Taufe durch Laien und Diakonat der Frau: Bischof Fürst will Möglichkeiten prüfen

Bischof Gebhard Fürst
Foto: Bistum Rottenburg-Stuttgart

Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, hat sich erneut für die Einführung des Diakonats der Frau ausgesprochen. Außerdem will er die Möglichkeit kirchenrechtlich prüfen lassen, ob Laien auch grundsätzlich - und nicht wie bisher unter besonderen Ausnahmebedingungen - das Sakrament der Taufe spenden können.

In einer Presseerklärung, die das Bistum Rottenburg-Stuttgart gestern verschickte, erklärte Fürst, er wolle die Rolle von Frauen in der Kirche "in fünf ganz konkreten Handlungsfeldern fördern". Damit wolle er auf das Frauenforum reagieren, das Mitte April in der Diözese stattgefunden hat.

Besagtes Forum hatte medial für große Aufregung gesorgt, nachdem die Theologie-Professorin Johanna Rahner im Rahmen dieser Veranstaltung sagte, wer nicht für ihr Verständnis von Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche eintrete, sei ein "Rassist". Wie CNA Deutsch berichtete, eskalierte der Streit, nachdem der Passauer Bischof Stefan Oster der Theologin widersprach. Mit einer gemeinsamen Erklärung haben beide ihren Streit mittlerweile beigelegt.

Taufe durch Laien als Regel?

In einem Brief an die Teilnehmer dieses Forums kündigte Bischof Gebhard Fürst nun an, auch die Möglichkeit der Taufe durch "pastorale Laien" zu überprüfen. Er habe bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die kirchenrechtlich prüft, "wie und unter welchen Bedingungen nicht geweihte pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Taufe spenden können". Ein weiteres Gremium soll in der Folge ein konkretes pastorales Konzept der Taufe durch Laien erarbeiten.

Das katholische Kirchenrecht schreibt grundsätzlich vor, dass ausschließlichein Bischof, Priester oder Diakon die Taufe spenden können (siehe CIC, can. 861 §1).

Der "Codex Iuris Canonici" erlaubt aber Ausnahmen. Wörtlich heißt es:

"Ist ein ordentlicher Spender nicht anwesend oder verhindert, so spendet die Taufe erlaubt der Katechist oder jemand anderer, der vom Ortsordinarius für diese Aufgabe bestimmt ist, im Notfall sogar jeder von der nötigen Intention geleitete Mensch; die Seelsorger und vor allem der Pfarrer müssen sich angelegen sein lassen, die Gläubigen über die rechte Taufweise zu belehren." (CIC, can. 861 §2)

Bischof Fürst: "Werde mich weiterhin für das Diakonat der Frau einsetzen"

Weiter teilte Bischof Fürst mit, dass er sich die Beiträge des Frauenforums zu Herzen genommen habe, "ebenso die Erwartungen der Aktion Maria 2.0". "Erneut habe ich gespürt, welch tiefen Schmerz viele Frauen empfinden, weil sie sich in ihrer Berufung nicht ernst genommen fühlen", so Fürst.

Deshalb versicherte er, sich weiterhin für die Einführung des Diakonats für Frauen einzusetzen. Allerdings gehe hier nichts ohne das Einverständnis der Weltkirche. In der Pressemitteilung des Bistums heißt es, dass der Bischof zeitnah Frauen zu einem Gespräch einladen will, "die die Berufung zur Diakonin oder Priesterin in sich tragen".

Bereits vorhandene Formen der Gemeindeleitung durch Laien will Fürst "ausbauen und neue Formen schaffen". Zudem verweist er in seinem Brief an die Teilnehmer des Frauenforums auf die Regelung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, wonach getaufte Christen in verantwortlicher Stellung als Pfarrbeauftragte und für eine Kirchengemeinde als pastorale Ansprechpartner tätig sind.  

Frauenquote in Kirchenleitung

Auch in der Verwaltung der Kirche, dem Bischöflichen Ordinariat, soll der Anteil von Frauen in Führungspositionen weiter erhöht werden. Dieser liegt im Schnitt in der Diözesankurie bereits bei 36 Prozent. Nun will Fürst diesen auch in der höchsten Leitungsebene sukzessive in den kommenden zwei Jahren auf mehr als ein Drittel weiblicher Führungskräfte anheben.  

Bischof Fürst betonte, dass es ihm ein wichtiges Anliegen sei, alles, was er auf Ebene der Ortskirche umsetzen könne, zeitnah zu realisieren. "Alle" verspürten dabei "Handlungsdruck", so der Bischof wörtlich:

"Die Abstimmung mit der deutschen Bischofskonferenz ist mir – wo nötig – wichtig. Den Handlungsdruck, zu neuen Regelungen zu kommen, spüren wir alle."

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