlich: hinter einem perfekten religiösen Auftreten kann sich die bloße Befriedigung der eigenen Bedürfnisse verbergen, das Streben nach persönlichem Prestige, der Wunsch, eine bestimmte Rolle zu spielen, alles zu kontrollieren, die Lust, Räume zu besetzen und Privilegien zu erhalten, das Streben nach Anerkennung und vieles mehr. Das kann so weit gehen, dass man Gott für all das instrumentalisiert."

Dies sei indes "nicht der Stil Jesu. Und das darf auch nicht der Stil des Jüngers und der Kirche sein. Der Herr verlangt eine andere Einstellung. Ihm nachzufolgen bedeutet nicht, in einen Hofstaat aufgenommen zu werden oder an einem Triumphzug teilzunehmen, und es ist auch keine Lebensversicherung. Im Gegenteil, es bedeutet, auch das Kreuz zu tragen (vgl. Lk 14,27), also wie er selbst die eigenen Lasten und die der anderen auf sich zu nehmen, das eigene Leben zu einer Gabe zu machen und es hinzugeben in Nachahmung seiner großzügigen und barmherzigen Liebe zu uns.

"Lebe das Evangelium, und du wirst wahrhaft leben"

Der Heilige Vater forderte die Menschen auf, zu lieben – "auch wenn es das Kreuz des Opfers, des Schweigens, des Unverständnisses und der der Einsamkeit kostet, auch wenn man behindert und verfolgt wird."

"Liebe bis zum Ende, mit all ihren Dornen: keine halben Sachen, keine Bequemlichkeiten oder ein ruhiges Leben", so Franziskus weiter. "Wenn wir nicht nach mehr streben, wenn wir keine Risiken eingehen, wenn wir uns mit einem 'Rosenwasser-Glauben' begnügen, dann sind wir – sagt Jesus – wie diejenigen, die einen Turm bauen wollen, aber die Mittel dazu schlecht kalkulieren; sie legen das Fundament, können den Bau dann aber nicht fertigstellen."

"Wenn wir aus Angst, uns selbst zu verlieren, darauf verzichten, uns hinzugeben, lassen wir die Dinge unvollendet", sagte der Papst mit Blick auf "unsere Beziehungen, unsere Arbeit, die uns anvertraute Verantwortung, unsere Träume und selbst unseren Glauben".

So lebe man "am Ende nur halbherzig. So tun wir dann nie den entscheidenden Schritt, so starten wir nie richtig durch, so gehen wir für das Gute nie ein Risiko ein und setzen uns nie wirklich für andere ein. Jesus verlangt dies von uns: Lebe das Evangelium und du wirst wahrhaft leben, nicht halb, sondern ganz und gar. Ohne Kompromisse."

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