"Unterwegs und doch verwurzelt": 15.000 Jugendliche aus der ganzen Welt bei Taizé-Treffen

Europäisches Jugendtreffen in Breslau
Foto: Taizé
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Vom 29. Dezember 2019 bis 1. Januar 2020 sind junge Christen aus aller Welt im polnischen Wrocław (deutsch: Breslau) dabei: Seit drei Tagen findet in der niederschlesischen Hauptstadt das zum 42. Mal von der christlichen Taizé-Gemeinschaft organisierte Europäische Jugendtreffen statt.

Auch der katholische Fernsehsender EWTN.TV überträgt LIVE aus Polen.

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Mit einem Gebet am Samstagabend, am 28. Dezember, hat das große internationale Jugendtreffen begonnen, bei dem die jungen Menschen gemeinsam mit den Brüdern von Taizé und Vertretern anderer Glaubensgemeinschaften dabei sind.

Für die Jugendlichen gibt es ein umfangreiches Programm. Jeden Vormittag treffen sich die Teilnehmer in kleinen Gruppen in ihren Gastpfarreien zum Morgengebet, um das Leben der dortigen Gemeinschaft kennenzulernen, Erfahrungen zu sammeln, Freundschaften zu schließen.

Ab Mittag bieten die Organisatoren Diskussionsrunden und Workshops in den Bereichen Spiritualität, Kirche, Solidarität/Gesellschaft sowie Kunst und Glaube mit 30 verschiedenen aktuellen Themen an. Am Abend finden gemeinsame Gebete in der Jahrhunderthalle und in mehreren Kirchen im Stadtzentrum statt.

Rund 15.000 Jugendliche aus allen Ländern Europas und anderen Teilen der Welt nehmen an der fünftägigen ökumenischen Begegnung in Wrocław teil, die sich heuer auf das Thema "Unterwegssein" bezieht.

Die Grundlage des Jugendtreffens basiert vor allem auf dem gemeinsamen Gebet und auf der Begegnung der Ortskirche mit ihren Gemeinden. Über hundert Pfarrgemeinden in Wrocław und  Umgebung beteiligen sich an der Organisation und beherbergen die jungen Menschen, die alle in Familien aufgenommen wurden. Die Beteiligung der Menschen vor Ort ist sehr groß und herzlich. Das ist einer der guten Gründe, weshalb die niederschlesische Hauptstadt bereits zum dritten Mal für die Ausrichtung des internationalen Jugendtreffens ausgewählt wurde.

"Wir sind aus vielen verschiedenen Völkern und mit ganz verschiedenen Lebenserfahrungen hier zusammengekommen", erklärte der Prior der Taizé-Gemeinschaft Alois den Tausenden Teilnehmern in der Jahrhunderthalle am Samstagabend und fügte hinzu:

"Diese Vielfalt hindert uns aber nicht daran, eine Erfahrung von Gemeinschaft zu machen. Im Gegenteil, diese Vielfalt hat zweifellos viel mit dem Willen Gottes für uns zu tun: Gott will uns in die Einheit zusammenführen, durch Christus, der Gemeinschaft ist. Und diese Einheit in der Vielfalt ist ein Zeugnis, das über die Kirche hinausgeht. In den Herausforderungen der heutigen Welt, in den unruhigen Zeiten, die der europäische Kontinent durchlebt, können wir versuchen, diese Botschaft der Gemeinschaft immer weiterzutragen".

Der Prior der Taizé-Gemeinschaft, Alois Löser, hat für die jungen Pilger in Wrocław fünf Ideen für konkrete Handlungen für die Zukunft zusammengefasst:

  1. "Bereit, neu anzufangen";
  2. "mit offenen Augen für die Menschen in unserer Umgebung";
  3. "zusammen mit all denen, die ihre Heimat verlassen mussten";
  4. "in Einklang mit der gesamten Schöpfung";
  5. "mit einem festen inneren Halt".

Diese werden während der täglichen Gottesdienste vorgestellt und erörtert.

Als Titel für die "Vorschläge für das Jahr 2020" wählte er das Motto "Unterwegs und doch verwurzelt bleiben", das stark mit Polen verbunden ist: Mit diesen Worten wurde vor langer Zeit das Leben der polnischen Ordensschwester Urszula Ledochówska beschrieben.

Die im niederösterreichischen Loosdorf geborene, von Papst Johannes Paul II. 2003 heiliggesprochene Gründerin der Kongregation der Ursulinen vom Herzen Jesu im Todeskampf "war eine Bürgerin Europas und ihrer Zeit voraus" – erinnerte Bruder Alois, und fasste ihr Leben kurz zusammen:

"Sie besuchte viele Länder, in denen sich Schwestern ihrer Kongregation, die der Ursulinen, sich niederließen. Einige dieser Schwestern leben heute in Taizé und helfen uns zusammen mit den Schwestern von St. André, junge Menschen aufzunehmen und zu begleiten."

In Bezug auf dieses Motto nannte Bruder Alois als Beispiel das Land Polen, in dem der Glaube vielen Menschen tiefe Wurzeln gegeben habe. Dadurch konnten sie auch in der Notsituationen einen außergewöhnlichen Mut zeigen.

"Wir möchten auch unser eigenes Leben immer tiefer im Glauben verwurzeln und die Liebe Gottes zu jedem von uns annehmen", betonte er.

Bereits im Vorfeld der Begegnung in Breslau wies Papst Franziskus in seiner Botschaft an die Teilnehmer des 42. Taizé-Jugendtreffens darauf hin, dass das diesjährige Treffen in der Heimat seines Vorgängers, des hl. Johannes Paul II., stattfindet, und erinnerte die Jugend Europas an das Zeugnis des polnischen Glaubens.

Der Heilige Vater betonte, dass Polen ein Land sei, das seine Wurzeln im Glauben habe. Er deutete darauf hin, dass es diese Wurzeln waren, die es dem polnischen Volk ermöglichten, "in schweren Zeiten standzuhalten, als es keine Hoffnung gab. Ihr werdet entdecken, dass man viel von Menschen lernen kann, die Christus in Stunden treu geblieben sind, in denen die Versuchung bestand, einen einfachen Ausweg zu nehmen. Diese Christen wagten es, an eine andere Zukunft zu glauben."

Papst Franziskus versicherte den Jugendlichen, dass er sie mit seinem Gebet begleiten werde, und ermutigte sie, gemeinsam mit Christen in Polen das Thema des Treffens in Wrocław zu erkunden.

"Unterwegs und doch verwurzelt bleiben" soll helfen, daran zu glauben, dass Gott uns von der Angst zum Vertrauen führt. "Der Glaube an Christus gibt uns nicht nur Gewissheit, sondern auch den Mut, uns auf den Weg zu machen. Dies ist zunächst eine interne Pilgerreise, um Angst abzuweisen und den Weg des Vertrauens in Gott einzuschlagen. Gott ist auch bei uns, auch dann, wenn unsere Ängste zunehmen."

Das Jugendtreffen in Wrocław zeigt schon jetzt deutlich, dass junge Menschen nach dem Glauben leben möchten, der sie dazu bringt, sich auf den Weg oder auf eine Reise zu begeben, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Sie sehnen sich nach dem Glauben, der Freundschaft schafft – sowohl zwischen den Jungen als auch zwischen allen Generationen.

"Wir möchten Gott dafür danken und beten, dass der Heilige Geist diese Arbeit im Herzen der Menschen fortsetzt", sagte Prior Alois.

Die Idee, zur Jahreswende ein großes internationales Jugendtreffen in einer der europäischen Städte zu organisieren, stammt vom Gründer der Taizé-Gemeinschaft Bruder Roger Schutz.

Die jährliche Veranstaltung hat zum Ziel, junge Menschen durch gemeinsame Gebete, Diskussionsrunden in kleinen Gruppen sowie Workshops zu religiösen, kulturellen und sozialen Themen zusammenzubringen. Das Taizé-Treffen ist auch eine Gelegenheit, das christliche Leben in verschiedenen Teilen des alten Kontinents kennenzulernen, zu erleben und gemeinsam für den Frieden zu beten. Die Europäischen Jugendtreffen der Gemeinschaft Taizé finden seit 1978 statt. Sie wurden bisher viermal in Polen abgehalten: zweimal in Wrocław (1989 und 1995) und je einmal in Warschau (1999) und Posen (2009). Diese Treffen werden auch als Etappen der "Pilgerreise des Vertrauens" auf Erden bezeichnet.

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