Papst in Genf: Missionierung ist Voraussetzung für christliche Einheit

Franziskus fordert neuen Schwung in der Evangelisierung vor dem Ökumenischen Rat der Kirchen

Papst Franziskus in Genf am 21. Juni 2018
Foto: Vatican Media
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Die christliche Einheit ist auf vielfache Weise abhängig von der Bereitschaft, sich für andere einzubringen, so Papst Franziskus vor Vertretern anderer Konfessionen beim Ökumenischen Rat der Kirche (ÖRK) heute in Genf.

Der Pontifex rief zu einer "neuen Evangelisierung" unter christlichen Gemeinschaften auf.

Dazu bedürfe es des Gebets und der Nächstenliebe. 

Es gebe einen immer stärkeren Eindruck, dass sich der Ökumenismus von missionarischem Einsatz entkoppelt sei, so der Papst. Doch der missionarische Aspekt des Christentums "darf weder vernachlässigt werden, noch seines Inhaltes entleert", betonte Franziskus.

Vorbild der Märtyrer

Der missionarische Einsatz, sagte er weiter, "bestimmt unsere eigene Identität": Schließlich sei die Verkündigung des Evangeliums der Kern der christlichen Identität. Und während die Art und Weise, wie diese Mission ausgeführt wird, unterschiedlich sein kann, müssten sich Christen immer daran erinnern, dass die Kirche Christi durch Anziehung wachse.

Auf dem Weg der Ökumene gehe die "bereits verwirklichte Ökumene des Blutes" voraus, die alle Christen auffordere, weiterzugehen.

Franziskus brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, dass "ein verstärkter missionarischer Impuls" die Christen zu mehr Einheit anspornen und zu einem "ökumenischen Frühling" führen würde, der es ihnen trotz der "ständigen Schwankungen" zwischen den verschiedenen konfessionellen Gemeinschaften ermöglichen würde, sich um Jesus Christus zu scharen.

Papst Franziskus besuchte das ÖRK-Hauptquartier während seiner Reise nach Genf am 21. Juni, die er eigens für die Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen unternahm.

In seiner Ansprache vor dem ÖRK wies Papst Franziskus auf die biblische Bedeutung der Zahl 70 hin und darauf, wie Jesus im Evangelium seinen Jüngern sagt, einander zu vergeben "nicht nur siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal".

Diese Zahl, so der Papst, sei keine Grenze und quantifiziere auch keine Gerechtigkeit, sondern "öffnet einen weiten Horizont" und "dient als Maßstab für eine Liebe, die zur unendlichen Vergebung fähig ist".

Nach Jahrhunderten des Konflikts unter den christlichen Gemeinschaften erlaube diese Liebe "jetzt, als Brüder und Schwestern zusammenzukommen, in Frieden und voller Dankbarkeit gegenüber Gott, unserem Vater", sagte er und fügte hinzu, dass die Versammlung des Tages die Frucht der Vergebung und der Bemühungen um Einheit vieler Vorangegangener sei.

"Aus Liebe zu Jesus ließen sie sich nicht in Unstimmigkeiten verstricken, sondern blickten mutig in die Zukunft, glaubten an die Einheit und bauten Barrieren des Misstrauens und der Angst nieder", sagte er.

Papst Franziskus merkte an, dass die Zahl 70 die Zahl der Jünger widerspiegele, die Jesus im Evangelium zwei mal zwei ausgesandt habe. Dies bedeute, dass man, um ein wahrer Jünger zu sein, "ein Apostel, ein Missionar" werden müsse, um die Frohe Botschaft zu verbreiten.

Das Gebet bezeichnete der Papst als den "Sauerstoff der Ökumene".

"Ohne Gebet wird die Gemeinschaft stickig und macht keine Fortschritte."

Ein wichtiges Erkennungsmerkmal wie Antreiber  sei die "Diakonia", so Franziskus. Denn die Glaubwürdigkeit des Evangeliums zeige sich darin, die Christen auf den Ruf derer antworteten, die arm und ausgeschlossen sind.

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