Vatikan veröffentlicht neues Direktorium für die Katechese

Erzbischof Rino Fisichella bei der Vorstellung des neuen Handbuchs für den Glaubensunterricht am 25. Juni 2020 im Vatikan.
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch

Wird dieses Direktorium helfen, Glaubenslücken zu schließen, die das katholische Leben in der Kirchenkrise belasten – und kann es helfen, den Glauben unverkürzt zu verbreiten, in der eigenen Familie wie im ganzen Leben?

Das ist der große Anspruch des Dokuments, das der Päpstliche Rat für die Neuevangelisierung im Vatikan heute vorgelegt hat. Das "Direktorium für die Katechese" – so der offizielle Titel – legt daher "die grundlegenden theologisch-pastoralen Prinzipien und einige allgemeine Orientierungen, die für die Praxis der Katechese in unserer Zeit von Bedeutung sind", erklärt Kardinal Rino Fisichella in der Einleitung.

Zu den Themen, die in diesem Direktorium neu behandelt werden, gehören die Bioethik, Geschlecht und Gender, die Bewahrung der Schöpfung sowie die Todesstrafe.

Das Buch, das am heutigen 25. Juni nur in italienischer Sprache vorgestellt wurde, liegt noch nicht in einer offiziellen deutschen Übersetzung vor. Als Direktorium fungiert es als eine Erweiterung und Fortführung seiner Vorgänger der Jahre 1997 und 1971 – Fisichella nennt dies eine "dynamische Kontinuität".

Im Dienst der Evangelisierung

Die Katechese "muss die eigentlichen Merkmale der Evangelisierung" aufweisen, ohne diese jedoch zu ersetzen, sagte Fisichella auf der Pressekonferenz am 25. Juni: Die Evangelisierung habe immer Vorrang vor der Katechese.

Das in drei Abschnitte unterteilte Werk dient - so der Kardinal weiter - genau gesehen der "Vertiefung des Verständnisses der Kirche von der Rolle der Katechese im Bereich der Evangelisierung".

Die Einleitung des Direktoriums stellt fest, dass jedes Direktorium auch im Einklang mit der Lehre der Kirche stehen muss, einschließlich dem Katechismus der Katholischen Kirche und päpstlichen Enzykliken. 

In Bezug auf die Bioethik betont das Verzeichnis den Unterschied zwischen "therapeutischer Intervention und Manipulation", insbesondere wenn dadurch das Risiko entsteht, Eugenik zu praktizieren.

Das Dokument bekräftigt auch Gottes Schöpfung der menschlichen Person als "männlich und weiblich". Es stellt fest, dass sich die Kirche zwar der persönlichen Komplexität bewusst ist, die manche Menschen im Bereich von Geschlecht und Sexualität erfahren, "sie ist sich jedoch bewusst, dass Sexualität in einer Perspektive des Glaubens nicht nur ein physisches Datum ist, sondern eine persönliche Realität, ein Wert, der der Verantwortung der Person anvertraut ist".

Angesichts der modernen Herausforderungen in den Bereichen Bioethik und Gender sagt das Direktorium, dass Katecheten eine Erziehung fördern sollten, die im Glauben und in der christlichen Moral verwurzelt ist, alles im Lichte des Lehramtes der Kirche.

Das Buch bietet einige grundlegende Elemente, die die Katecheten hervorheben sollten, nämlich: "Gott ist der erste und letzte Bezugspunkt des Lebens, von seiner Empfängnis bis zum natürlichen Tod; die Person ist immer die Einheit von Geist und Körper; die Wissenschaft steht im Dienst der Person; das Leben muss in jedem Zustand angenommen werden, denn es ist durch das Ostergeheimnis Jesu Christi erlöst".

Was die Todesstrafe betrifft, so betont das Direktorium die "innere und unveräußerliche Würde" jeder menschlichen Person und verweist auf die Änderung des Katechismus durch Papst Franziskus, mit dem dieser die Todesstrafe für "unzulässig" erklärte.

"Die Katechese wird daher alle Anstrengungen unternehmen müssen, um die Lehre der Kirche verständlich zu machen und zur Schaffung einer neuen Kultur beizutragen", heißt es in dem Dokument.

Hinsichtlich der Pflege des gemeinsamen Hauses verweist das Verzeichnis auf die Notwendigkeit einer "ökologischen Umkehr" angesichts der sich beschleunigenden und komplexen ökologischen Probleme.

"Eine Katechese, die für die Bewahrung der Schöpfung sensibel ist, fördert eine Kultur der Aufmerksamkeit sowohl für die Umwelt als auch für die Menschen, die dort leben", heißt es und fügt hinzu, dass ein Teil der Verantwortung für die Umwelt die Verantwortung und der Respekt für andere Menschen ist, indem man ein Leben in Tugend führt, das frei von Konsumismus ist.

Das Dokument befasst sich auch mit den neuen Herausforderungen der digitalen Kultur und der Kultur der Globalisierung.

Das Verzeichnis unterstreicht die Notwendigkeit der Ausbildung in diesen Bereichen, da beide Themen "so miteinander verbunden sind, dass sie sich gegenseitig bedingen und Phänomene hervorbringen, die einen radikalen Wandel in der Existenz der Menschen aufzeigen". 

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