Papst Franziskus übergibt Reliquie des heiligen Petrus an orthodoxen Patriarchen

Papst Franziskus und Patriarch Bartholomäus I. am 16. April 2016
Foto: Vatican Media
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Eine überraschende ökumenische Geste, die unter Katholiken kontrovers diskutiert worden ist: Papst Franziskus hat dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus kostbare Reliquien des ersten Papstes geschenkt - acht mutmaßliche Knochenfragmente des heiligen Petrus, aufbewahrt in einem kostbaren Schrein.

Papst Franziskus entnahm den Reliquienschrein der Kapelle im derzeit leerstehenden Apartment der Päpste im Apostolischen Palast des Vatikans, wo sie Papst Paul VI. aufgestellt hatte.

Die Reliquien waren 1952 bei einer Grabung unter dem Petersdom entdeckt wurden.

Eine Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel war, wie in den letzten Jahren üblich, bei der Messe am 29. Juni im Petersdom zum Fest der Heiligen Petrus und Paulus zu Gast.

Nach der Messe brachte Papst Franziskus den orthodoxen Erzbischof Hiob von Telmessos in eine Kapelle in der leerstehenden päpstlichen Wohnung - er selber hat seine Residenz in das Haus Santa Marta verlegt - und schenkte ihm laut "Medienberichten" das dort untergebrachte Reliquiar. Die Bronzeschatulle trägt die Inschrift:

"Von den Knochen, die im Hypogeum der Vatikanischen Basilika gefunden wurden, von denen man annimmt, dass sie vom seligen Apostel Petrus stammen."

Papst Franziskus hatte zuvor den bronzenen Reliquienschrein mit den mutmaßlichen Knochenfragmenten zur öffentlichen Verehrung auf den Petersplatz am 24. November 2013 bei einer Christkönigsmesse gebracht, wo auch orthodoxe Patriarchen anwesend waren.

Zum Zeitpunkt der öffentlichen Verehrung im Jahr 2013 sagte der vatikanische Sprecher Pater Federico Lombardi: "Es besteht die ernsthafte Möglichkeit, dass es sich um die Knochen des hl. Petrus handelt".

Die Knochenfragmente wurden bei einer Ausgrabung von Gräbern unter dem Petersdom in der Nähe von griechischen Graffiti aus dem Jahr 160 entdeckt, die lauteten: "Peter ist hier". Die Analyse der Knochen ergab, dass sie zu einem Mann im Alter von etwa 60 bis 70 Jahren gehören, der in ein lilafarbenes, mit Gold gewebtem Tuch gehüllt war.

Am 26. Juni 1968 sagte Paul VI., dass die Knochen "auf eine Weise identifiziert wurden, die wir für überzeugend halten dürfen .... wir haben Grund zu der Annahme, dass die wenigen, aber heiligen sterblichen Überreste des Fürsten der Apostel aufgespürt wurden".

Die orthodoxe Delegation brachte den Reliquienschrein nach Istanbul, wo Monsignore Andrea Palmieri, Unterstaatssekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, ihn persönlich an Patriarch Bartholomäus übergab.

Bartholomäus, der als Patriarch von Konstantinopel als "Erster unter Gleichen" innerhalb der orthodoxen Gemeinschaft gilt, wird von vielen als der weltweite Führer der Orthodoxie angesehen.
Der orthodoxe Erzbischof Hiob nannte die Geste "einen weiteren gigantischen Schritt zur konkreten Einheit".

Allerdings löste der Schritt auch stellenweise Bestürzung aus und wurde kontrovers unter Katholiken diskutiert. Ein hochrangiger Kurienmitarbeiter sagte gegenüber CNA Deutsch:

"Das gläubige Volk Gottes braucht diese sichtbaren und fühlbaren Gegenstände, um sich an ihnen auf ihrem mühsamen Lebens- und Glaubensweg festzuhalten. Diese Reliquien gehören dem Gottesvolk und nicht den Leadern!"

Papst Franziskus sagte bei seinem Treffen mit der ökumenischen Delegation am 28. Juni: "Das Fest der Heiligen Petrus und Paulus, das am selben Tag in den liturgischen Kalendern von Ost und West stattfindet, lädt uns ein, die Nächstenliebe zu erneuern, die zur Einheit führt."

Er sei "zunehmend davon überzeugt, dass die Wiederherstellung der vollen Einheit zwischen Katholiken und Orthodoxen durch die Achtung spezifischer Identitäten und ein harmonisches Zusammenleben in legitimen Formen der Vielfalt erfolgen" werde, so der Papst.

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