Heute vor 42 Jahren: "Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!"

Die Ansprache von Johannes Paul II. zum Beginn seines Pontifikats am 22. Oktober 1978

Papst St. Johannes Paul II. auf dem Petersplatz: Die Aufnahme entstand um das Jahr 1978.
Foto: LOR / Vatican Media / Archiv

Heute vor 42 Jahren hielt er seine erste Ansprache als Papst – und seine Worte sind unvergessen: Der Aufruf, keine Angst zu haben, die Tore weit für Christus zu öffnen, ja, aufzureißen, elektrisierte am 22. Oktober 1978 Katholiken auf dem überfüllten Petersplatz und in aller Welt.

Der ehemalige Kardinal Karol Wojtyla hielt die erste Ansprache seines 26-jährigen Pontifikats wenige Tage nach seiner Wahl am 16. Oktober. Und er begann mit den Worten, die der erst Papst – Simon Petrus – an Jesus Christus richtete: "Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes" (Mt 16,16).

"Damit, beginnend mit diesem Glaubensbekenntnis, sollte die Geschichte unserer Erlösung und die des Gottesvolkes eine neue Dimension erhalten: die Entfaltung der historischen Dimension der Kirche. Die ekklesiologische Dimension in der Geschichte des Gottesvolkes hat in diesem Glaubensbekenntnis ihren Ursprung und Anfang und ist mit jenem Menschen verknüpft, der gesagt hat: »Du bist Petrus — der Fels, der Stein —, und darauf, wie auf einem Felsen, werde ich meine Kirche bauen.«"

Aber auf diese Worte kommt es für die ganze Kirche an, bekräftigt dieser Papst des 20. Jahrhunderts nach Christi Geburt aufs Neue an diesem Sonntag des Jahres 1978.

"Der Unendliche, der Unergründliche, der Unfaßbare ist uns in Jesus Christus nahe gekommen, in seinem eingeborenen Sohn, geboren von der Jungfrau Maria im Stall von Betlehem. 

– Ihr alle, die ihr schon das unschätzbare Glück des Glaubens habt, 

– ihr alle, die ihr Gott noch sucht, 

– und auch ihr, die ihr von Zweifeln geplagt seid: 

nehmt noch einmal — heute und an dieser Stelle — jene Worte in euch auf, die Petrus ausgerufen hat. Diese Worte enthalten den Glauben der Kirche. In ihnen ist die neue Wahrheit, ja sogar die letzte und endgültige Wahrheit vom Menschen enthalten: Sohn des lebendigen Gottes. »Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!«"

So trat dieser Nachfolger Petri seinen Dienst im Amt an, mit den Worten: "Petrus ist nach Rom gekommen! Nur der Gehorsam gegenüber dem Auftrag des Herrn hat seine Schritte geführt und ihn bis zu dieser Stadt gelangen lassen, dem Herzen des Römischen Reiches. Vielleicht wäre er lieber dort geblieben, an den Ufern des Sees von Gennesaret, bei seinem Boot mit den Fischernetzen. Aber unter der Führung des Herrn und seinem Auftrag getreu ist er hierhergekommen!"

"Die Kathedra des Petrus hier in Rom besteigt heute ein Bischof, der kein Römer ist, ein Bischof, der aus Polen stammt. Aber von jetzt an wird auch er zum Römer. Ja, Römer! Auch schon deshalb, weil er Sohn eines Volkes ist, dessen Geschichte von Anfang an und in tausendjähriger Tradition geprägt ist von einer lebendigen, starken, ununterbrochenen, bewußten und gewünschten Bindung an den Sitz des hl. Petrus, eines Volkes, das dieser römischen Kathedra immer treu geblieben ist. Oh, wie unerforschlich ist der Plan der göttlichen Vorsehung!"

Das Zweite Vatikanische Konzil habe das Geheimnis dieser Herrschergewalt wiederum in Erinnerung gebracht – sagte Johannes Paul II. – "und auch die Tatsache, daß die Sendung Christi als Priester, prophetischer Lehrer und König in der Kirche fortdauert. Alle, das ganze Volk Gottes, haben Anteil an dieser dreifachen Sendung".

"Brüder und Schwestern! Habt keine Angst, Christus aufzunehmen und seine Herrschergewalt anzuerkennen!

Helft dem Papst und allen, die Christus und mit der Herrschaft Christi dem Menschen und der ganzen Menschheit dienen wollen!

Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!

Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Bereiche der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts seiner rettenden Macht! Habt keine Angst! Christus weiß, »was im Innern des Menschen ist«. Er allein weiß es!

Heute weiß der Mensch oft nicht, was er in seinem Innern, in der Tiefe seiner Seele, seines Herzens trägt. Er ist deshalb oft im Ungewissen über den Sinn seines Lebens auf dieser Erde. Er ist vom Zweifel befallen, der dann in Verzweiflung umschlägt. Erlaubt also — ich bitte euch und flehe euch in Demut und Vertrauen an —, erlaubt Christus, zum Menschen zu sprechen! Nur er hat Worte des Lebens!" 

Obwohl er auf Italienisch gesprochen hatte, grüsste der sprachbegabte Johannes Paul II. die zahllosen Pilger auch auf Französisch, Englisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch, Tschechoslowakisch, Russisch, Ukrainisch und Litauisch – und bat sie alle um ihr Gebet.

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