Reaktionen auf Trump-Besuch am Heiligtum Johannes Paul II. in Washington

US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump legten am Heiligtum in Washington am 2. Juni 2020 einen Kranz nieder.
Foto: Brendan Smialowski / AFP via Getty

Inmitten der landesweiten Unruhen nach dem Tod von George Floyd hat US-Präsident Donald Trump am gestrigen Dienstag das Nationalheiligtum St. Johannes Paul II. in der US-amerikanischen Hauptstadt besucht. 

Ein Sprecher des katholischen Wallfahrtsortes erklärte, der Besuch war bereits vor den Unruhen geplant, anlässlich einer Verordnung zur Religionsfreiheit. 

Erzbischof Wilton Gregory von Washington hatte zuvor Trumps Besuch des Schreins als "verwerflich" bezeichnet, angesichts negativer Medienberichte über den Umgang des Präsidenten mit den Krawallen sowie seine öffentlichen Auftritte an christlichen Einrichtungen.

Das Weiße Haus habe den Besuch Trumps bereits seit einiger Zeit aus Anlass der Exekutiv-Order"zur Förderung der internationalen Religionsfreiheit" geplant, so ein Sprecher der Wallfahrtsstätte St. Johannes Paul II.

"Dies war angemessen, denn Johannes Paul II. war während seines gesamten Pontifikats immer ein unermüdlicher Verfechter der Religionsfreiheit", so das Heiligtum. 

Das Anliegen sei – nicht zuletzt angesichts der weltweiten Verfolgung von Christen und religiöser Minderheiten – zudem ein parteiübergreifendes, betonte der Wallfahrtsort weiter. Außerdem heiße man grundsätzlich "alle Menschen willkommen", die "beten wollen und etwas über das Vermächtnis des heiligen Johannes Paul II. erfahren wollen".

Der Anlass dieser Stellungnahme war eine öffentliche Mitteilung des Erzbischofs von Washington. Wilton Gregory von Washington ließ bekanntgeben, er finde es "verwirrend und verwerflich", dass der Präsident die Wallfahrtsstätte besuche. Zur Begründung ließ Gregory wissen, seiner Meinung nach lasse sich damit eine katholische Einrichtung "auf ungeheuerliche Art und Weise missbrauchen und manipulieren". 

Diese Stellungnahme wiederum verschärfte die mediale Debatte über die umstrittenen Auftritte Trumps. 

Eine Gruppe von rund 200 Demonstranten versammelte sich am Dienstagmorgen (Ortszeit) in der Nähe des Heiligtums. Einige der Demonstranten skandierten "black lives matter" und "no justice, no peace", während eine kleine Gruppe von Demonstranten den Rosenkranz betete.

Eugene F. Rivers ist Direktor des William J. Seymour Institute for Black Church and Policy Studies in Boston.

Rivers begrüßte grundsätzlich den Besuch des Präsidenten, wie er gegenüber CNA erklärte: "Da der Besuch des Präsidenten im Voraus arrangiert worden war und sich auf das eine Thema konzentrieren sollte, das in den letzten Jahren über jede Parteipolitik hinausging, war dies eine sehr schwierige Situation".

"Ich verstehe nicht, wie ein Heiligtum oder ein anderes Gotteshaus einen Besuch von jemandem ablehnen kann, der dort seinen Respekt zollen oder beten möchte - ganz zu schweigen vom Präsidenten. Diejenigen, die den Präsidenten als Sünder bezeichnen, sollten daran denken, dass Jesus regelmäßig Skandale verursachte, indem er mit jenen gemeinsam speiste, und jene willkommen hieß, die zu seinen Lebzeiten als unbeliebt oder unangemessen angesehen wurden. Ich glaube, Jesus heißt jeden willkommen - auch Trump". 

Am Montag Abend (Ortszeit) hatte Trump die an das Weiße Haus angrenzende St. John’s Episcopal Church besucht, die jeder amtierende US-Präsident, angefangen mit James Madison, besucht hat.

Trump stellte sich vor der Kirche auf und hielt eine Bibel in die laufenden Kameras. Die Kirche hatte während der Proteste am Sonntagabend Brandschäden erlitten.

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