Die Stimme der einfach gläubigen Katholiken

Warum wir Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer dankbar sein dürfen

Eine betende Pilgerin bei der Generalaudienz am 28. Oktober 2016 auf dem Petersplatz.
Foto: CNA/Petrik Bohumil
25 September, 2020 / 4:13 PM

Den programmatischen Aufsatz, den die Theologen Bernhard Edmunds, Julia Knop, Martin Sellmann und Thomas Söding am vergangenen Wochenende in der "Frankfurter Rundschau" veröffentlicht haben, hat Dorothee Schmitt in ihrem profunden Beitrag markant, profiliert und nachvollziehbar widersprochen. Als ich den Text las, erkannte ich vor allem kirchenpolitische Konfliktlinien.

Die Theologen sprechen von Hoffnung, vom Licht des Glaubens und vom "Systemversagen" der Kirche. Schon hier stutzen ganz normale Katholiken, die sich im Leben und Sterben in der Kirche beheimatet wissen. Ermahnt wird die Kirche, ihre "Hausaufgaben" zu erledigen, um in einer "rechtsstaatlich verfassten Gesellschaft" wieder "sprachfähig" zu werden, damit die "christliche Rede von Gott" wieder als "relevant" erschlossen werden könnte: "Wer sich den notwendigen Überprüfungsprozessen entzieht, verbaut der Gesellschaft den Zugang zum Glauben. Um diese Reflexionen voranzubringen, sind Theologinnen und Theologen in die Synodalversammlung gewählt worden, die sich kirchlich engagieren." Gewählt von wem? Die fachwissenschaftliche Expertise ist notwendig, aber dass Lehrpersonen die Wirklichkeit der Kirche notwendig von innen her verstehen oder dazu berufen sind, ein neues, zeitgeistlich dekoriertes Modell der Institution zu entwerfen, das ist mir nicht einsichtig. Ich hege große Sympathien für die moraltheologischen Ansätze von Katharina Westerhorstmann – aus dem einfachen Grund, weil sie das, was heute als "Lebenswirklichkeit" apostrophiert wird, im Licht des Evangeliums und der Lehre der Kirche deutet. Hätte ich als einfach gläubiger Christ Frau Westerhorstmann wählen können, sie hätte meine Stimme sicher bekommen.

Kardinal Rainer Maria Woelki und Bischof Rudolf Voderholzer werden in dem Beitrag als "theologisch einfallslos" bezeichnet. Ihnen würde nichts anderes einfallen, als das, was die Kirche lehrt – ein erstaunlicher Vorwurf übrigens. Neben einigen weiteren Bemerkungen, die Dorothee Schmidt souverän abweist, wird dann formuliert, dass das Lehramt der Bischöfe zwar wichtig sei, aber nicht spalten solle. Seit wann spaltet das kirchliche Lehramt? Bemerkenswert ist auch der Satz: "Theologie ist nicht religiöse Ideologie, sondern schützt vor ihr." Viele Theologen verstehen sich als Vordenker und Aufklärer, so scheint es. Das Selbstverständnis sei ihnen zugestanden. Die fachwissenschaftliche Arbeit lebt nicht von der subjektiven Inspiration, nicht von der Übernahme von einzelnen wissenschaftlichen Positionen anderer Fächer, die auch kein absolutes Wissen garantieren – wie die Soziologie, zum Beispiel. Wer konzilsgemäß argumentieren möchte, denke an die Konstitution "Dei verbum", Abschnitt 24: "Die heilige Theologie ruht auf dem geschriebenen Wort Gottes, zusammen mit der Heiligen Überlieferung, wie auf einem bleibenden Fundament. In ihm gewinnt sie sichere Kraft und verjüngt sich ständig, wenn sie alle im Geheimnis Christi beschlossene Wahrheit im Lichte des Glaubens durchforscht. Die Heiligen Schriften enthalten das Wort Gottes und, weil inspiriert, sind sie wahrhaft Wort Gottes: Deshalb sei das Studium des heiligen Buches gleichsam die Seele der heiligen Theologie."

Wer ganz normale Katholiken in Deutschland fragt, hört viele Worte der Dankbarkeit und des Zuspruchs für die Wortmeldungen von Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer. Frau Westerhorstmann also hätte ich gewählt, nicht weniger den Erzbischof von Köln und den Bischof von Regensburg. Den Grund dafür hat Papst Benedikt XVI. am 6. Januar 2013 in seiner Predigt benannt, als er über die Aufgaben des Bischofs heute sprach: "Wer den Glauben der Kirche lebt und verkündet, steht in vielen Punkten quer zu den herrschenden Meinungen gerade auch in unserer Zeit. Der heute weithin bestimmende Agnostizismus hat seine Dogmen und ist höchst intolerant gegenüber all dem, was ihn und seine Maßstäbe in Frage stellt. Deshalb ist der Mut zum Widerspruch gegen die herrschenden Orientierungen für einen Bischof heute besonders vordringlich. Er muß tapfer sein. Und Tapferkeit besteht nicht im Dreinschlagen, in der Aggressivität, sondern im Sich-schlagen-Lassen und im Standhalten gegenüber den Maßstäben der herrschenden Meinungen. Der Mut des Stehenbleibens bei der Wahrheit ist unausweichlich von denen gefordert, die der Herr wie Schafe unter die Wölfe schickt." Wer so handelt, der vertritt glaubwürdig die einfach gläubigen Katholiken in der Welt von heute – auch in Deutschland.

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