Heute feiert die katholische Kirche das Fest des heiligen Apostels Thomas, dessen Name sich aus dem aramäischen Wort für Zwilling ableitet, weswegen die Heilige Schrift ihn auch mit dem griechischen Zusatz "Didymos" – Zwilling bezeichnet. Wir wissen aber nicht, wer sein Zwillingsbruder gewesen ist.

Der 3. Juli war nicht immer sein Festtag, denn bis 1970 gedachte die katholische Kirche des heiligen Apostels Thomas am 21. Dezember. Erst bei der Neuordnung des Heiligenkalenders im Zuge der Liturgiereform durch Papst Paul VI. legte man das Fest des Heiligen auf den heutigen Tag, da an einem 3. Juli irgendwann im 3. Jahrhundert seine Gebeine von Indien nach Edessa übertragen wurden. Das ist schade, denn der Dezembertag passte wie vielleicht kein zweiter zum Charakter des Apostels, gehört doch zum Tag der Wintersonnenwende die längste Nacht des Jahres. Und befand sich nicht auch Thomas am längsten im Dunkel? Zweifelte er nicht am längsten an der Auferstehung des Herrn? Die alte Kirche hatte noch einen Sinn für solche Zusammenhänge und so wurde der 21. Dezember zum Thomastag, zum Tag des zweifelnden Zwillings.

Als der auferstandene Herr erstmals den Jüngern erschien, war Thomas nicht anwesend und er glaubte ihnen nicht, als sie ihm davon erzählten. Jesus auferstanden? Da könne ja jeder kommen! Erst wenn ihm Jesu erscheine und ihm seine Wunden zeige, könne er die Erzählung glauben. Was daraufhin geschah, berichtet der Evangelist Johannes im 20. Kapitel: "Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben." Damit nicht genug. Thomas fehlte auch bei der Beisetzung Mariens, wollte später aber den Leichnam noch einmal sehen. Als die Apostel das Grab noch einmal öffnen, finden sie es leer. So erfuhren sie durch Thomas von der Aufnahme Mariens in den Himmel.

Thomas ist der Empiriker unter den Heiligen. Immer muss er sich vergewissern. Er glaubt erst, wenn er mit eigenen Augen sieht – oder mit eigenen Ohren hört. Einen großen Auftritt hat er dann auch während der Abschiedsreden des Herrn im Johannesevangelium im 14. Kapitel, als Jesus den Jüngern sagt: "Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr." Thomas will es wieder genau wissen: "Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen", fragt er und provoziert damit eines der schönsten Herrenworte: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Da ist es vielleicht auch gar nicht abwegig, dass das älteste Evangelienapokryph dem Apostel zugeschrieben wird. Auf das Jahr 70 n. Chr. datiert, enthält das Thomasevangelium nichts anderes als eine Sammlung von Sprüchen Jesu Christi. Ist es so abwegig, sich den Empiriker Thomas dabei vorzustellen, wie er die Aussagen seines Meisters in Echtzeit in eine Wachstafel kratzt?

In gewisser Weise war der heilige Thomas auch der erste Konvertit. Erst nachdem er alles geprüft und hinterfragt hat, konvertiert er zum Auferstehungsglauben. Dann aber bedingungslos und mit ganzem Herzen. Nach der Überlieferung war wohl kaum ein Apostel so tatkräftig wie er. Man meint fast, dass er die Mahnung Jesu wettmachen wollte: Auch wenn ich zunächst nicht glauben konnte, ohne zu sehen, bin ich jetzt ganz Dein, mein Herr und mein Gott! Jedenfalls stürmt er förmlich los, um die frohe Botschaft zu verbreiten, missioniert den Irak und gelangte bis Indien, wo er bei Madras das Martyrium erlitt. Erfolgreich war der Zwilling obendrein, wovon die Thomaschristen in Indien bis heute ein beredtes Zeugnis ablegen.

In der Thomaskirche von Malaipur bei Madras sollen sich sogar noch einige zu Staub zerfallene Gebeine des Apostels befinden. Schon früh aber wurde der größere Teil der Thomasreliquien wieder nach Westen überführt – da stimmen fast alle Traditionen überein. Über Edessa – wir erinnern uns an den 3. Juli – kamen sie nach der Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer zunächst nach Griechenland und dann an die italienische Adriaküste, nach Ortona zu Füßen der Abruzzen. Die Vorsehung hätte keinen besseren Ort als letzte Ruhestätte für den zweifelnden Zwilling auswählen können. In der Krypta des Domes von Ortona hat er nunmehr seit Jahrhunderten beste Aussicht auf die Wunderkammer der Abruzzen, die für Zweifler zwei besondere Erlebnisse bereithält.

Nur wenige Kilometer bergauf befindet sich Lanciano, wo heute noch das erste – und vielleicht berühmteste – eucharistische Wunder der Christenheit aufbewahrt wird. Als im 8. Jh. ein Mönch während der Messe an der Realpräsenz Jesu Christi im allerheiligsten Altarsakrament zweifelte, verwandelten sich Hostie und Wein während des Hochgebets in seinen Händen zu Fleisch und Blut. Es ist alleine schon ein Wunder, dass nach 1300 Jahren beides noch erhalten ist und immer noch betrachtet werden kann. Nach eingehenden Untersuchungen haben Mediziner in den 1970er Jahren festgestellt, dass aus der noch erhaltenen Hostie ein menschlicher Herzmuskel herauswächst und die geronnen Kügelchen tatsächlich aus menschlichem Blut bestehen; übrigens in derselben Blutgruppe, die sich auch auf dem Turiner Grabtuch befindet.

Und etwas nördlicher befindet sich am Fuße des Majella-Gebirges Manoppello, wo in der Michaelskirche der Kapuziner das nicht von Menschenhand geschaffene Volto Santo aufbewahrt wird. Der hauchdünne, transparente Schleier ist eine wirkliche Prüfung für jeden Wissenschaftler, da er aus Muschelseide besteht, die nicht bemalt werden kann. Mehrere physikalische und mikroskopische Untersuchungen haben dann auch ergeben, dass sich tatsächlich keine Farbe auf dem Schleiergewebe befindet. Und doch trägt es auf beiden Seiten ein in allen Farben schimmerndes Porträt Jesu Christi. Bis heute ist es deswegen auch noch keinem Wissenschaftler gelungen, zu widerlegen, dass dieser Schleier im Herrengrab das Antlitz Christi bedeckte und wie ein göttliches Dia den Moment der Auferstehung festhält. Zudem ist er sehr wahrscheinlich mit der Veronica identisch, jener Hauptreliquie Roms, die nach dem Sacco di Roma 1527 aus dem Vatikan verschwand.

Es scheint also, als wolle der heilige Thomas von Ortona aus den Zweiflern einen Weg weisen zu den großen Wundern der Christenheit. In Lanciano und Manoppello können wir unser Thomaserlebnis haben und aus dem Zweifel zum Glauben kommen. Aber auch wenn wir uns gerade nicht in den Abruzzen befinden, dürfen und sollen wir in jenen dunklen Stunden den heiligen Thomas um Unterstützung bitten, um schließlich mit ihm ausrufen zu können: "Mein Herr und mein Gott". Heiliger Thomas bitte für uns.

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