„Wir müssen unsere Sendung und Berufung in die Welt hinaus verstehen!”

„Lebe so, dass man Dich fragt!" – Wolfgang Rudolph ist 26 Jahre alt und lebt in München.
Foto: privat
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Während der Familiensynode, die noch bis zum 25. Oktober geht, fragen wir immer wieder einfach mal nach: Wie erleben junge deutschsprachige Christen die Synode? Was würden sie dem Papst gerne sagen? Wolfgang Rudolph ist 26 Jahre alt und Lehrer an einer Mittelschule in München.

CNA: Herr Rudolph, was ist Ihr Eindruck: Wissen die Menschen, dass es eine Familiensynode in Rom gibt – und worum die sich dreht? Wie schätzen Sie die öffentliche Debatte bei uns ein?

RUDOLPH: Ich denke, dass in katholischen Kreisen bekannt ist, dass es eine Synode gibt. Einige haben ja auch bei den Befragungen vor einiger Zeit mitgemacht, als die Bischöfe nach der Meinung des "Kirchenvolkes" fragten. Ich glaube jedoch, dass die große Öffentlichkeit nur mitbekommen hat, dass die katholische Kirche einen sich outenden Priester suspendiert hat und man im Vatikan mal wieder über Homosexualität und geschiedene Wiederverheiratete spricht. Also nichts Neues. Meinem Eindruck nach ist die Debatte bestimmt von Klischees und Schlagzeilen der „Bild”-Zeitung.

CNA: Wie wichtig ist Ihnen das Thema der Berufung und Mission der Familie in der Kirche und Gesellschaft von heute persönlich?

RUDOLPH: An meinem Hochzeitstag habe ich nicht nur ein Gelübte gegenüber meiner Frau abgelegt, sondern ich habe auch gegenüber der Kirche die Bereitschaft zugesichert,meine Pflichten -zusammen mit meiner Frau- in Kirche und Welt zu erfüllen. Das ist einer der Kernbestandteile der Bereitschaftsfragen vor den eigentlichen Trauworten und Voraussetzung für eine Ehe. Für mich ist das auch die Berufung zum Laien. Ich frage mich, warum so viele eine Stärkung der Laien in der Kirche verlangen. Ich wäre für eine Stärkung der Laien in der Gesellschaft! Wir müssen unsere Sendung und Berufung in die Welt hinaus verstehen und nicht an den Altar, das sollen diejenigen machen, die sich mit Leib und Seele dem Gottesdienst verschrieben haben. Wir sollten in den Gemeinden, in Vereinen und in der Politik die Ideen des Evangeliums einbringen. Das muss nicht belehrend oder missonierend passieren, das Vorbild macht es. Frei nach dem Motto: Lebe so, dass man dich fragt!

CNA: Noch ist unklar, ob der Abschlussbericht der Synode überhaupt veröffentlicht wird – das entscheidet Papst Franziskus, der auch entscheidet, ob und was sich aus den Beratungen ergibt. Wenn Sie die Chance hätten: Was würden Sie dem Heiligen Vater gerne mit Blick auf die Synode ans Herz legen?

RUDOLPH: Ich glaube, dass unser Papst das Meiste im Auge hat und eine gut überlegte Entscheidung treffen wird. Mein Einblick in die Debatten auf der Synode sind begrenzt. Aber ich wünsche mir, dass es keine ideologischen Entscheidungen zugunsten des bloßen Zeitgeistes gibt. Wenn sich eine Änderung ergibt, dann darf diese dem Evangelium nicht widersprechen. Ich bin aber sehr gespannt auf das Ergebnis – falls wir es zu sehen bekommen.