Menschen auf dem Petersplatz schildern ihre persönlichen Erinnerungen an Papst Benedikt

Pilgergruppe aus Köln
Courtney Mares / CNA

Katholiken aus Deutschland, Frankreich, Ghana, Indien, Australien, Uganda und vielen anderen Ländern, die am Donnerstag an der Totenmesse für Benedikt XVI. teilnahmen, haben von ihren schönsten Erinnerungen an den verstorbenen Papst erzählt und erklärt, warum einige beschlossen haben, am Ende der Zeremonie in die "Santo subito"-Rufe einzustimmen.

Mehr als 50.000 Menschen nahmen am 5. Januar an der Beerdigung des emeritierten Papstes teil, der am vergangenen Samstag im Alter von 95 Jahren gestorben war. 

Unter den Trauergästen war auch Arthur Escamila, der Benedikt XVI. während des Weltjugendtags 2008 in Australien persönlich kennengelernt hatte. 

"Es war sehr emotional, den Sarg aus der Basilika kommen zu sehen", sagte er gegenüber Catholic News Agency (CNA), der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.

Escamila, ein Numerarier des Opus Dei, erinnerte sich daran, wie Benedikt XVI. einige Tage im Zentrum des Opus Dei in Sydney verweilte, wo er zu dieser Zeit lebte. 

"Ich hatte das Privileg, 2008 kurz vor dem Weltjugendtag für drei Tage mit ihm in Sydney zusammenzuleben. Wir haben drei Tage zusammen verbracht. Ich habe seine Messe besucht. Ich habe mit ihm gegessen. Ich habe mit ihm Musik gehört", sagte er.

Benedikt XVI. war "sehr bescheiden" und "zugänglich", erinnerte sich Escamila. "Von Anfang an lernte er meinen Namen. Er sprach mich mit meinem Vornamen an und das hat mich sehr beeindruckt."

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"Mein Vater war vor kurzem gestorben. Er interessierte sich dafür und stellte mir Fragen über meinen Vater, meine Familie. Er wollte etwas über seine Krankheit wissen. Das hat mich persönlich berührt", sagte er. "Sein Tod bedeutete mir sehr viel, denn damit schloss sich ein Kapitel, in dem ich den emeritierten Papst persönlich kannte und eine persönliche Verbindung zu ihm hatte."

Auch Kardinal Oswald Gracias, der Erzbischof von Bombay, sprach über seine persönlichen Erinnerungen an Benedikt XVI.

Der Kardinal, der zur Beerdigung aus Indien angereist war, sagte gegenüber CNA, dass er die Beerdigung als "sehr bewegend" und als einen "angemessenen Abschied für den emeritierten Heiligen Vater" empfand.

"Er war ein großer Theologe, der größte des 20. Jahrhunderts, denke ich. Ich persönlich – wann immer ich einen Artikel, ein Buch oder eine Predigt von ihm gelesen habe, habe ich immer eine neue Einsicht in die Theologie oder Spiritualität gewonnen. Er hat einen großen Beitrag für die Kirche geleistet", sagte Gracias.

Der indische Kardinal bedankte sich auch für die vielen Berührungen, die der ehemalige Papst mit seinem Leben hatte: "Er hat mich zum Kardinal gemacht. Er ernannte mich zum Erzbischof von Bombay ... und wir trafen uns oft. Ich war im Ausschuss für die Übersetzung liturgischer Texte, und so haben wir dort viel diskutiert."

Der Priester Albert Musinguzi aus Uganda sagte, er habe bei der Beerdigung "tiefe spirituelle Freude" empfunden, vor allem, weil es die erste Messe war, die er im Vatikan konzelebriert hat.

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"Obwohl wir einen großen Mann verloren haben, trauern wir nicht. Wir feiern einen geistigen Riesen, einen großen Mann, ein Geschenk für die Kirche und die ganze Welt, denn Papst Benedikt war nicht nur ein Mann für die Kirche, sondern für die ganze Welt", sagte er.

Der Priester aus der ugandischen Erzdiözese Mbarara, der derzeit in Rom studiert, sagte, er glaube, dass der verstorbene emeritierte Papst ein Heiliger sei.

"Papst Benedikt war ein bescheidener Papst, aber ein großer Theologe. Wir haben von seiner Bescheidenheit gelernt, uns Gott vom Wort Gottes her zu nähern. Aber was mir an seinen Predigten am besten gefällt, ist, dass Gott und die Wissenschaft keine Gegensätze sind ... Und was mich im Leben von Papst Benedikt XVI. am meisten berührt hat, waren seine letzten Worte", sagte Musinguzi.

"Wie wir wissen, ist Papst Benedikt 95 Jahre alt geworden, also hat er 71 Jahre lang Predigten gehalten und unzählige Aufsätze verfasst. Er hat 66 Bücher, drei Enzykliken und vier Exhortationen geschrieben, und er hat sie alle in vier Worten zusammengefasst, die seine letzten vier Worte waren: 'Jesus, ich liebe dich.'"

Tabea Schneider reiste 20 Stunden mit dem Bus aus Köln an, zusammen mit vielen anderen begeisterten deutschen Pilgern, die sich spontan entschlossen hatten, zur Beerdigung nach Rom zu kommen. Sie sagte, dass sie sehr bewegt war, als Papst Franziskus den Sarg von Benedikt XVI. berührte.

Tabea Schneider (ganz links) mit einer Gruppe von Pilgern aus Köln (Foto: Courtney Mares / CNA)

"Das war ein sehr emotionaler Moment", sagte sie.

 Eine Gruppe von etwa 65 Personen aus ganz Frankreich reiste gemeinsam zur Beerdigung Benedikts nach Rom.

Die Famille Missionnaire de Notre-Dame, eine religiöse Gemeinschaft von Männern und Frauen, hatte zwei Busse organisiert.

Nach der Beerdigung betete die Gruppe auf dem Petersplatz das Stundengebet für die Seelenruhe von Benedikt XVI.

Die aus Polen stammende Schwester Maksymiliana Domini sagte gegenüber CNA, die Gruppe sei am Dienstagabend angekommen und werde in der Nacht der Beerdigung abreisen.

"Wir lieben Papst Benedikt", sagte sie und fügte hinzu, dass sie ihn und sein Vermächtnis ehren wollten.

Die "Famille Missionnarie de Notre-Dame" fühle sich Benedikt sehr nahe, weil sie die Liebe zur Liturgie der Kirche und die Auslegung des Zweiten Vatikanischen Konzils im Sinne der Kontinuität teilten, sagte sie.

"Wir sind geistig zu 100 Prozent mit ihm verbunden", sagte Domini.

Der Priester Anthony Agnes Adu Mensah aus Accra, Ghana, sagte, er habe begeistert in die Sprechchöre von "santo spirito" am Ende der Messe eingestimmt.

"Ich fühle in meinem Herzen, dass Papst Benedikt ein Heiliger ist", sagte der Priester.

Hannah Brockhaus war an der Erstellung dieses Artikels beteiligt.

Übersetzt und redigiert aus dem Original von Catholic News Agency (CNA), der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.

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