Wie Papst Paul VI. auf Kardinal Ratzinger als Beispiel der Treue zur Kirche hinwies

Papst Paul VI. überreicht Joseph Ratzinger den Kardinalsring
Foto: Unbekannter Autor, gemeinfrei via Wikimedia Commons https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Papa_Paolo_VI_consegna_l%27anello_cardinalizio_a_Joseph_Ratzinger.jpg
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Joseph Ratzinger hat Treue gezeigt – das erklärte Papst Paul VI. in der Ansprache anlässlich des Konsistoriums vom 27. Juni 1977, bei dem er den damaligen Erzbischof von München und Freising zum Kardinal ernannte.

Bei diesem Konsistorium wurden neben Joseph Ratzinger noch Giovanni Benelli (Erzbischof von Florenz), Bernardin Gantin (ehemaliger Erzbischof von Cotonou) und Luigi Ciappi (Titularbischof von Misenum) ernannt. Dazu kam Francesco Tomášek, Apostolischer Administrator von Prag, der im vorhergehenden Konsistorium "in pectore" ernannt worden war.

"Der einzigartige Charakter dieser Abschlusszeremonie des Konsistoriums regt uns an, über ein Thema nachzudenken, das uns grundlegend und spezifisch für diese Zeremonie erscheint: Treue. […] Ihr, die wir ab heute unsere verehrten Brüder nennen werden, habt vor der ganzen Kirche ein unvergleichliches Zeugnis der Treue abgelegt […]. Diese Treue bezeugen wir auch Ihnen, Kardinal Ratzinger", so Paul VI.

Der heilige Papst hob besonders Ratzingers "hohes theologisches Lehramt in renommierten Universitätsprofessuren in Ihrem Deutschland und in zahlreichen und validen Veröffentlichungen" hervor. Kardinal Joseph Ratzinger habe gezeigt "wie theologische Forschung – auf dem Königsweg des 'fides quaerens intellectum' – nie von der tiefen, freien, schöpferischen Zustimmung zum Lehramt getrennt werden kann und darf, das das Wort Gottes authentisch auslegt und verkündet; und dass Sie nun, vom Erzbischöflichen Stuhl München und Freising aus, mit unserem vollsten Vertrauen, eine auserwählte Herde, auf den Wegen der Wahrheit und des Friedens führen."

Der spätere Papst Benedikt XVI. hat fast 28 Jahre lang das Kardinalsrot getragen und stets mit größter Hingabe die Aufgaben eines Kardinals erfüllt, wie sie von den Canones 349 und 353 des Codex des Kanonischen Kirchenrechts vorgesehen sind:

Die Kardinäle der heiligen römischen Kirche bilden ein besonderes Kollegium mit der Zuständigkeit, nach Maßgabe von besonderem Recht für die Papstwahl zu sorgen, ferner stehen die Kardinäle dem Papst zur Seite, und zwar entweder durch kollegiales Handeln, wenn sie zur Behandlung wichtigerer Fragen zusammengerufen werden, oder als einzelne in Ausübung verschiedener Ämter, womit sie dem Papst vornehmlich in der täglichen Sorge für die Gesamtkirche Hilfe leisten (can. 349).

Die Kardinäle helfen dem obersten Hirten der Kirche auf kollegiale Weise hauptsächlich in den Konsistorien, zu denen sie sich auf Anordnung des Papstes und unter seinem Vorsitz versammeln (can. 353, § 1).

Papst Paul VI. teilte Kardinal Ratzinger die Titelkirche Santa Maria Consolatrice (Maria Trösterin) im Stadtviertel Casal Bertone zu.

1993 wurde Kardinal Ratzinger durch Papst Johannes Paul II. zum Kardinalbischof des suburbikarischen Bistums Velletri-Segni ernannt.

Ab 1998 hatte er das Amt des Subdekans des Kardinalskollegiums inne und nach dem Rücktritt von Kardinal Gantin wurde er 2002 zum Dekan des Kardinalkollegiums gewählt und damit gleichzeitig Kardinalbischof des suburbikarischen Bistums Ostia.

In seiner Eigenschaft als Kardinaldekan stand der aktuell emeritierte Papst im April 2005 der Beerdigung von Papst Johannes Paul II. vor, außerdem leitete er die Generalkongregationen in der Sedisvakanz und das Konklave, in dem er dann zum Papst gewählt wurde.

Aber was bedeutet Kardinalsein für Joseph Ratzinger? Als er Papst Benedikt XVI. war, hat er mehrmals auf diese Frage geantwortet.

Das Kardinalsrot ist in erster Linie eine Verantwortung, wie der Papst im März 2006 in seiner Predigt beim öffentlichen Konsistorium zur Kreierung der neuen Kardinäle darlegte.

Zu den neuen Kardinälen sagte er: "Da ihr nun noch enger mit dem Nachfolger Petri verbunden seid, werdet ihr dazu berufen sein, mit ihm in der Erfüllung seines besonderen kirchlichen Dienstes zusammenzuarbeiten; und das wird für euch eine intensivere Teilhabe am Geheimnis des Kreuzes im Teilen der Leiden Christi bedeuten. Und wir alle sind heute wirklich Zeugen seiner Leiden in der Welt und auch in der Kirche, und gerade auf diese Weise haben wir auch teil an seiner Herrlichkeit. Das wird es euch erlauben, reichlicher aus den Quellen der Gnade zu schöpfen und ihre heilsamen Früchte wirksamer um euch herum zu verbreiten."

Das Kardinalat ist ein "Band der besonderen Gemeinschaft und Zuneigung, das diese neuen Kardinäle an den Papst bindet" erläuterte Papst Benedikt in der Predigt des öffentlichen Konsistoriums zur Kreierung der Kardinäle im November 2010.

Dieses Band "macht sie zu einzigartigen und wertvollen Mitarbeitern der hohen Sendung, die Christus Petrus anvertraute, seine Schafe zu weiden (vgl. Joh 21,15–17), um die Völker in der Fürsorge der Liebe Christi zu vereinen. Aus eben dieser Liebe heraus ist die Kirche entstanden, die berufen ist, nach dem Gebot des Herrn, in dem das ganze Gesetz samt den Propheten zusammengefaßt ist, zu leben und zu wandeln. Mit Christus vereint zu sein im Glauben und in der Gemeinschaft mit ihm bedeutet, 'in der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet' (Eph 3,17) zu sein – das Gefüge, das alle Glieder des Leibes Christi vereint."

Bei seinem letzten Konsistorium im November 2012 schließlich betonte Papst Benedikt XVI., dass "auf der Linie und aus der Perspektive der Einheit und der Universalität der Kirche auch das Kardinalskollegium zu sehen ist: Es weist eine Vielfalt von Gesichtern auf, weil es das Gesicht der universalen Kirche zum Ausdruck bringt. Ganz besonders durch dieses Konsistorium möchte ich hervorheben, daß die Kirche eine Kirche aller Völker ist und sich deshalb in den unterschiedlichen Kulturen der verschiedenen Kontinente ausdrückt. Es ist die Kirche von Pfingsten, die in der Polyphonie der Stimmen einen einzigen harmonischen Gesang zum lebendigen Gott aufsteigen läßt."

Dabei erinnerte er die Kardinäle: "Von jetzt an seid ihr noch enger und inniger mit dem Stuhl Petri verbunden. Die Titel oder die Diakonien der Kirchen der Stadt Rom werden euch an das Band erinnern, das euch als Glieder ganz besonderer Ordnung eng mit der Kirche von Rom verbindet, die den Vorsitz in der universalen Liebe hat. Speziell durch eure Zusammenarbeit mit den Dikasterien der Römischen Kurie werdet ihr mir als dem Hirten der ganzen Herde Christi und dem Garanten der Lehre, der Disziplin und der Moral wertvolle Mitarbeiter sein, vor allem im apostolischen Dienst für die gesamte Katholizität."

Im Lauf seines Pontifikates seines Pontifikats stand Benedikt XVI. fünf Konsistorien vor, in denen er insgesamt 90 Kardinäle aus 37 Nationen kreiert hat.

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