Weißrusslands Bischöfe beten für Rückkehr ihres Erzbischofs

Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz von Minsk-Mahiljou betet für festgenommene Demonstranten in Minsk am 19. August 2020.
Foto: catholic.by

Die katholischen Bischöfe von Weißrussland rufen zu Gebeten auf, dass einer ihrer Erzbischöfe, der letzte Woche an der Wiedereinreise in das Land gehindert wurde, nach Hause zurückkehren darf.

Das berichtet die "Catholic News Agency", die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch.  

"Es ist unzulässig, dass einem Bischof der katholischen Kirche, der der Hirte der ihm anvertrauten Gläubigen ist, die Möglichkeit genommen wird, in seiner eigenen Diözese zu sein und dort das ihm von [Papst Franziskus] anvertraute Amt auszuüben", so die weißrussischen Bischöfe am gestrigen Mittwoch.

Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz von Minsk-Mahiljou wurde von Grenzsoldaten von der Einreise aus Polen abgehalten (CNA Deutsch berichtete). Die Entscheidung der Grenzer, ihm die Einreise in sein Heimatland zu verweigern, sei "absolut unverständlich" und verstpße gegen das Gesetz, so Kondrusiewicz. Er sei nach Polen gereist, um die Erstkommunion eines Verwandten zu feiern – derzeit hält sich der Prälat in Białystok auf.

Das Wiedereinreiseverbot für Kondrusiewicz sei nicht nur illegal, so die Bischöfe, sondern auch schädlich für das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem weißrussischen Staat.

"Die Konferenz der katholischen Bischöfe in Weißrussland hofft, dass die Weigerung von Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz, in die Republik Weißrussland einzureisen, nur ein bedauerliches Missverständnis ist, das so schnell wie möglich aufgeklärt wird, und dass solche Vorfälle in Zukunft nicht mehr vorkommen werden", schlossen die Bischöfe und ermutigten alle Katholiken, für die sichere Rückkehr von Kondrusiewicz zu beten.

Katholiken sind nach den orthodoxen Christen die zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Weißrussland, die etwa 15 Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Kondrusiewicz hatte sich nach einer umstrittenen Präsidentschaftswahl am 9. August zur Verteidigung der Demonstranten geäußert.

In Weißrussland, einem Land mit 9,5 Millionen Einwohnern, das an Russland, die Ukraine, Polen, Litauen und Lettland grenzt, kam es zu weit verbreiteten Protesten, seit der Amtsinhaber Alexander Lukaschenko mit 80 Prozent der Stimmen zum Sieger der Präsidentschaftswahlen erklärt wurde.

Lukaschenko ist seit der Einrichtung des Amtes 1994, drei Jahre nachdem das Land seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion erklärt hatte, Präsident von Weißrussland.

Offizielle Stimmen meldeten, dass die Kandidatin der Opposition, Swjatlana Zichanouskaja, 10 Prozent der Stimmen erhielt. Sie wurde mehrere Stunden lang festgehalten, nachdem sie sich beim Wahlausschuss beschwert hatte, und ist nach Litauen geflohen.

Die Polizei nahm Tausende von Demonstranten fest, die auf die Straße gingen und eine Neu-Auszählung der Stimmen forderten. Trotz eines harten Durchgreifens gingen die Proteste im ganzen Land weiter.

In der vergangenen Woche forderte Kondrusiewicz eine Untersuchung von Berichten, wonach die Bereitschaftspolizei die Türen einer katholischen Kirche in Minsk blockiert habe, während sie die Demonstranten von einem nahe gelegenen Platz wegräumte. Er betete auch vor einem Gefängnis am 19. August, in dem inhaftierte Demonstranten gefoltert worden sein sollen.

Erzbischof Kondrusiewicz sagte gegenüber CNA am 1. September, dass "wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt um Gebete bitten, nicht nur für die katholische Kirche, sondern für eine friedliche Lösung der Situation in Weißrussland, weil ich den Bürgerkrieg sehr fürchte. Die Situation ist sehr, sehr schwierig, sehr kritisch".

Er sprach Katholiken auf der ganzen Welt seine Anerkennung aus "für ihre Solidarität, für ihre Gebete, für ihre moralische Unterstützung in dieser sehr kritischen Zeit für meine Nation".

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