Am Hochfest der Apostel Petrus und Paulus hat Papst Franziskus im Petersdom die Pallien für die neuernannten Erzbischöfe und Metropoliten gesegnet. Dabei sprach er auch über das Vorbild der beiden Apostel und betonte, das Evangelium sei "nicht neutral" und passe sich nicht an die Vorstellungen der Welt an, wenngleich die Kirche dennoch auf die Welt "zugehen" müsse.

Bei der Heiligen Messe war auch eine Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel anwesend.

Petrus und Paulus als Vorbild

In seiner Predigt beleuchtete der Pontifex zwei wichtige Aspekte aus dem Leben und Wirken der beiden Apostel. "Zu dem einen, der von König Herodes eingekerkert wurde, sagt der Engel des Herrn: 'Schnell, steh auf' (Apg 12,7); der andere spricht sein ganzes Leben und Apostolat zusammenfassend: 'Ich habe den guten Kampf gekämpft' (2 Tim 4,7)", so Papst Franziskus. "Betrachten wir diese beiden Aspekte – schnell aufstehen und den guten Kampf kämpfen – und fragen wir uns, was sie uns als christlicher Gemeinschaft heute, während des synodalen Prozesses, zu sagen haben."

Das Aufwecken und Aufstehen bedeute, dass der Engel Petrus aus dem Todesschlaf erweckte und ihn zum Aufstehen aufforderte, was "ein bedeutsames Bild für die Kirche" sei, wie der Heilige Vater betonte. "Auch wir als Jünger des Herrn und als christliche Gemeinschaft sind aufgerufen, uns unverzüglich zu erheben, um in die Dynamik der Auferstehung einzutreten und uns vom Herrn auf die Wege führen zu lassen, die er uns zeigen will." Franziskus wörtlich:

Wir erleben immer noch eine Menge innerer Widerstände, die es uns nicht erlauben, in Bewegung zu kommen. Manchmal überkommt uns als Kirche die Faulheit, und wir ziehen es vor, uns auf die wenigen sicheren Dinge, die wir besitzen, zu besinnen, anstatt aufzustehen und den Blick auf neue Horizonte, auf das weite Meer zu richten. Wir sind oft wie Petrus im Gefängnis der Gewohnheit gefangen, haben Angst vor Veränderungen und sind an die Kette unserer Angewohnheiten gebunden. Auf diese Weise rutscht man jedoch in die geistliche Mittelmäßigkeit ab, man läuft Gefahr, auch in der Pastoral „auf der Stelle zu treten“, der Enthusiasmus für die Mission lässt nach, und anstatt ein Zeichen von Vitalität und Kreativität zu sein, erweckt man schließlich den Eindruck von Lauheit und Trägheit.

"Eine Kirche, die auf die Welt zugeht"

Die weltweite Synode zur Synodalität sei ein Aufruf, zu einer Kirche zu werden, die nicht auf sich selbst bezogen ist, sondern fähig, aus ihren eigenen "Gefängnissen" herauszukommen, "um auf die Welt zuzugehen". Der Papst sagte:

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Eine Kirche ohne Ketten und ohne Mauern, in der sich jeder willkommen und begleitet fühlen kann, in der die Kunst des Zuhörens, des Dialogs und der Teilnahme gepflegt wird, unter der alleinigen Autorität des Heiligen Geistes. Eine Kirche, die frei und demütig ist, die "schnell aufsteht", die nicht zögert, die die Herausforderungen von heute nicht aufschiebt, die nicht in den heiligen Hallen verweilt, sondern sich von der Leidenschaft für die Verkündigung des Evangeliums und dem Wunsch beseelen lässt, alle zu erreichen und alle anzunehmen.

Paulus, der sagte "Ich habe den guten Kampf gekämpft", beziehe sich auf die zahllosen, mitunter von Verfolgung und Leiden geprägten Situationen, fuhr der Pontifex fort. Jeder Christ sei dazu berufen, ein missionarischer Jünger zu sein und seinen Beitrag zu leisten.

"Keine Kompromisse mit dem Denken der Welt"

Die Verkündigung des Evangeliums sei "nicht neutral" und lasse Dinge nicht einfach so, wie sie sind, unterstrich Franziskus. "Sie akzeptiert keine Kompromisse mit dem Denken der Welt, sondern entfacht im Gegenteil das Feuer des Reiches Gottes überall dort, wo die menschlichen Machtmechanismen, das Böse, die Gewalt, die Korruption, die Ungerechtigkeit und die Ausgrenzung herrschen." Der Papst appellierte an die Gläubigen:

Wir dürfen uns ganz bestimmt nicht in unseren kirchlichen Kreisen verschließen und uns auf bestimmte sterile Diskussionen fixieren, sondern sollten einander dabei helfen, Sauerteig in der Welt zu sein. Gemeinsam können und müssen wir Gesten der Sorge für das menschliche Leben, für die Bewahrung der Schöpfung, für die Würde der Arbeit, für die Probleme der Familien, für die Lebensbedingungen der Alten und der Verlassenen, der Abgelehnten und Verachteten setzen. Kurz gesagt, wir können und müssen eine Kirche sein, die sich für eine Kultur der Fürsorge einsetzt, die Mitgefühl für die Schwachen weckt und gegen alle Verfallserscheinungen kämpft, auch in unseren Städten und an den Orten, an denen wir uns aufhalten, damit die Freude des Evangeliums im Leben eines jeden Menschen aufleuchtet: Das ist unser "guter Kampf".

Die gewöhnlich am Mittwochmorgen stattfindende Generalaudienz fiel aufgrund der Messfeier am heutigen Hochfest aus.

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