Peking, Taipei und die Zukunft der Beziehungen des Vatikans mit China

Papst Franziskus bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz am 11. Mai 2016.
Foto: CNA/Daniel Ibanez
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Die Beziehungen der Kirche mit der Volksrepublik China waren schon immer schwierig. Nun könnte ein neues Kapitel beginnen: Seit kurzem ist der Sitz der apostolischen Nuntiatur in Taiwan frei. Dort hat der Heilige Stuhl seit dem chinesischen Bürgerkrieg seinen Sitz. Die Volksrepublik betrachtet jedoch Taiwan nach wie vor als eine abtrünnige Provinz, die mit dem Mutterland vereint werden sollte.

Die apostolische Nuntiatur in Taiwan ist seit Jahrzehnten nicht mehr mit einem Nuntius besetzt; statt dessen leitet ein Diplomat niederen Ranges, ein Chargé d'Affairs, die Geschäfte. Der letzte war Monsignore Paul Fitzpatrick Russell, ein 57 Jahre alter Priester aus den USA. Am 19. März hatte der Heilige Stuhl bekannt gegeben, dass Msgr. Russell zum Nuntius für die Türkei und Turkmenistan ernannt werde. Somit ist die Nuntiatur in Taiwan unbesetzt – und möglicherweise ist die Ernennung Russels ein Zeichen dafür, dass der Heilige Stuhl bewußt die Nuntiatur für einige Zeit vakant lassen möchte, um die Beziehungen mit dem chinesischen Festland zu verbessern.

Papst Franziskus hat kein Geheimnis aus seinem Wunsch gemacht, eines Tages Peking zu besuchen. Trotz der andauernden Unterdrückung des Christentums in China gibt es Anzeichen einer Annäherung: So konnte Franziskus als erster Papst den Luftraum über China nutzen, um nach Südkorea und auf die Philippinnen zu fliegen.

Auch die Beziehungen zwischen Peking und Taipei haben sich in jüngster Zeit etwas entspannt: Im November 2015 trafen sich die beiden Staatsoberhäupter, Xi Jinping und Ma Ying-Jeou in Singapur.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der "Außenminister" des Vatikans, sagte kürzlich in einem Interview, dass die Beziehungen mit China "Teil eines langen Weges mit verschiedenen Phasen" seien.

Geschichtlicher Hintergrund

Schon seit Jahrhunderten gibt es katholische Missionare in China; besonders prominent war etwa der Einsatz der Jesuiten und anderer Orden im 16. Jahrhundert. Als im Jahr 1949 die Kommunisten die Herrschaft über das gesamte chinesische Festland errangen, gab es zu diesem Zeitpunkt rund 5.700 katholische Missionare in China – und rund 3,3 Millionen Katholiken. Die Kommunisten vertrieben jedoch die ausländischen Missionare und gründeten später die „Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung", eine von der Regierung sanktionierte Kirche, die sich freilich vom Heiligen Vater in Rom lossagte und unter anderem Abtreibungen und künstliche Verhütung nichts öffentlich äußerte. Gleichzeitig lebte im Untergrund eine freie, von der Kommunistischen Partei verfolgte Kirche weiter, die bis heute nicht anerkannt ist, aber treu zum Papst und Rom steht. Dementsprechend schwierig sind auch die Beziehungen zum Vatikan.

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