Warum die Kirche sich nicht abschaffen kann

Der segnende Christus: Gemälde von Fernando Gallego (circa 1440)
Foto: Museo del Prado / Wikimedia (CC0)
17 November, 2020 / 8:18 AM

Marc Frings, der neue Generalsekretär des ZdK, erläutert sein Verständnis des "Synodalen Weges" in dem Blog "kreuz und quer". Wer mag, kann das nachlesen und sich Gedanken dazu machen. Er resümiert seine Überlegungen wie folgt: "Für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken geht es um einen sehr hohen Einsatz. Aber den höchsten Einsatz hat die Kirche selber eingezahlt: ohne ein Überwinden des Klerikalismus, eines überkommenen Verständnisses von Zugängen zum Weiheamt, des Ausschlusses von Frauen, ohne deren – oftmals ehrenamtlichen – Engagement kirchliches Leben in Deutschland nicht funktionieren würde, und eine Synchronisierung mit dem heutigen Verständnis von Liebe, Beziehung und Sexualität zwischen Menschen, wird es die Kirche als Institution schwer haben. Sie würde sich selbst abschaffen."

Wer die Kirche als eine weltliche Institution versteht, wird vielleicht zustimmend nicken. Wer die bleibend gültige Lehre der Kirche mit kritischen Fragezeichen versieht, wird sich verstanden wissen. An kritischen Zeitdiagnosen mangelt es nicht. Zugegeben, ich blieb katholisch gelassen, als ich diese Ausführungen las. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, ob die Kirche sich abschaffen kann? Parteien kommen und gehen. Aber die Kirche ist keine Partei, auch wenn es in ihr viele Funktionäre gibt. Säkulare Institutionen sind und müssen nicht für die Ewigkeit eingerichtet sein. Doch die Kirche ist nicht ein Büro für Weltanschauungsfragen, geschmeidige Nettigkeitsoffensiven und wohldosierten Lebenssinn. Sicher fehlt es der Kirche heute nicht an Gremien, aber manchem, der sich ihr zugehörig weiß, möglichweise an Glauben. Ich bin mir sicher, dass die Erneuerung der Kirche – und damit jedes Einzelnen von uns – in Christus unverzichtbar ist. Niemand ist davon ausgenommen.

Kann die Kirche sich selbst abschaffen? Spaltungen, Häresien und Apostasien sind möglich. Doch ich vertraue dem Evangelium. Für die Kirche gilt, was der Herr im Gebiet von Cäsarea Philippi zu Simon Barjona, genannt Petrus, gesagt hat: "Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwinden."  (Mt 16,18) Einzelne oder viele Menschen können der Kirche untreu werden – ganz gleich, ob sie ein kirchliches Amt bekleiden oder nicht, ob sie eine Professur für Theologie innehaben oder nicht –, aber abschaffen können sie alle die Kirche nicht. Die Zusage des Herrn gilt. Wenn wir uns darauf nicht verlassen könnten, so wären wir verlassen. Im Licht des Evangeliums gilt es, die Zeichen der Zeit zu deuten. Weil die Kirche auf Christus gegründet ist, sagte der heilige Johannes Paul II. in der Predigt zur Amtseinführung am 22. Oktober 1978: "Unsere Zeit lädt uns dazu ein, drängt und verpflichtet uns, auf den Herrn zu schauen und uns in eine demütige und ehrfürchtige Betrachtung des Geheimnisses der höchsten Gewalt Jesu Christi selbst zu vertiefen. … Habt keine Angst, Christus aufzunehmen und seine Herrschergewalt anzuerkennen! Helft dem Papst und allen, die Christus und mit der Herrschaft Christi dem Menschen und der ganzen Menschheit dienen wollen! Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!"

Ich sehe den furchtlosen Johannes Paul II., der Diener der Diener Christi sein wollte, zu Beginn seines Pontifikats noch vor mir, wie ich – ein kleiner Junge noch – den Papst im Fernsehen sah, staunend anschaute und bewunderte. Was lehrt uns der große Heilige heute? Wer Christus und Seiner Kirche treu bleibt, im Leben und im Sterben, macht alles richtig.

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