Was der Papst meint, wenn er von unserer "multikulturellen Verwandlung" spricht

Kerzenschein im Petersdom am Fest Mariä Lichtmess, 2. Februar 2017.
Foto: CNA/Daniel Ibanez
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Lebendiges Missionieren statt steriler Strukturen: Das hat der Papst anhand einer Kritik einer "Psychologie des Überlebens" gestern im Petersdom gefordert. Eine solche Haltung strahle keine Hoffnung aus, sondern kreise um sich selbst, so die Botschaft des Pontifex.

Am Festtag der Darstellung des Herrn, auch bekannt als Mariä Lichtmess, predigte der Papst:  

"Die Psychologie des Überlebens nimmt unseren Charismen die Kraft, denn sie führt uns dazu, sie zu "zähmen" und "leicht zugänglich" zu machen, beraubt sie damit aber jener kreativen Kraft, die sie freisetzten. Sie bewirkt, dass wir lieber Räume, Bauwerke oder Strukturen bewahren wollen, als neue Prozesse ermöglichen. Die Versuchung des Überlebens lässt uns die Gnade vergessen, sie verwandelt uns in Fachleute des Sakralen, nicht aber in Väter, Mütter oder Brüder und Schwestern der Hoffnung, die zu weissagen wir berufen sind."

Die Botschaft Jesu: Das ist die Hoffnung auf die Auferstehung. Und diese Botschaft sei für alle und zu allen zu bringen, so Franziskus, habe Jesus selbst in der Synagoge von Nazareth erklärt:

"Auch die Kranken, die Gefangenen, die Einsamen, die Armen, die Alten, die Sünder sind eingeladen, denselben Gesang der Hoffnung anzustimmen – Jesus ist bei ihnen, er ist bei uns (vgl. Lk 4,18-19). Dieses Lied der Hoffnung haben wir als Erbe von unseren Vorfahren erhalten. Sie haben uns in diese 'Dynamik' eingeführt. In ihren Gesichtern, in ihrem Leben, in ihrer täglichen und gleichbleibenden Hingabe konnten wir sehen, wie dieser Lobpreis sich "inkarnierte".

Alle Christen, die noch auf der Erde sind, seien "Erben der Träume unserer Vorfahren, Erben der Hoffnung", so der Papst weiter. "Wir sind Erben unserer alten Menschen, die den Mut zum Träumen hatten. Und wie sie, so wollen auch wir heute singen: Gott enttäuscht nicht, die Hoffnung auf ihn trügt nicht."

Wer hofft, statt Angst zu haben, der missioniert auch, betonte der Papst: 

Die Mission – in Übereinstimmung mit jedem besonderen Charisma – ist es, die uns daran erinnert, dass wir aufgefordert wurden, "Sauerteig" in dieser konkreten Masse zu sein. Sicherlich kann es bessere "Mehle" geben, aber der Herr hat uns aufgefordert, hier und jetzt zu "durchsäuern", mit den Herausforderungen, die uns gestellt werden.

Wer dies tue, der mache eine "multikulturelle Verwandlung" durch, sagte Franziskus im Dom von Sankt Peter, wenn er oder sie Jesus mitten in sein Volk stelle. 

Ein kontemplatives Herz

Statt einer defensiven Haltung ,so Franziskus, müssten Christen "ein kontemplatives Herz haben, das fähig ist zu erkennen, wie Gott durch die Straßen unserer Städte, unserer Dörfer und unserer Wohnviertel geht". Es gehe darum, Jesus mitten in sein Volk stellen.

Das bedeute, "das Kreuz unserer Brüder und Schwestern auf sich nehmen und gewillt sein, ihnen zu helfen es zu tragen". Es bedeute auch, die Wunden Jesu berühren zu wollen "in den Wunden der Welt, die verletzt ist und sich flehentlich danach sehnt, zu neuem Leben zu erwachen", so Franziskus. Hier sei die Mystik zu entdecken und weiterzugeben, was den christlichen Glauben ausmache.

"Uns mit Jesus mitten in sein Volk stellen! Nicht als Aktivisten des Glaubens, sondern als Männer und Frauen, die ständig Vergebung erfahren, Männer und Frauen, die in der Taufe vereint sind, um diese Salbung und den Trost Gottes mit den anderen zu teilen."

So sei "Brüderlichkeit erfahrbar", sagte der Papst, und so verwandle sich die Gesellschaft "in eine solidarische Karawane, in eine heilige Pilgerschaft", und "etwas sehr Gutes, sehr Heilsames, sehr Befreiendes, eine große Quelle der Hoffnung!"

Dieser Prozess tue nicht nur gut, sondern verwandele das Leben und die eigenen Hoffnung in einen Lobgesang Gottes.

"Doch das können wir nur tun, wenn wir uns die Träume unserer Alten zu Eigen machen und sie in Prophetie verwandeln", sagte Franziskus.

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