Kirchenkrise: Welche Erkenntnisse bringt der McCarrick-Report?

Theodore McCarrick, als er noch ein Kardinal der Kirche war, am 11. März 2013 im Vatikan
Foto: Johannes Eisele/AFP/Getty Images
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Die Nachricht vom Umzug Theodore McCarricks an einen unbekannten Wohnort sorgte diese Woche für Aufregung und wilde Spekulationen. Nicht wenige Stimmen mutmaßten, der Ex-Kardinal sei aus Kansas "abgetaucht", weil der Vatikan endlich die Ermittlungsergebnisse zum Fall des heute 89 Jahre alten Mannes vorstellen wird, der nicht nur junge Priester und Seminaristen jahrelang sexuell genötigt hat, sondern auch minderjährige Jungen missbrauchte – sogar im Beichtstuhl sexuell Gewalt verübte – und gleichzeitig über Jahrzehnte Karriere als einflussreicher Kardinal machte, auch in der Diplomatie mit China.

Aber: Wie konnte ein Mann wie McCarrick überhaupt jemals Priester werden? Wie konnte er dann Bischof und sogar ein mächtiger Kardinal werden? Wer wusste über sein Treiben und duldete es möglicherweise, ja nutzte die Situation zum eigenen fragwürdigen Vorteil? Cui bono?

Das sind die zentralen Fragen der internen Untersuchung, die Papst Franziskus angeordnet hat. Es sind aber auch die zentralen Frage der Kirchenkrise, die im Zuge der Missbrauchsskandale von Australien bis Chile, von den USA bis Deutschland die Kirche erschüttert hat. 

Kirche am Boden

Die Analysen wie die vorgeschlagenen Antworten darauf sind unterschiedlich ausgefallen– mit dem "Synodalen Weg" soll es dafür in Deutschland Vorschläge geben. Und Papst emeritus Benedikt hat sich dazu bekanntlich ebenfalls deutlich geäußert, in seinem Aufsatz über die "Kirche und der Skandal des Sexuellen Missbrauchs". 

Schmerzhaft klar auf allen Seiten ist, dass das Vertrauen in die Kirche massiv beschädigt worden ist. Auch die jüngsten Zahlen für Deutschland bestätigen: Ausgerechnet die Institution, für die es letztlich um den Glauben geht, und für die Glaubwürdigkeit daher die – soziologisch gesprochen – einzig gültige "Währung" ist, ist in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Rangordnung am Boden. 

Selbst den Banken vertrauen die Menschen mehr als der Kirche. Schlechter als der Ruf des institutionalisierten Katholizismus ist in Deutschland nur noch der Ruf des Islam sowie von Managern und Werbeagenturen.

Der Fall McCarrick als Schlüsselskandal der Kirchenkrise ist also auch ein Schlüssel zum Verständnis, wie die heutigen Kardinäle und andere Protagonisten gedenken, die Ursachen anzupacken – oder für fragwürdige eigene Ziele zu instrumentalisieren.

Das gilt nicht nur für die Kirche im deutschsprachigen Raum, sondern auch für den Vatikan und die USA: "Manche US-Bischöfe", erklärt JD Flynn, "wollen vielleicht garnicht, dass der McCarrick-Bericht bald erscheint". Andere dagegen haben Papst Franziskus direkt darauf wiederholt angesprochen.

Die Spannung ist groß. Doch gebe es Hinweise, dass dieser Report – trotz des Umzugs von McCarrick an einen vorerst unbekannten Wohnort – nicht in den nächsten Tagen publiziert wird, so der Kirchenrechtler und Chefredakteur der englischsprachigen Schwesteragentur von CNA Deutsch, der "Catholic News Agency". 

Zudem sei noch völlig unklar, wie sich der Vatikan den Fragen darin stellt. Nicht nur Papst Franziskus sondern auch seine Vorgänger und mächtige Protagonisten unter den Kardinälen der Kurie könnten namentliche Erwähnung finden.

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