Redaktion, 23 Januar, 2026 / 1:00 PM
Im Rahmen des internationalen Bischofstreffens im Heiligen Land hat der Paderborner Erzbischof Udo Bentz die Bedrohung der palästinensischen Bevölkerung durch radikale israelische Siedler verurteilt. Dabei gelte: „Der Krieg scheint vorbei, der Konflikt sicherlich noch lange nicht.“ Das Treffen beschäftigte sich mit Friedensperspektiven in der Region, nachdem rund zwei Jahre Krieg zwischen Palästina und dem Staat Israel herrschte und die Lage nach dem Waffenstillstand weiter prekär ist.
Die Bischöfe, die aus Europa, aber auch aus Nordamerika kamen, besuchten das christliche Dorf Taybeh im Westjordanland, das immer wieder von israelischen Siedlern bedrängt wird. Bentz zeigte sich etwa erschüttert von einer Schmiererei am Ortseingang, die von Siedlern angebracht wurde: „Ihr habt hier keine Zukunft.“
Der Erzbischof sagte: „Im direkten Kontakt mit den Menschen vor Ort zeigt sich, wie sehr die Einschüchterungsversuche und direkten Attacken in den vergangenen Monaten zugenommen haben, ohne dass die israelischen Sicherheitskräfte wirksam eingreifen. Immer mehr Menschen denken an Auswanderung. Der hohe Wohnungsleerstand, von dem uns zum Beispiel in Taybeh berichtet wurde, ist ein Alarmzeichen, dass die Menschen gehen.“
Bentz forderte die Politik sowie „zivilgesellschaftliche Initiativen und die Kirchen“ auf, ihre „Verpflichtung“ wahrzunehmen, „Rahmenbedingungen zu stabilisieren, damit Menschen bleiben“.
Die Lage im Westjordanland wurde in den vergangenen Jahren durch den Krieg im Gazastreifen in den Schatten gestellt. Obwohl die in Palästina angesiedelte Hamas am 7. Oktober 2023 den Staat Israel überfallen hatte, war dieser kurze Zeit später aufgrund des militärischen Vorgehens im Gazastreifen in die Kritik geraten. Als fast zwei Jahr nach Kriegsausbruch ein Waffenstillstand zwischen beiden Parteien geschlossen wurde, war auf Bildern und Videoaufnahmen das Ausmaß der Zerstörung im Gazastreifen zu sehen.
Die humanitäre Lage der Menschen dort war durch den Krieg äußerst prekär – ein Zustand, der in weiten Teilen bis heute anhält. Zuletzt klagten mehrere Dutzend internationale Hilfsorganisationen, dass der Staat Israel ihnen die Lizenz entzogen habe, weshalb sie den Menschen im Gazastreifen nicht länger helfen können.
Mit Blick auf das Westjordanland, sagte Bentz, sei „eine Dynamik im Gang, die bei uns oft übersehen wird, die aber auf keinen Fall hingenommen werden darf. Siedlergewalt und Siedlungsbau müssen sofort ein Ende haben. Das Existenzrecht des palästinensischen Volkes darf nicht infrage gestellt werden. Dafür treten wir genauso ein wie für das Existenzrecht Israels und seine Sicherheit.“
Es seien „Muster erkennbar, die darauf abzielen, eine stabile Zukunft der palästinensischen Bewohner zu verunmöglichen. Aus dem Bruch des Völkerrechts wird nie ein gerechter Friede erwachsen.“
Bentz zeigte sich in großer Sorge darüber, „wie es in Israel weitergeht, angesichts des bald beginnenden Wahlkampfes. Meine Gesprächspartner vor Ort befürchten, dass es zu weiteren Radikalisierungen in der israelischen Gesellschaft kommen kann.“
Erhalten Sie Top-Nachrichten von CNA Deutsch direkt via WhatsApp und Telegram.
Schluss mit der Suche nach katholischen Nachrichten – Hier kommen sie zu Ihnen.
Unsere Mission ist die Wahrheit. Schließen Sie sich uns an!
Ihre monatliche Spende wird unserem Team helfen, weiterhin die Wahrheit zu berichten, mit Fairness, Integrität und Treue zu Jesus Christus und seiner Kirche.
SpendenDie Besten katholischen Nachrichten - direkt in Ihren Posteingang
Abonnieren Sie unseren kostenlosen CNA Deutsch-Newsletter.