Weihbischof Ansgar Puff: Ausbeutung in Pflege, Industrie und Prostitution stoppen

Weihbischof Ansgar Puff auf der Fronleichnamsprozession 2020 in Köln
Foto: Raimond Spekking / Wikimedia (CC BY-SA 4.0 )

Zum morgigen Tag gegen Menschenhandel hat Bischof Ansgar Puff, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Menschenhandel der Migrationskommission der deutschen Bischofskonferenz, neue Regeln und Maßnahmen von Politik und Staat gefordert. Sie sollen verhindern dass sich ausbeuterische Arbeitsverhältnisse und Menschenhandel überhaupt erst entwickeln können.

Der Kölner Weihbischof äußerte sich mit Blick auf den "Internationalen Tag gegen Menschenhandel" der UN am 30. Juli.

"Von dieser Entmenschlichung der Arbeit zu Menschenhandel ist es nur ein kleiner Schritt", so Puff. "In der Pandemie wird insbesondere die Situation in der Lebensmittelindustrie wahrgenommen. Und das nicht zu Unrecht! Aber in Deutschland und der Europäischen Union findet Ausbeutung in erheblichem Maß auch in der Pflege, auf dem Bau und in der Prostitution statt."

Puff weist in seiner Stellungnahme auf das seiner Ansicht nach "wenig beachtete Feld der Kriminalität" hin, auf dem meist Frauen und Kinder unter Vorspiegelung falscher Tatsachen unter Ausnutzung ihrer Hilflosigkeit, durch Nötigung und Missbrauch von der Macht gefügig gemacht und ausgebeutet werden. Beobachter schätzen die Zahl der Opfer des Menschenhandels auf weltweit rund 40 Millionen. 

Die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen haben ihren Ursprung auch in den Herkunftsländern der Betroffenen, erklärt Puff. Der Weihbischof wörtlich:

"Kirchliche Partner in Rumänien und Bulgarien berichten, dass viele Menschen bereit sind, einen schlechten Lohn und prekäre Arbeitsbedingungen zu akzeptieren, um ihre Familien im Heimatland unterstützen zu können. Hierfür zahlen sie einen viel zu hohen Preis". 

Zum Engagement der Katholischen Kirche gegen Menschenhandel gehöre aber nicht nur die Sorge um die Opfer, sondern auch der Einsatz für faire Lebensbedingungen weltweit, die dem Menschenhandel seine Grundlagen entziehen, so Ansgar Puff. Deshalb sei vor allem die Politik  gefordert, Regeln zu formulieren und durchzusetzen, damit Maßnahmen nicht nur ein Strohfeuer bleiben. "Damit sich derart ausbeuterische Arbeitsverhältnisse gar nicht erst entwickeln können, sind konsequente Kontrollen sowohl der Arbeitsvermittlungsagenturen als auch der Betriebe zwingend erforderlich", betont Weihbischof Puff. Ziel der Kontrollen müsse es sein, den Arbeitnehmerschutz zu stärken, Arbeitsausbeutung und Menschenhandel aufzudecken und zu verhindern.

"Es muss sichergestellt werden, dass die zuständigen Behörden mit den notwendigen finanziellen Mitteln ausgestattet sind und auf qualifiziertes Personal, nicht zuletzt Dolmetscher, zugreifen können."

Der Einsatz der Kirche gegen Menschenhandel

Papst Franziskus veranlasste 2014 die Gründung der "Santa Marta Group", in der Bischöfe, Ordensschwestern und leitende Polizeibeamte in der Bekämpfung des Menschenhandels und zur Unterstützung der Opfer zusammenarbeiten. Im gleichen Jahr unterzeichnete er mit hochrangigen Vertretern anderer Religionsgemeinschaften im Vatikan eine Erklärung, die dazu aufruft, die "moderne Sklaverei weltweit bis 2020 und für alle Zeiten abzuschaffen". In einem Vorwort für ein Buch bezeichnete der Pontifix jede Form der Prostitution und Sklaverei als "ein ekelhaftes Laster".

Die deutsche Bischofskonferenz hat am 11. Juli 2019 die deutsche Fassung des vatikanischen Dokuments "Pastorale Orientierungen zum Menschenhandel" veröffentlicht. Das Dokument richtet sich an Diözesen, Pfarrgemeinden, muttersprachliche Gemeinden und Ordensgemeinschaften, katholische Schulen und Universitäten und kirchliche Wohlfahrtsverbände. Es gibt konkrete Empfehlungen zur Bekämpfung der "modernen Sklaverei" und zur Unterstützung der Opfer. Die Orientierungshilfe beschreibt außerdem, warum Menschenhandel stattfindet, weshalb er so oft verborgen bleibt und wie die Mechanismen der Ausbeutung auch inmitten moderner Gesellschaften funktionieren.

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