"Völlig sinnloses Verfahren": Kardinal Brandmüller kritisiert Form von Kardinalstreffen

Kardinal Walter Brandmüller
Foto: CNA/Paul Badde

Der 93-jährige Kardinal und renommierte Kirchenhistoriker Walter Brandmüller hat scharfe Kritik an der gegenwärtigen Form des Konsistoriums – eines Treffens von Kardinälen unter Leitung des Papstes – geübt und grundsätzliche Reformen des Verfahrens zur Papstwahl gefordert. Ursprünglich wollte er sich mit seinem Beitrag beim Konsistorium am Montag und Dienstag zu Wort melden, durfte dies aber nicht.

Der Beitrag wurde nun von dem italienischen Vatikanisten Sandro Magister im Internet veröffentlicht.

Das Konsistorium zu Anfang der Woche sei "auf Geheiß des Papstes in Sprachgruppen aufgeteilt" worden, so Magister in seiner Einleitung zu Brandmüllers Beitrag, "was einen direkten Dialog zwischen allen verhinderte, wie er im Februar 2014, dem letzten von Franziskus einberufenen Konsistorium, stattgefunden hatte, im Hinblick auf die Synode über die Familie und die 'vexata quaestio' der Kommunion für Geschiedene und Wiederverheiratete". Damals sei "die vom Papst gewünschte Regelung so offen" kritisiert worden, "dass er sich veranlasst sah, von da an alle ähnlich freien und freimütigen Einberufungen von Kardinälen auszuschließen".

Brandmüller selbst hatte mit drei anderen Kardinälen – Raymond Burke, Carlo Caffarra und Joachim Meisner – im Anschluss an die Familiensynode ein als "Dubia" formuliertes Dokument an Papst Franziskus geschickt, um zu klären, ob die überlieferte Lehre der Kirche zur Unauflöslichkeit der Ehe sowie zum Ausschluss von zivil geschiedenen und wiederverheirateten Menschen von der Heiligen Kommunion weiterhin gelte. Der Pontifex blieb eine Antwort schuldig.

Kritik an Konsistorien

Die Kardinäle seien laut Kirchenrecht dazu berufen, dem Papst zu helfen, ihn zu unterstützen und ihm zur Seite zu stehen. In der Antike habe "diese Funktion der Kardinäle ihren symbolischen und zeremoniellen Ausdruck in dem Ritus der 'aperitio oris'" gefunden, "der Öffnung des Mundes".

Konkret habe ein Kardinal also "die Pflicht, die eigene Überzeugung, den eigenen Ratschlag offen auszusprechen, besonders im Konsistorium". Die derzeitige Wirklichkeit gestalte sich aber anders: "Im Moment wird diese Offenheit leider durch ein seltsames Schweigen ersetzt."

Entsprechend sei es "notwendig, das Recht und sogar die Pflicht der Kardinäle zu betonen, sich klar und offen zu äußern, gerade wenn es um die Wahrheiten des Glaubens und der Moral, des 'bonum commune' der Kirche geht".

"Die Erfahrung der letzten Jahre war eine ganz andere", so Brandmüller. "Bei den Konsistorien – die fast ausschließlich für die Anliegen der Heiligen einberufen wurden – wurden Formulare verteilt, um Redezeit zu beantragen, gefolgt von offensichtlich spontanen Äußerungen zu irgendeinem Thema, und fertig. Es gab nie eine Debatte, einen Austausch von Argumenten zu einem bestimmten Thema. Offensichtlich ein völlig sinnloses Verfahren."

"Ein dem Kardinaldekan unterbreiteter Vorschlag, ein Diskussionsthema im Voraus mitzuteilen, damit Bemerkungen vorbereitet werden können, blieb unbeantwortet", berichtete der Kardinal. "Kurzum, seit mindestens acht Jahren sind die Konsistorien ohne jede Form des Dialogs zu Ende gegangen."

Seit 2020 ist Kardinal Giovanni Battista Re der Dekan des Kardinalskollegiums. Sein unmittelbarer Vorgänger, Kardinal Angelo Sodano, hatte dieses Amt seit 2005 inne. Brandmüller selbst ist seit 2010 ein Kardinal.

Kritik am Konklave

In seinem für das Konsistorium geplanten Beitrag verwies Brandmüller auch auf Probleme, die durch ein zu großes Kardinalskollegium beim Konklave, also einer Papstwahl, aufkommen könnten.

"Bis Paul VI., der die Zahl der Wahlmänner auf 120 erhöhte, gab es nur 70 Wahlmänner", rief er in Erinnerung. "Diese annähernde Verdoppelung des Wahlkollegiums war durch die Absicht motiviert, der Hierarchie der von Rom weit entfernten Länder entgegenzukommen und diese Kirchen mit dem römischen Purpur zu ehren."

Derzeit sind 132 Kardinäle wahlberechtigt, nachdem Papst Franziskus am Samstag 16 weitere Kardinäle unter 80 Jahren kreiert hatte.

Laut Brandmüller sei die "unvermeidliche Folge" der Erweiterung des Kardinalskollegiums gewesen, "dass Kardinäle kreiert wurden, die keine Erfahrung mit der römischen Kurie und damit mit den Problemen der pastoralen Leitung der Weltkirche hatten".

"All dies hat schwerwiegende Folgen, wenn diese Kardinäle der Peripherie aufgerufen sind, einen neuen Papst zu wählen", warnte Brandmüller. "Viele, wenn nicht die Mehrheit der Wähler kennen sich nicht. Dennoch sind sie da, um den Papst zu wählen, einen aus ihrer Mitte. Es liegt auf der Hand, dass diese Situation es Gruppen oder Klassen von Kardinälen erleichtert, einen ihrer Kandidaten zu bevorzugen. In dieser Situation kann die Gefahr der Simonie in ihren verschiedenen Formen nicht ausgeschlossen werden."

Als Simonie bezeichnet man den Kauf oder Verkauf eines kirchlichen Amtes, wobei dies nicht unbedingt durch Zahlung von Geldern erfolgen muss.

Schließlich schlug Brandmüller vor, "das Stimmrecht im Konklave beispielsweise auf die in Rom residierenden Kardinäle zu beschränken, während die anderen, die noch Kardinäle sind, den 'Status' der über 80 Jahre alten Kardinäle teilen könnten."

Nach dem jüngsten Konsistorium zu Beginn der Woche wurden 83 der 132 wahlberechtigten Kardinäle von Papst Franziskus ernannt – knapp weniger als zwei Drittel. Insgesamt hat die Kirche derzeit 226 Kardinäle.

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