Hinweis auf Fehlverhalten in Missbrauchsfällen aus Paderborner Dom verschwunden

Paderborner Dom
Zefram / Wikimedia Commons (CC BY 2.0 DE)

Eine Tafel, die auf das Fehlverhalten der beiden früheren Paderborner Erzbischöfe Lorenz Jaeger und Johannes Degenhardt beim Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs hinweist, ist aus der Krypta des Doms verschwunden. Sie war erst wenige Tage zuvor aufgestellt worden.

Wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtete, habe sich der Diebstahl „vermutlich am Sonntag ereignet“. Die Tafel „solle zeitnah wieder aufgestellt werden, hieß es“.

Mehrere Beobachter hatten die Aufstellung der Tafel deutlich kritisiert. Schwester Anna Mirijam Kaschner CPS, die aus dem Erzbistum Paderborn stammende Generalsekretärin der nordischen Bischofskonferenz, hatte etwa erklärt: „Schaut man in die sozialen Medien, so kann man lesen, dass es gut sei, im Sinne der Aufklärung des Missbrauchs, diese Schuldtafel anzubringen. Aufklärung also. Aber gehört zu einer Aufklärung nicht auch, dass sich die angeklagten Personen erklären können, Stellung nehmen und auch um Vergebung bitten können? All dies ist den beiden Kardinälen nun leider nicht möglich. Und da sie sich durch ihren Tod nun einmal der weltlichen Gerichtsbarkeit entzogen haben, muss man sie wohl noch nachträglich irgendwie ‚bestrafen‘ – und sei es eben durch eine ‚Missbrauchstafel‘.“

Ende 2021 war der Zwischenbericht der Missbrauchsstudie für das Erzbistum Paderborn veröffentlicht worden. Eine ganze Reihe schwerer Vorwürfe wurde dabei gegen die Erzbischöfe Lorenz Jaeger (verantwortlich für Paderborn von 1941 bis 1973) und Johannes Joachim Degenhardt (1974 bis 2002) – beide waren Kardinäle – erhoben. Sie seien dafür verantwortlich gewesen, dass des Missbrauchs beschuldigte Priester versetzt wurden, wobei sie nicht selten am neuen Einsatzort wieder sexuelle Gewalttaten begingen.

„In manchen Fällen hat es Vereinbarungen mit Staatsanwaltschaften gegeben, dass auf Bewährung verurteilte Täter nicht mehr in Gemeinden eingesetzt werden sollen, und dennoch ist das geschehen“, so die Historikerin Nicole Priesching. Auch sei vom Erzbistum Druck auf Betroffene und ihre Familien ausgeübt worden, keine Anzeige zu erstatten.