Krypta in Paderborner Dom bekommt Tafel mit Hinweis auf Fehlverhalten bei Missbrauch

Der Paderborner Dom.
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In der Krypta des Doms der Erzdiözese Paderborn „steht ab sofort eine Tafel, die auf das Fehlverhalten der beiden früheren Paderborner Erzbischöfe Lorenz Kardinal Jaeger und Johannes Joachim Kardinal Degenhardt beim Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs“ hinweise. Das teilte das Erzbistum am Donnerstag mit.

Die gesamte Krypta des Doms wurde umgestaltet. „Die Krypta hat in unserer Bischofskirche eine besonders ehren- und wertvolle Aufgabe, denn sie birgt die Reliquien des heiligen Liborius als Patron von Erzbistum, Dom und Stadt Paderborn“, erläuterte Dompropst Joachim Göbel. Es sei das Anliegen des Paderborner Metropolitankapitels gewesen, „diese Herzkammer unseres Erzbistums“ mit einem „zeitgemäßen, aber auch würdevollen Konzept“ zu gestalten, da sie vielen Menschen am Herzen liege.

„Die Krypta erstrahlt in ganz neuem Licht und bewahrt dennoch ihren historischen Charakter“, fasste Göbel zusammen. „Ich wünsche allen Besucherinnen und Besuchern, dass dieser besondere Ort weiterhin eine Inspiration und eine Erfahrung für lebendigen Glauben wird.“

Ende 2021 war der Zwischenbericht der Missbrauchsstudie für das Erzbistum Paderborn veröffentlicht worden. Eine ganze Reihe schwerer Vorwürfe wurde dabei gegen die Erzbischöfe Lorenz Jaeger (verantwortlich für Paderborn von 1941 bis 1973) und Johannes Joachim Degenhardt (1974 bis 2002) – beide waren Kardinäle – erhoben. Sie seien dafür verantwortlich gewesen, dass des Missbrauchs beschuldigte Priester versetzt wurden, wobei sie nicht selten am neuen Einsatzort wieder sexuelle Gewalttaten begingen.

„In manchen Fällen hat es Vereinbarungen mit Staatsanwaltschaften gegeben, dass auf Bewährung verurteilte Täter nicht mehr in Gemeinden eingesetzt werden sollen, und dennoch ist das geschehen“, so die Historikerin Nicole Priesching. Auch sei vom Erzbistum Druck auf Betroffene und ihre Familien ausgeübt, keine Anzeige zu erstatten.