Zeugnis, Wort, und Heimat: "Mit diesen drei Worten Europa neu evangelisieren"

Kardinal Angelo Bagnasco
Foto: CEI
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Zeugnis, Wort und Heimat: Das sind die drei Schlagworte für ein Projekt der Neuevangelisierung Europas, das Kardinal Angelo Bagnasco ins Leben gerufen hat, der Vorsitzende des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE).

Auf einer von "Christian Rebirth" organisierten Konferenz zum Thema "In Vielfalt, ein gemeinsamer Weg zur Evangelisierung" skizzierte Kardinal Bagnasco, der auch Erzbischof von Genua ist, am 17. November in Florenz das Bild eines Europas, das nur auf Individualismus und Wirtschaft basiert. 

Das sind denkbar schlechte Fundamente für einen Kontinent, der vor allem eine Seele hat, und den Christen wieder aufbauen können – so der Kardinal – ausgehend vom Zeugnis, der Verkündigung des Wortes Gottes und durch den Aufbau eines gemeinsamen Hauses – einer Heimat – durch Gemeinschaften, wie es seit jeher das Hauptmerkmal der Christen ist.

Kardinal Bagnasco liegen diese Themen sehr am Herzen: Als Vorsitzender der europäischen Bischöfe hat er es nicht ersäumt, das Thema immer wieder hervorzuheben, etwa auf den von ihm geleiteten Vollversammlungen in Minsk und Posen. Der italienische Prälat betont: Zeuge Jesus zu sein ist für Christen eine Notwendigkeit, und die Herausforderung der Evangelisierung ist unvermeidlich.

Europas DNA und Erbe

In seiner Rede in Florenz betonte Kardinal Bagnasco, dass Europa nicht nur ein Territorium ist, sondern eine Seele hat – "ein Erbe an Kultur, Idealen und Werten" – Produkt einer langen Geschichte und Entwicklung, hervorgehend unter anderem aus dem antiken Erbe Griechenlands und Roms.

Die "Sorge um die Seele" ist die Suche nach der Wahrheit, so Kardinal Bagnasco - es ist dies, was "den Kontinent geschaffen hat, eine Gesamtvision, in der das Besondere nicht nur der Raum ist, sondern auch dieses Kriterium für die eigene Selbstwahrnehmung". 

Wahrheit ist mehr als nur die Frage nach Fakten, unterstrich Bagnasco. Es gehe auch um "eine ehrliche Auseinandersetzung mit den großen Kategorien von Gut und Böse, von Gerecht und Ungerecht, von Würdig und Unwürdig".

Entwickelt habe sich das alles in einem Prozess, der schmerzhaft war: Die Geschichte Europas sei "geprägt von schweren Schatten, Konflikten und Gewalt, Dramen". Besonders im vergangenen 20. Jahrhundert habe man das Gesicht des Bösen gesehen. Doch dies mindere nicht das "humanistische Erbe", das Europa in seiner DNA habe, fuhr Bagnasco fort.

Wie aber sieht es heute aus? Kardinal Bagnasco hatte keine Angst zu sagen, dass "die Europäische Union in Not ist" – aber auch, dass "das unvereinigte Europa ein Drama wäre, und vielleicht das Ende des Kontinents".

Der Kardinal forderte in Florenz: Wir brauchen eine Identität, die "nicht Ausgrenzung bedeutet, sondern die Voraussetzung für einen fruchtbaren Dialog und eine willkommene Öffnung für gerechte Integration ist", während sich im Westen mehr als Identität ein  Individualismus entwickelt, der aus zwei Phänomenen entsteht: Säkularismus und Positivismus. Der Säkularismus gestalte ein Leben ohne Gott. Der Positivismus "glaubt, dass es nur das gibt, was die Vernunft messen kann", propagiere aber eine verkürzte und verarmte Vernunft. 

Ein solcher Individualismus schafft jedoch keine Gemeinschaft und keine Heimat, warnte der CCEE-Präsident: Er destabilisiert die Familien und die Gesellschaft, macht die Menschen einsam, stiftet Verzweiflung und Verlorenheit.

Die Aufgabe der Kirche, erklärte er, entfalte sich daher auf drei Wegen: Einmal im Zeugnis des suchenden Christen, der "mit heiliger Hartnäckigkeit" versuche, "Jesus treu zu sein, der eine neue Welt erleuchtet hat". Dann im Wort Jesu selbst: Christus "lädt uns ein, in der Welt zu sein, aber nicht von der Welt zu sein". Das sei eine schwierige, aber zentrale Herausforderung in einer relativistischen Zivilisation. Und drittens durch die Heimat in dem gemeinsamen Haus, das Christen als Menschen und in ihren Familien aufbauen, durch Zeugnis und Wort. 

"In den vielen menschlichen Wüsten müssen die christlichen Gemeinschaften Oasen der Güte sein, in denen jeder eintreten, sich ausruhen, seinen Durst stillen und die Reise fortsetzen kann".

Kardinal Bagnasco lud die Zuhörer ein, auf diesem Weg "im Glauben zu wachsen". 

Übersetzt und redigiert von AC Wimmer.

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