Die Rede von Klaus Berger zur Verleihung des Augustin-Bea-Preises

Professor Klaus Berger
Foto: Paul Badde / EWTN.TV
08 December, 2019 / 7:25 AM

Am Abend des 6. Dezember wurde dem Neutestamentler Prof. Klaus Berger – wie von CNA Deutsch angekündigt – in Heidelberg der Augustin Bea-Preis der Stiftung Humanum (Lugano) vor einer grossen Festversammlung verliehen, bei der Abt Maximilian Heim OCist vom Stift Heiligenkreuz die Laudatio hielt.

CNA Deutsch dokumentiert die launige Dankesrede Klaus Bergers, wo er in wenigen Strichen die Vita des vielleicht unkonventionellsten Schriftgelehrten der letzten Jahrzehnte skizziert, der seinen bissigen Humor nie verlor und sich auch nie fürchtete, bisweilen ganz allein auf scheinbar verlorenem Posten auszuharren.

Hochwürdigster Herr Abt,

Liebe Kolleginnen und Kollegen, 

mit dem Nikolaustag in Heidelberg bin ich besonders verbunden, denn dieser ist nicht nur mein Namenstag, sondern war 22 Jahre lang Anlass für die Heidelberger Nikolausvorlesung, der meistbesuchten Veranstaltung jedes Studienjahres. Es ging da um die Querverbindungen von Theologie und Humor – z. B. über das Ostergelächter und über Themen wie Nikolaus und Weihnachtsmann, Nikolaus und Karl Barth.

Das Plakat war auf Lateinisch, was nur wenige verstehen konnten, weshalb nur 2.000 Hörer und natürlich kein Professor der Theologie auf das definitive Erscheinen des hl. Nikolaus nach Schluss der Rede warteten. Welche Tendenz die Rede hatte, konnte man an der Einleitung erkennen: Statt hochverehrter Herr Rektor, liebe Kommilitonen hieß es umgedreht: Liebe Kinder! Liebes Rectum! 

Dies hier heute ist keine Nikolausvorlesung. Mein lieber Herr Abt ist zwar Mithrophore, aber er verteilt keine Nüsse, und er ist mit dem Auto gekommen, sein Begleiter ist kein Knecht Ruprecht. Im Übrigen hätte ich mir zeitlebens nicht vorstellen können, dass der Präses der österreichischen Zisterzienser dereinst für mich durch halb Europa reisen könnte, noch dazu der Abt des Klosters Heiligenkreuz, das in diesen Jahrzehnten das Wunder von Heiligenkreuz darstellt. Ein Kloster mit 110 Mönchen übervoll besetzt, mit zwei Nebenklöstern und einer eigenen übervollen Hochschule. Diese Überfülle ist ein wahres Wunder, und ich bin mächtig stolz darauf, seit vielen Jahren Familiare dieses Klosters sein zu dürfen, verbunden durch das gleichzeitige Beten der lateinischen Liturgie des Stundengebets. Da schon mein Großvater im Kapitelsaal eines Zisterzienserklosters geboren wurde (in Chorin), habe ich allen Mitbrüdern und lebenden Äbten so unauslöschlich eine uneinholbar zisterziensische Qualität voraus, und die Gräber meiner Urgroßeltern liegen bis heute auf Platz 1 des Klosterfriedhofs.

Da wir gerade beim Loben und Danken sind: Ich stehe (obwohl fast 2 Meter groß) auf den Schultern exzellenter Lehrer. Mein Grundschullehrer Hans Hahnemann war ein bedeutender Historiker (und mein Mitschüler Matthias Kollar, mit dem zusammen ich am 01.04.1947 bei Herrn Hahnemann eingeschult wurde, steht noch immer – also nach 72 Jahren – mit mir in Verbindung und ist heute mit Frau gekommen). Und wenn Hans Hahnemann uns von den Goslarer 22 kaiserlichen Reichstagen erzählte, glitt mein Blick leicht aus dem Fenster auf die Kaiserpfalz und die Reste des Domes, als der Erinnerung, der mein Apokalypsekommentar gewidmet ist.

Mein Pfarrer und Vorbild auf dem Weg des Theologiestudiums war Joseph Winter, der im Übrigen schon damals in Goslar eine Soziale Akademie gegründet hat und der die niedersächsische CDU vor einer frühen Sozialdemokratisierung bewahrt hat.

Aus dem Studium in Fulda ist mir noch die exzellente Rede meines Mitstudenten Josef Nolte in Erinnerung, der vorhin als Professor Nolte eine starke Rede gehalten hat.

An der Universität in München genoss ich den Historiker Alois Dempf, der den Klassiker "Sacrum Imperium" gegen die Nazis geschrieben hatte und bei dem ich meine erste Seminararbeit schrieb über das Wort des heiligen Bernhard von Clairvaux: "Wenn ihr keine Sehnsucht habt, könnte ihr nicht vollkommen lieben". In München genoss ich auch den Lehrer Benedikts XVI, Gottlieb Söhngen, der so etwas eine Fakultät für sich war, wie man sagte.

Da wir über Nachtseiten nicht reden wollen, ist der Rest schnell erzählt: Ich wurde an die Universität Leiden berufen und habe dort Herrn Vissert Hoft, einen der einmal Preisträger dieses Augustin Bea-Preises war, mit promoviert. Er wurde dann Präsident des Weltrats der Kirchen. Fazit: Nicht nur Katholiken bekommen diesen Preis, sondern auch frühe Bergerschüler aus Holland, wenn man Vissert Hoft so nennen darf.

Dann darf ich auch den Heidelberger Professorenkollegen danken, die es fertigbrachten, wider alle Regeln, mich an der Universität Heidelberg zu halten, zunächst freilich als Sozialfall. Die zahlreichen Doktoranden (über 60) waren für mich Kollegen auf Augenhöhe, und das Schönste war immer das gemeinsame Diskutieren und Grübeln über einem neuen Text, wenn wir nebeneinander an meinem Schreibtisch saßen. Das schönste Berufliche in Heidelberg.

Meiner Frau, Christiane Nord, Übersetzungswissenschaftlerin, die zwei Doktortitel mehr als ich mit sich herumschleppt, hat in ungezählten philologischen und technischen Fragen mir gut und gerne geholfen. Ihr ist auch mein Buch über "Ehe und Himmelreich" gewidmet, was schon einiges sagt. vor allem hat sie die Übersetzung des Neuen Testaments im Inselverlag mit mir zusammen erstellt. In leidenschaftlicher Friedfertigkeit.

Bleiben noch drei Punkte zu erwähnen: Die Dominikaner, Tochter Kathrin Berger und das Pastoralkolleg Templin. Das Letztere war eine vor Jahren schon von Bischof Huber wegen Berger untersagte Fortbildungsstätte für evangelische Pfarrer in der Brandenburgischen Kirche seit 1994, also seit 35 Jahren, DDR-Schlußphase inbegriffen, wo ich auch intensiv und eng mit Pfarrer Horst Kasner, dem Vater der Bundeskanzlerin Angela Merkel, zusammenarbeitete.

Die Dominikaner sind nach den Zisterziensern mein zweitliebster Orden, bekannt seit früher Jugend. Meine Großeltern luden immer wieder Prior und Subprior aus Walberberg bei Köln zu sich ein. In bewusster Abweichung vom Comment wurde dann mein Großvater "Abt" und meine Großmutter "Äbtissin" für einen Abend genannt. Man redete über Latein und die CDU.

Pater Wolfgang Spindler OP hat eine glänzende Einleitung zu einem meiner Bücher geschrieben und dafür natürlich auch Prügel aus der Szene bezogen. Ein einschneidendes Dominikaner-Erlebnis war für mich 1959 ein Hochamt bei den Dominikanern in San Clemente in Rom sowie ein Spaziergang mit Pater Mannes Dominikus Koster 1960. Erst später treten real existierende Zisterzienser in meiner Vita auf. Dazu gehört auch Frater Johannes, ein restlicher Vertreter des letzten deutschen Trappistenklosters Mariawald in der Eifel, dem ich seit Beginn der 1990er Jahre mit Leidenschaft als Biblischer Lehrer verbunden war.

Tochter Kathrin ist Juristin in Saarbrücken (u. a. für Urheberrechte; als solche fortgesetzter Schrecken der Verlage, besonders beim anfänglichen Verhandeln), bekannt als Juristin im Saarländischen TV. Ihr Spitzname "Katze" deutet darauf, dass sie zu unterschätzen gefährlich sein kann. Heute spielte sie, die einst mit Blockflöte begann, uns etwas sehr Schönes vor.

Ein Steckbrief über das, was ich liebe:

  • Goslar (ab 920),
  • Glockeninschriften 1000-1500,
  • Gregorianische und lateinische Liturgien, inklusive mozarabischer,
  • die 1.000jährige Marienkapelle im Clusfelsen vor Goslar,
  • Theater mit Handpuppen,
  • die Prostratio zu Anfang der Karfreitagsliturgie,
  • Apokryphe Apokalypsen in welcher Sprache auch immer,
  • Wilhelm von St. Thiery und
  • Nicolaus Cusanus.

Korrektur um 17:36 Uhr – im Manuskript war irrtümlich Pater Wolfgang Ockenfels statt Pater Wolfgan Spindler genannt. Wir haben den Fehler korrigiert.

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