Kardinal Zen zieht trotz Kritik insgesamt positives Fazit des Konsistoriums

Kardinal Joseph Zen SDB
screenshot / YouTube / Church Militant

Der einstige Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun SDB, hat nach dem Treffen der Kardinäle im Vatikan ein insgesamt positives Fazit gezogen, aber auch Kritik geübt. Das Konsistorium fand Anfang Januar statt, aber Zen äußerte sich erst am Dienstag dazu.

„Die Woche in Rom war wirklich großartig“, begann Zen. Er habe aber den Eindruck bekommen, als würden einige Kardinäle das Konsistorium „als Fortsetzung der Weltsynode zur Synodalität betrachten“.

„Ich neige zu einer ‚Verschwörungstheorie‘ und vermute, dass dieses Treffen von den ‚Handlangern‘ von Papst Franziskus gekapert wurde“, führte er aus. „Sie haben alles getan, um die Kardinäle daran zu hindern, ihre Meinung zu äußern. Widerspricht dies nicht genau dem Zweck, zu dem Papst Leo das Konsistorium einberufen hat?“

Konkret folgte das Konsistorium dem Stil der Weltsynode, mit Gesprächen in Kleingruppen am runden Tisch. Es habe nur zwei Aussprachen gegeben, in denen die Kardinäle vor allen ihren Mitbrüdern offen reden konnten. Dabei seien in den jeweils 45 Minuten nur jeweils 15 Kardinäle zu Wort gekommen.

Obwohl vier Themen auf der Agenda standen, wurden aus Zeitgründen nur zwei behandelt, so Zen. Am ersten Tag sei indes „ein ganzer Nachmittag verschwendet“ worden, zeigte sich der Kardinal überzeugt.

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Nach dem Treffen der Kardinäle hätten mehrere Mitbrüder „Bedenken“ geäußert mit Blick auf den Ablauf, „obwohl sie im Gegensatz zu mir nicht zu Verschwörungstheorien neigten“. So hätten einige vermutet, Papst Leo XIV. habe „aufgrund der zahlreichen Veranstaltungen zum Abschluss des Heiligen Jahres“ eventuell nicht die Möglichkeit gehabt, „die Organisation des Treffens persönlich zu überwachen“.

Er selbst, erklärte Zen, habe einen Text zum Thema Synodalität vorbereitet, „aber da die Redezeit auf drei Minuten begrenzt war, konnte ich nur die wichtigsten Punkte vortragen“. Da der Pontifex „zu einem offenen Diskurs“ ermutigt habe, äußerte Zen „eine ziemlich pointierte Kritik“ an der Weltsynode „und den darauf folgenden Maßnahmen bezüglich der ‚praktischen Phase‘“.

„Ich weiß, dass viele Kardinäle vor einiger Zeit ähnliche Ansichten wie ich geäußert hatten, doch während der Sitzung sprachen sie wenig und sehr ‚höflich‘“, fügte der Kardinal hinzu. „Leider war ich der einzige ‚Unruhestifter‘.“

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„Nach meinen Äußerungen spürte ich einige missbilligende Blicke“, räumte er ein, „doch sowohl innerhalb als auch außerhalb der Versammlung drückten viele traditionalistische Brüder und Schwestern ihre Anerkennung aus. Ich habe die Reaktion des Papstes nicht beobachtet, aber ich weiß und bin fest davon überzeugt, dass er eine Führungspersönlichkeit ist, die gut zuhören kann.“

In seiner kurzen Ansprache beim Konsistorium sagte Zen: „Die gnadenlose Manipulation des Prozesses ist eine Beleidigung der Würde der Bischöfe, und die ständige Bezugnahme auf den Heiligen Geist ist lächerlich und fast blasphemisch.“ Und weiter: „Sie erwarten Überraschungen vom Heiligen Geist. Welche Überraschungen? Dass er das ablehnen soll, was er in der zweitausendjährigen Tradition der Kirche inspiriert hat?“