Fügsamkeit und Fürsprache: Papst Franziskus ermuntert Geistliche im Südsudan

Papst Franziskus am 4. Februar 2023
Vatican Media

„Wie können wir den Dienst in diesem Land ausüben, entlang der Ufer eines Flusses, der von so viel unschuldigem Blut getränkt ist, während die Gesichter der uns anvertrauten Menschen von Tränen des Schmerzes zerfurcht sind?“ Unter diese Frage stellte Papst Franziskus seine Begegnung am Samstagmorgen mit Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Seminaristen im Südsudan. In seiner Ansprache ging er als Antwort auf die Begriffe Fügsamkeit und Fürsprache in.

Fügsamkeit

Zum Thema Fügsamkeit stellte Franziskus zunächst fest: „Unterschwellig denken wir, dass wir der Mittelpunkt sind, dass wir uns, wenn nicht in der Theorie, so doch zumindest in der Praxis, fast ausschließlich auf unser eigenes Können verlassen können; oder dass wir als Kirche die Antwort auf die Leiden und Nöte der Menschen durch menschliche Mittel wie Geld, List und Macht finden.“

In Wahrheit nehme das Wirken der Geistlichen „seinen Ausgang jedoch bei Gott: Er ist der Herr und wir sind dazu aufgerufen, fügsame Werkzeuge in seinen Händen zu sein.“ Man solle sich Gott wie Mose dem brennenden Dornbusch „mit Staunen und Demut“ nähern, „uns von ihm anziehen und neu ausrichten“ lassen. Es gelte, „den Vorrang Gott einzuräumen und nicht uns, damit wir uns seinem Wort anvertrauen, bevor wir uns unserer eigenen Worte bedienen, damit wir seine Initiative fügsam annehmen, bevor wir unsere persönlichen und kirchlichen Projekte angehen“.

„Machen wir es also wie Mose im Angesicht Gottes“, forderte der Pontifex. „Ziehen wir unsere Sandalen in demütiger Ehrfurcht aus, entledigen wir uns unserer menschlichen Anmaßung, lassen wir uns vom Herrn anziehen und pflegen wir die Begegnung mit ihm im Gebet; nähern wir uns jeden Tag dem Geheimnis Gottes, damit er das Gestrüpp unseres Stolzes und unserer maßlosen Ansprüche wegbrennt und uns zu demütigen Wegbegleitern der uns Anvertrauten macht.“

Fürsprache

Mit der biblischen Erzählung von Mose als Fürsprecher für das Volk Israel im Hinterkopf erklärte der Papst, Fürsprache bedeute, „sich in die Mitte des Volkes zu stellen, ‚zu Brücken zu werden‘, die es mit Gott verbinden“.

„Unsere erste Verpflichtung besteht nicht darin, eine perfekt organisierte Kirche zu sein, sondern eine Kirche, die im Namen Christi inmitten des vom Volk durchlittenen Lebens steht und sich die Hände für die Menschen schmutzig macht“, mahnte Papst Franziskus. „Wir dürfen unseren Dienst nie ausüben, indem wir religiösem und sozialem Ansehen hinterherjagen, sondern indem wir mittendrin und gemeinsam unterwegs sind, indem wir lernen, zuzuhören und in den Dialog zu treten, indem wir untereinander als Amtsträger und mit den Laien zusammenarbeiten.“

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Auf drei Aspekte der Fürsprache ging Franziskus gesondert ein.

Erstens müssten die Bischöfe, Priester, Diakone, Ordensleute und Seminaristen ihre Stimme „gegen Ungerechtigkeit und Machtmissbrauch“ erheben, „die die Menschen unterdrücken und sich der Gewalt bedienen, um im Schatten der Konflikte Geschäfte zu machen. Wenn wir Hirten sein wollen, die für die Menschen eintreten, können wir angesichts des Schmerzes, der durch Ungerechtigkeit und Gewalt verursacht wird, nicht neutral bleiben, denn wo eine Frau oder ein Mann in ihren Grundrechten verletzt werden, wird Christus verletzt.“

Zweitens gelte es, „unsere Geschwister wiederaufzurichten, sie daran zu erinnern, dass Gott seinen Verheißungen treu ist, sie dazu anzuspornen weiterzugehen. Unsere Hände sind nicht nur für die heiligen Riten ‚mit Geist gesalbt‘, sondern um Menschen zu ermutigen, um ihnen zu helfen und sie dabei zu begleiten, aus dem herauszukommen, was sie lähmt, was sie verschlossen und ängstlich macht.“

Und drittens gelte: „Die Kämpfe des Volkes durch das Gebet vor Gott zu unterstützen, Vergebung zu erwirken, Versöhnung zu vermitteln als Kanäle der Barmherzigkeit Gottes, der die Sünden vergibt: Das ist unsere Aufgabe als Fürsprecher!“

Abschließend dankte Papst Franziskus den Bischöfen, Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Seminaristen im Südsudan „im Namen der ganzen Kirche“ für ihren Einsatz und für ihre Opfer. „Ich wünsche euch“, so der Papst, „dass ihr immer großherzige Hirten und Zeugen seid, bewaffnet allein mit Gebet und Nächstenliebe, die sich fügsam von Gottes Gnade überraschen lassen und zu Werkzeugen des Heils für andere werden; Propheten der Nähe, die das Volk begleiten, Fürsprecher mit erhobenen Armen“.

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