Der erste Trappist: Abbé Armand Jean le Bouthillier de Rancé (Teil 1 von 2)

Detail aus dem einzigen Trappistenkloster Deutschlands, Mariawald
Foto: Pixabay (CC0)
Previous Next
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis
10 February, 2018 / 6:50 AM

In den vergangenen Wochen wurde in den Medien darüber berichtet, dass das einzige deutsche Trappistenkloster, die Abtei Mariawald in der Eifel, nach einer Entscheidung vatikanischer Behörden in diesem Jahr geschlossen werden soll.

Im Allgemeinen wird heutzutage wenig über die katholischen Orden wirklich gewusst. Eine bescheidene Kenntnis, was Orden sind, was deren Aufgaben sind und wie die Ordensleute leben ist unter Katholiken vielleicht noch vorhanden, doch vielfach wird, wie vielen anderen Bereichen auch, von Medien ein verzerrtes Bild der Wahrheit veröffentlicht, auch von den Orden.

Benedikt – Bernhard – de Rance

Der heilige Benedikt von Nursia (geboren 460) in Italien lebte im 6. Jahrhundert. Er gründete eine Mönchsgemeinschaft und schuf für sie eine Regel, die als Benediktinerregel oder „Regel des heiligen Benedikt“ berühmt wurde. Unzählige Klöster wurden gegründet und ihre Mönche lebten nach der ausgewogenen aber strengen Ordnung, die sich aus der Regel Benedikts ableitete. Im Laufe der Jahrhunderte verflachte der Eifer der Mönche und es bildeten sich Reformorden.

Der Mönchsorden der Zisterzienser war ein solcher Reformorden. Der heilige Bernhard trat mit 30 gleichgesinnten im Jahre 1112  in das nur wenige Jahre zuvor (1098) gegründete Kloster Cîteaux (Zisterze = Zisterzienser) in Burgund ein. Seine charismatische Persönlichkeit war fortan die große Führungsfigur einer neuen Mönchsgeneration. Klöster entstanden in Frankreich und Deutschland, ja in allen Ländern Europas, bis hinaus in die Peripherie der römischen Kirche in den östlichen Landen. Die Ordensdisziplin, die dem Orden zunächst ein blühendes Wachstum bescherte, erschlaffte in den folgenden Jahrhunderten.

Im 17. Jahrhundert schickte sich ein Mann aus dem französischen Adel an, den heruntergekommenen Orden der Zisterzienser zu reformieren. Armand Jean Le Bouthillier de Rancé  war zunächst, ganz Kind seiner Zeit, ein Lebemann, dem so mancherlei Karrieren  offen standen. Er wurde Priester, Domherr und Abt mehrerer Abteien, ohne davon auch nur eine einzige gesehen zu haben. Im Jahr 1657 starb seine Liebschaft und de Rancé  bekehrte sich. Drei Jahre später besuchte er erstmals seine „Kommendatarabtei“ La Trappe in der Normandie. Diese war völlig heruntergekommen. De Rance erkannte, was er zu tun habe. Er entließ die noch vorhandenen Mönche, die es sich gut eingerichtet hatten mit einer Rente, holte sich echte Mönche aus einem anderen Kloster und begann damit, das Kloster La Trappe wieder aufzubauen, sowohl die bauliche Substanz als auch die Innere Lebensordnung der Mönche.

Armand Jean le Bouthillier de Rancé

Während Benedikt und Bernhard von der Kirche heiliggesprochen wurden, blieb dies dem Abt von La Trappe versagt. Doch wer war der „Abbé Armand-Jean le Bouthillier de Rancé“, der Initiator einer Mönchstradition, welcher unter dem Namen „Trappisten“ in der Vergangenheit entweder höchsten Respekt abverlangte oder tiefste Verachtung entgegenschlug?

Wie wir sahen, ist der Orden der Trappisten ein Reformzweig der Zisterzienser, die wiederum aus dem benediktinischen Mönchtum hervorgegangen sind. Urheber und Begründer dieser Reform war der Abt des Klosters von La Trappe in der Normandie, Armand-Jean le Bouthillier de Rancé.

Das Leben de Rancés rief – ähnlich dem Lebensstil der Trappisten – sowohl Bewunderer als auch Kritiker hervor. Besondere Beachtung fand sein Leben nicht nur, weil er eine neue Gemeinschaft gründete. Vielmehr erregte de Rancé Aufsehen wegen seiner unerwarteten Bekehrung nach einer ausschweifenden Lebensweise, für die er lange Jahre durch sein äußerst hartes und asketisches Leben als Mönch Abbitte tat.

Armand-Jean le Bouthillier de Rancé wurde am 9. Januar 1626 geboren. Er entstammte dem französischen Hochadel. Sein Vater, Denis Bouthillier, war Privatsekretär der Königin Maria von Medici, und sein Taufpate war der berühmt-berüchtigte Kardinal Richelieu. Zunächst hatte die Familie für ihn eine kirchliche Laufbahn vorgesehen. Im Alter von elf Jahren erhielt er als Kommende eine Domherrenstelle in Notre-Dame in Paris sowie fünf Abteien als Kommendatarabtsstellen. Unter ihnen befand sich die Abtei La Trappe. – Ein Kommendatarabt war jemand, der die Pfründe, also das wirtschaftliche Einkommen eines Klosters, einzog, ohne aber die Leitungsgewalt und die Amtspflichten eines Regularabtes innezuhaben. Oft handelte es sich dabei um Laien oder Weltgeistliche (Laienabt oder Säkularabt), die von den jeweiligen Landesherren ernannt wurden. Die geistliche Leitung der Klostergemeinschaft freilich – eigentlich die originäre Aufgabe des Abtes – oblag dann dem Prior. Der Kommendatarabt residierte meist auch nicht im Kloster, sondern führte stattdessen einen höfischen Lebenswandel.

Nachdem die Mutter de Rancés, seine Schwester und 1650 auch sein Vater gestorben waren, nahm er Kontakt zu der 14 Jahre älteren Herzogin von Montbazon (Marie d’Avaugour de Bretagne, Duchesse de Montbazon, 1610-1657) auf, die ihn in die gehobene Gesellschaft einführte.

Bekehrung

1651 wurde er nach seinem Studium von seinem Onkel, dem Erzbischof von Tours, in Paris zum Priester geweiht. 1654 promovierte er an der Universität von Paris. De Rancé lebte am Hof des französischen Königs und genoss das Hofleben. 1657 wollte ihn sein erzbischöflicher Onkel zum Koadjutor mit dem Recht auf seine Nachfolge ernennen, was jedoch nicht zustande kam. Als dann noch die Herzogin von Montbazon am 28. April 1657 starb, waren seine Enttäuschung und sein Schmerz groß. Es kam zu einer Krise und einer Wende in seinem Leben. In den folgenden drei Jahren verteilte er sowohl sein Vermögen als auch seine Pfründe.

Im Jahre 1660 kam der Kommendatarabt von La Trappe in sein Kloster, um auch hier die notwendigen Maßnahmen zu treffen. Er traf die bauliche Substanz der Gebäude wie die innere Verfasstheit des Klosterlebens in einem desolaten Zustand an. De Rancé machte sich mit den Mönchen daran, die Gebäude zu sanieren. Jene Mönche aber, die nicht mit ihm wieder ein strenges Klosterleben führen wollten, entließ er und gab einem jeden von ihnen eine ansehnliche Pension mit auf den Weg. Statt ihrer rief er einige Mönche aus dem nahen Zisterzienserkloster Perseigne zu sich nach La Trappe. Die Mönche von Perseigne gehörten der Reformbewegung an, die in einigen Häusern innerhalb des Zisterzienserordens entstanden war. Mönche dieser Klöster nannte man auch Abstinenten, weil sich wesentliche Punkte ihrer Reformideen auf das regelmäßige Fasten und die körperliche Arbeit bezogen.

Mit diesen Mönchen arbeitete de Rancé weiter an der Wiedererrichtung der klösterlichen Gebäude. Wie seine Brüder wollte er nun endlich auch Mönch werden. Nachdem am 20. August 1662 in La Trappe das Chorgebet wieder aufgenommen worden war, entschied sich der Abbé de Rancé, der Abtei La Trappe, deren formaler Abt er seit seiner Kindheit war, nun als kanonischer Abt vorzustehen. Dazu begab er sich im Mai 1663 in das Kloster Perseigne, um dort das kanonische Noviziat abzuleisten. Er legte 1664 seine Mönchsprofess ab und empfing vom Bischof die Abtweihe.

Grundanliegen der Reformideen, die er von Perseigne übernahm, war die Wiederbelebung der ursprünglichen Strenge der Regel des heiligen Benedikt. Aus diesem Bemühen heraus entstand der Orden der Trappisten, der 1678 von Papst Innozenz XI. anerkannt wurde. Heute ist der offizielle Name dieser Ordensgemeinschaft „Orden der Zisterzienser von der strengen Observanz“ (OCSO).

Den zweiten und letzten Teil lesen Sie hier

Das könnte Sie auch interessieren:

Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln die Ansichten des Autors wider, nicht unbedingt die der Redaktion von CNA Deutsch.