Papstbotschaft zu Treffen über Islamisierung in Gefängnissen

Papst Franziskus trifft Häftlinge der Cereso Justizvollzugsanstalt in Juarez, Mexiko am 17. Februar 2016.
Foto: L'Osservatore Romano
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"Tiefe Dankbarkeit dafür, dass Sie sich einsetzen, um die Menschenwürde jener zu verteidigen, die im Gefängnis sind": Das sind die Worte, die der Papst an die Gefängnisseelsorger gerichtet hat, die heute und morgen in Straßburg über "Radikalisierung in den Gefängnissen: eine pastorale Sicht" diskutieren.

Bei der Veranstaltung handelt es sich um eine gemeinsame Aktion der Ständigen Vertretung des Heiligen Stuhls beim Europarat und der Europäischen Bischofskonferenz des Europarats, die sich dem brisanten Problem der Verbreitung radikaler Ideologien in europäischen Justizvollzugsanstalten stellt.

Bereits seit Jahren ist das Problem bekannt; 2007 bildeten sich erste Präventionsprogramme, im Januar 2015 hatte Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) gewarnt: "Wir werden absehbar mehrere hundert radikale Islamisten in die Vollzugsanstalten bekommen". Auch die Terroristen des Pariser Anschlags hatten sich in Gefängnissen radikalisiert.

Die Botschaft von Franziskus wurde durch den Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin übermittelt. Der Papst hat allen seine Verbundenheit im Gebet versichert und den Gefängnisseelsorgern auch dafür gedankt, die Gefängnisinsassen im Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit zu begleiten: "In den Kapellen der Gefängnisse können sie den Ablass gewinnen. Und jedes Mal, wenn sie die Schwelle ihrer Zelle überschreiten und ihre Gedanken und Gebete an den Vater richten, soll diese Geste für sie das Durchschreiten der Heiligen Pforte symbolisieren, denn die Barmherzigkeit Gottes, die die Herzen verwandeln kann, ist auch fähig, die Gitter in Erfahrung von Freiheit zu wandeln."

"Brutstätten des Islamismus"

Radikalisierung in europäischen Gefängnissen, auch und gerade deutschen Haftanstalten: Das ist nicht nur, aber vor allem ein Problem des Islamismus, unter welcher Bezeichnung er auch firmieren mag, Salafismus oder Dschihadismus etwa. Andere gefährliche Ideologien, wie Rechts- oder Linksextremismus, spielen seit Jahren eine ungleich geringere Rolle.

Das Problem ist so virulent, dass in deutschen Bundesländern Experten, Politiker und Behörden deswegen wiederholt Alarm vor "Brutstätten des Islamismus" geschlagen haben; Präventionsprogramme, die es zum Teil seit bald zehn Jahren gibt, werden kontrovers diskutiert. Kritiker bemängeln: Wie auch andernorts können nach wie vor Islamisten in vielen Anstalten ungehindert ihre tödliche Ideologie verbreiten. Zumal in Gefängnissen die Situation besonders kritisch ist, so die Experten. Nicht nur weil Kämpfer des Islamischen Staats – warnt der deutsche Verfassungsschutz –, die am Völkermord und Krieg im Nahen Osten beteiligt waren, zu Hunderten nach Europa zurückkehren und nicht selten in regulären Haftanstalten landen. Sondern auch, weil gerade junge Straftäter besonders anfällig sind für die islamistische Ideologie.

Worüber sich alle Experten einig sind: Christliche wie moderate muslimische Seelsorger in JVAs spielen eine äußerst wichtige Rolle. Bei dem Straßburger Treffen geht es daher vor allem darum, wie mit der weiteren Radikalisierung unter Insassen umzugehen ist, Probleme früh zu identifizieren und dann auch pastoral zu lösen helfen. Aber auch die christliche Botschaft für diese Insassen, die der Papst in seinem Grußwort betont, ist Thema anhand der Feier des Jahrs der Barmherzigkeit, das Pater Helmut Rakowski in einem Vortrag thematisiert; der Kapuziner arbeitet beim Päpstlichen Rat für die Neu-Evangelisierung.

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