Die Schönheit der Ehe stellt Papst Franziskus in „Amoris laetitia“ neu vor. Insbesondere auch die sakramentale Dimension wird berücksichtigt und gewürdigt: „Das Sakrament der Ehe ist nicht eine gesellschaftliche Konvention, ein leerer Ritus oder das bloße äußere Zeichen einer Verpflichtung. … Die Ehe ist eine Berufung, insofern sie eine Antwort auf den besonderen Ruf ist, die eheliche Liebe als unvollkommenes Zeichen der Liebe zwischen Christus und der Kirche zu leben. Daher muss die Entscheidung, zu heiraten und eine Familie zu gründen, Frucht einer Prüfung der eigenen Berufung sein.“ Insbesondere hier wird sichtbar, dass stets zu kurz denkt, wer die Ehe weltlich begreift oder auch die feierliche Eheschließung vielleicht auf ein dekoratives Schauspiel reduziert, auf ein bloßes Stadium, das absolviert wird.

Das Sakrament der Ehe ist Begegnung mit Christus: „Die christliche Ehe ist ein Zeichen, das nicht nur darauf hinweist, wie sehr Christus seine Kirche in dem am Kreuz besiegelten Bund geliebt hat, sondern das diese Liebe in der Gemeinschaft der Gatten gegenwärtig werden lässt. Indem sie sich vereinen und ein Fleisch werden, bilden sie die Vermählung des Gottessohnes mit der menschlichen Natur ab.“ Wer das nicht anerkennt und dem nachzugehen versucht, der denkt von der Ehe nicht groß genug.

Durch das Ehesakrament wird die geschlechtliche Vereinigung geheiligt. Der Papst betont: „Der Wert der körperlichen Vereinigung kommt in den Worten des Ehekonsenses zum Ausdruck, durch die sie einander angenommen und sich einander hingegeben haben, um das ganze Leben miteinander zu teilen. Diese Worte verleihen der Sexualität eine Bedeutung und befreien sie von jeglicher Zweideutigkeit. Doch in Wirklichkeit wird das ganze gemeinsame Leben der Ehegatten, das ganze Netz der Beziehungen, die sie untereinander, mit ihren Kindern und mit der Welt knüpfen werden, geprägt und gestärkt sein durch die Gnade des Sakramentes, das aus dem Geheimnis der Inkarnation und aus dem Pascha-Mysterium entspringt, in dem Gott seine ganze Liebe zur Menschheit zum Ausdruck brachte und sich innig mit ihr vereinte. Niemals werden sie nur auf ihre eigenen Kräfte gestellt sein, um sich den Herausforderungen zu stellen, die ihnen begegnen. Sie sind aufgefordert, auf die Gabe Gottes mit ihrem Bemühen, ihrer Kreativität, ihrer Widerstandsfähigkeit und ihrem täglichen Ringen zu antworten; doch immer werden sie den Heiligen Geist anrufen können, der ihre Vereinigung geheiligt hat, damit die empfangene Gnade in jeder neuen Situation von neuem offenbar wird.“

Wenn wir diese Worte bedenken und meditieren, so mögen wir uns zunächst verwundern: wie weltlich wird doch auch heute schon im Raum der Kirche, ja in der Moraltheologie über Sexualität gedacht. Die Sphäre, die als sogenannte „Lebenswirklichkeit“ tituliert wird, hält sich für modern, realistisch und weitsichtig. Doch das Gegenteil ist der Fall, denn die Wirklichkeit Gottes wird ausgeblendet. Die geschlechtliche Vereinigung von Mann und Frau hat nur in der sakramental geschlossenen Ehe ihren Platz.

Franziskus schreibt: „Nach der lateinischen Tradition der Kirche sind der Mann und die Frau, die heiraten, die Spender des Sakraments der Ehe. Indem sie ihren Konsens erklären und ihn in der körperlichen Hingabe zum Ausdruck bringen, empfangen sie eine große Gabe. Ihr Konsens und die Vereinigung ihrer Körper sind die Mittel des göttlichen Handelns, das sie ein Fleisch werden lässt. In der Taufe wurde ihre Fähigkeit geheiligt, sich in der Ehe zu vereinigen als Diener des Herrn, um auf Gottes Ruf zu antworten.“

Der Papst steht gemeinsam mit den Synodenvätern zu, dass es auch „unvollkommene Situationen“ gebe – etwa die Lage, in der sich zivil geschiedene und wiederverheiratete Menschen befinden oder Paare, die unverheiratet zusammenleben. Papst Franziskus nimmt hier Worte der Synodenväter auf: „In der Perspektive der göttlichen Pädagogik wendet sich die Kirche liebevoll denen zu, die auf unvollkommene Weise an ihrem Leben teilhaben: Sie bittet gemeinsam mit ihnen um die Gnade der Umkehr, ermutigt sie, Gutes zu tun, liebevoll füreinander zu sorgen und sich in den Dienst für die Gemeinschaft, in der sie leben und arbeiten, zu stellen. […] Wenn eine Verbindung durch ein öffentliches Band offenkundig Stabilität erlangt – und von tiefer Zuneigung, Verantwortung gegenüber den Kindern, von der Fähigkeit, Prüfungen zu bestehen, geprägt ist –, kann dies als Chance gesehen werden, sie zum Ehesakrament zu begleiten, wo dies möglich ist.“ Auf die „Komplexität der verschiedenen Situationen“ gelte es zu achten, ohne dass die Lehre der Kirche verkürzt oder relativiert wird. Pastorale Behutsamkeit wird stets empfohlen. Es gelte, die „Art und Weise zu achten, in der die Menschen leben“, sensibel und zugewandt zu sein und die Menschen auf ihren nicht einfachen Wegen zu begleiten.

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