Ruhe finden in Dir

Gebet (Illustration)
Foto: Ümit Bulut / Unsplash (CC0)
26 July, 2020 / 5:03 PM

Peter Dyckhoff schreibt in seiner Einführung zu seinem Gebetbuch "Ruhe finden in dir", dass  die darin enthaltenen Gebete seinen eigenen Weg nachzeichnen würden, den er selbst gegangen sei bzw. auf dem er geführt wurde. Muss es verwundern, dass ausgerechnet dieser Autor, der in seinen Büchern doch das Innere Gebet, das Ruhegebet empfiehlt und lehrt, ein Buch mit vorformulierten Gebeten schreibt?

"Was sagst du Herr, zu meinem Schweigen, das aus Sprachlosigkeit und Staunen entsteht?" 

Andererseits scheint es gerade heutzutage unzählige Christen zu geben, die weder das Ruhegebet kennen oder üben, noch in der Lage sind, ein eigenes Gebet zu formulieren und zu sprechen. Gebetbücher gab und gibt es in der katholischen Kirche zuhauf. Was also bewog den Priester Peter Dyckhoff, ein eigenes Gebetbuch hinzu zu fügen? 

Dies zu erkennen bedarf eines Blickes in das Inhaltsverzeichnis. In vier Teile hat Dyckhoff sein Buch unterteilt: Sehnsucht und Suche - Weg und Begegnung - Mein Leben erhält Sinn - Eins werden mit dir.

Der Autor will dem Leser und Beter zeigen, dass er vor allem Geduld haben muss. Er spricht im Gebet: "Was sagst du Herr, zu meinem Schweigen, das aus Sprachlosigkeit und Staunen entsteht?"

Doch der Herr bleibt selbst schweigend und still, "ohne ein Wort". Der Beter kann es nicht fassen, wenn er dennoch im Glauben bekennen kann: "Du bist immer zugegen". Und er erkennt:

"Zuerst muss ich bei mir selber aufräumen, mich von dem trennen, was ich nicht bin."

Der Weg des Gebetes ist nur möglich, wenn der Beter sich selbst erkennt: seine Sehnsucht und Unvollkommenheit, seine Fehler und Sünden – und trotzdem auf der Spur Gottes bleibt.

Darauf aufbauend wird der Weg der Suche auch ein Weg der Begegnung. Der Beter ruft Gott zu: "Befreie mich", "Heile mich", "Gib mir Kraft, Mut", denn ich will dein Kreuz bejahen. Nun wird die Gewissheit des Beters, nicht ins Leere zu reden, auch nicht ins Leere zu schweigen, erhört:

"Einige deiner Worte habe ich begriffen und sie sind tief in mein Herz gefallen."

Das Leben des Beters erhält Sinn.  Mit dieser Erkenntnis möchte er jetzt sein armseliges und doch so reiches Leben "tiefer und dauerhaft in Gott verankern". So ist sein Leben ganz in die Christusnachfolge eingestiegen, er ist auf dem Weg hin zur Nähe und zur Liebe. 

Diese Ebene des Gebetslebens ist nicht leicht zu beschreiben und schon gar nicht, sie dauerhaft einzunehmen. Alle bisher gegangenen Schritte werden in der christlichen Mystik als "Reinigung", "Erleuchtung" und "Vereinigung" bezeichnet. Menschlich gesehen ist die "Vereinigung" der Empfang der heiligen Kommunion, "das Sakrament der Liebe Gottes", der Höhepunkt dieses Weges.

Dieser Weg ist nicht so linear, wie er von Dyckhoff gezeichnet wird. Es ist ein ständiges Mühen und Anfangen notwendig. Der Autor hat sich sehr bemüht, die Leser und Beter seines Gebetbuches an das Ziel zu führen, denn er will jeden abholen "wo er steht und lernt, sich Gott gegenüber vertrauensvoll zu öffnen" um die wahre Liebe zu empfangen.

"Herr, gib allen Gnade, die deiner Gnade bedürfen. Mach uns feinfühlig, sodass wir deinen Willen und die wahre Größe deiner Gnade erkennen, damit wir zum ewigen Leben gelangen. Amen."

Peter Dyckhoff, "Ruhe finden in dir. Gebete" hat 366 Seiten und 35 Zeichnungen von Rembrandt. Es ist im Fe-Medienverlag erschienen.

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