Warum Katholiken für Bischofsworte dankbar sind

Bischof Stefan Oster
Foto: Bistum Passau / Wikimeda (CC BY-SA 3.0 de)
26 April, 2021 / 8:00 AM

Der Passauer Bischof Dr. Stefan Oster hat die von Frau Professorin Rahner öffentlich kommunizierte und nicht dementierte Äußerung des Rassismus-Vorwurfs energisch wie substanziell kritisiert. Das Statement wurde von der Tübinger Dogmatikerin mittlerweile präzisiert: „Ich habe nicht diejenigen, die sich gegen Frauenordination aussprechen – aus welchen Gründen auch immer – als Rassisten bezeichnet. Da würde ich mich also explizit dagegen wehren. Würde aber einen Vorwurf aufrechterhalten: Wer Diskriminierung in der katholischen Kirche ignoriert, sie gar als nicht existent bezeichnet oder sie gar durch eine theologische Denkform überhöht und als solche dann doch wieder legitimiert, der kann sich durchaus den Rassismusvorwurf einhandeln, und zwar zu recht.“ Die ehemalige Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan hat nun ihre Unterstützung gegenüber Professorin Rahner kundgetan und – in aller Öffentlichkeit, nämlich im „Deutschlandfunk“ – Bischof Oster für seine öffentliche Antwort kritisiert und dazu aufgerufen, diskrete Kommunikationswege zu wählen: „Johanna Rahner ist eine Theologieprofessorin und nicht Mitglied des diplomatischen Dienstes. Sie ist Theologieprofessorin übrigens an einer der weltweit besten Fakultäten, die es gibt, wie gerade wieder festgestellt worden ist. Sie muss auch klare Worte sagen können. Es gehört zur Qualität einer Institution, wie gestritten wird. Wenn sich also der Bischof aufregt, hätte er Johanna Rahner anrufen und hätte sagen können: »Ich möchte mit Ihnen diskutieren. Ich will Ihnen sagen, was mich aufregt. Ich will Ihnen sagen, wo wir eine gemeinsame Schnittmenge haben oder wie auch immer.«“ Den öffentlich geäußerten Rat von Frau Dr. Schavan wird Bischof Dr. Oster sicher vernommen haben. 

Was ist eigentlich Rassismus? Die Schweizer Informationsplattform „humanrights“ informiert darüber: „Rassistisch sind Ideologien, welche die Menschheit in eine Anzahl von biologischen Rassen mit genetisch vererbbaren Eigenschaften einteilen und die so verstandenen «Rassen» hierarchisch einstufen. Das klassische Konzept war vorherrschend in der Epoche des europäischen Kolonialismus und Imperialismus bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese pseudo-biologische Ideologie diente der Rechtfertigung des Kolonialismus, der Sklaverei, der Verbrechen der Nazis oder von Apartheidregimes.“ Der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags verweist zudem auf eine Definition des französischen Soziologen Albert Memmi: „Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Vorteil des Anklägers und zum Nachteil seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.“ (Memmi: Rassismus, Frankfurt 1987, 103) Ich halte den Diskurs über Diskriminierung in Kirche und Gesellschaft für wichtig. Aber welchen positiven Nutzen hat es, einen Diskriminierungsverdacht zu hegen und die subjektiv vermutete Diskriminierung unter einen allgemein formulierten Rassismus-Verdacht zu stellen? Frau Dr. Schavan hält solche Provokationen für sinnvoll und zielführend. Zugleich stellt sie fest: „Wir wissen doch alle, die Kirche als Ganzes muss sich weiterentwickeln. Das betrifft auch die Verbindung von Weihe und Leitungsamt. … Wenn ich nun höre, dass so argumentiert wird, wie das der Bischof von Passau getan hat, dass von Abhängigkeiten gesprochen wird, dass davon gesprochen wird, dass es darum geht, die katholische Lehre zu erhalten, ja, wenn das der Sinn des Ganzen ist, da braucht es keinen Kompromiss. Wenn das der Sinn des Ganzen ist, wird es allerdings auch keine Aufarbeitung des Missbrauchs geben.“ Wenn ich das richtig deute, verknüpft Frau Dr. Schavan die Veränderung oder Weiterentwicklung der katholischen Lehre mit der „Aufarbeitung des Missbrauchs“ – nur was hat das eine mit dem anderen zu tun? Verstehen Sie, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, welcher Zusammenhang hergestellt werden soll?

Bei Nebelbildungen helfen noch immer Bischofsworte. In der Predigt zum diözesanen Wolfgangfest am 31. Oktober 2018 sagte Bischof Dr. Voderholzer über die damals gerade publizierte MHG-Studie, die „nicht sakrosankt“ sei: „Insbesondere wird die Schlussfolgerung kritisch gesehen, dass angeblich die zölibatäre Lebensform der Priester und die Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität mitursächlich für den sexuellen Miss- brauch seien. In der Tat hat man ja den Eindruck, nicht wenigen Interessierten komme diese Schlussfolgerung gerade recht, um lange ersehnte kirchenpolitische Ziele zu verfolgen. Und so ist denn auch kaum mehr von den Opfern und einer Verbesserung der Prävention die Rede, sondern von grundstürzenden Veränderungen in der Kirche und der Gestalt des geistlichen Dienstamtes. Ich halte das, liebe Schwestern und Brüder, für einen Missbrauch des Missbrauchs, insbesondere für einen Missbrauch der Opfer des Missbrauchs.“ Ganz grundsätzlich gesagt: Ich bin dankbar für klar katholische Stellungnahmen von Bischöfen wie Stefan Oster und Rudolf Voderholzer. Und ich bin auch ganz eindeutig für die Einheit mit Rom. Wo der Papst ist, dort ist die Kirche. Das wusste schon der Kirchenvater Ambrosius – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Die unverbrüchliche Treue zu Rom könnte heute von einigen Katholiken in Deutschland schon als Provokation aufgefasst werden. 

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